Angst vor den Russen

"Kalter Krieg" behindert Opel-Magna-Deal

Der "Kalte Krieg" ist längst vorbei, aber die Auswirkungen sind noch immer zu spüren. Aus Abneigung gegen Russland denkt General Motors momentan nicht daran, den Magna-Deal mit Opel abzusegnen.

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Zeichen russischer Stärke: Militärparade in Moskau. Die "alte" Angst vor dem Klassenfeind Russland trifft nun indirekt Opel, denn GM blockt deswegen den Magna-Deal, an dem auch russische Partner beteiligt sind.
Video: Weiter in Warteschleife - General Motors will Opel nicht rausrücken
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".
Für den neuen Opel Astra ist der FlexFix-Fahrradträger als Extra verfügbar
Das System hat Platz für zwei normale Erwachsenenräder
FlexFix basiert auf einer Art Schublade im Heckstoßfänger. Eigene Rückleuchten sind integriert
Auch das Nummernschild bleibt sichtbar - es wird mit herausgezogen
Das System ist vom Corsa bekannt; dort kostet es 530 Euro
Auch beim Antara ist FlexFix bestellbar - für 650 Euro. Hier beinhaltet die Schublade ein zweites Nummernschild, das im eingeschobenen Zustand eingeklappt in der Schublade liegt
Video: Börse am Mittag - Zitterpartie um Opel geht weiter
Video: Börse am Mittag - GM lässt sich Zeit mit Opel

Eine alte Angst aus dem Kalten Krieg behindert den Magna-Opel-Deal: Amerikanische Technologie fällt in russische Hände - das ist eine Sorge, die derzeit in der Konzernzentrale in Detroit immer wieder genannt wird. Das von der deutschen Regierung favorisierte Angebot des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna ist eng mit der russischen Sberbank verknüpft.

GM hatte dem Deal im Mai vorläufig zugestimmt, als der einst größte Autohersteller der Welt händeringend nach Wegen suchte, dem Bankrott zu entgehen. Doch nun, unter dem Schutz des Chapter 11 und von besseren Verkaufszahlen ermutigt, ist in Detroit der Opel-Verkauf wieder auf dem Prüfstand. Und da findet man es nun gar nicht mehr gut, dass die Verbindung mit Opel dem russischen Rivalen GAZ auf die Sprünge helfen könnte: GM's Chevrolet steht in Russland im Wettbewerb mit den derzeit altbackenen Wolga-Autos von GAZ. Chevrolet ist derzeit die Nummer zwei auf dem russischen Wachstumsmarkt.

Da finden GM-Kreise das Angebot des Finanzinvestors RHJ International attraktiver, auch wenn die deutsche Regierung das Magna-Angebot für den Erhalt der rund 25.000 Arbeitsplätze bei Opel für zukunftssicherer halten sollte.

Sberbank und GAZ haben enge Bindungen zum russischen Staat und der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat wiederholt erklärt, er erhoffe sich von dem Opel-Deal einen Auftrieb für die russische Autoindustrie. "Es macht Sinn, das GM sich nach einer Alternative umschaut", sagt der Professor für internationalen Handel der Universität, Michigan, Jan Svejnar. "In Russland sind in diesen Tagen große Unternehmen mit einem beträchtlichen Staatsanteil offensichtlich miteinander verknüpft."

US-Regierung schweigt

GAZ ist produktionstechnisch Jahre hinter GM und anderen westlichen Autobauern zurück. GM befürchtet, dass GAZ mit für den Konzern dann kostenloser Opel-Technologie ihm auf seinem zweitwichtigsten europäischen Markt Konkurrenz macht. GM und Magna hätten zwar ein Abkommen zum Schutz der derzeitigen GM-Technologie ausgearbeitet, der GM-Vorstand befürchtet aber, dass davon nichts übrig bleibt, sollte Opel in einen Zahlungsverzug geraten. Die US-Regierung, der 60,8 Prozent von GM gehören, wollte sich nicht zu einem möglichen Technologietransfer nach Russland äußern.

Es gibt aber auch Analysten, die die russischen Ängste GM's für übertrieben halten. GAZ behaupte sich nur auf dem Markt, weil der Wolga dank Subventionen und Zöllen billiger als ausländische Autos sei, sagte Serguei Netessine von der Universität von Pennsylvania. Selbst wenn GAZ heute Opel-Technologie erhalte, werde es wegen der Ineffizienz in seinen Fabriken Jahre dauern, bis damit die ersten Autos gebaut werden könnten. GAZ, Sberbank und die russische Regierung hätten kein Kapital, um in den Bau neuer Fabriken zu bauen - und auch nicht den politischen Willen, Tausende von Arbeitsplätzen mit der Modernisierung der bisherigen 70er-Jahre Technologie zu vernichten, sagt Netessine.

"Selbst wenn GM komplett die Forschung und Produktentwicklung einstellen würde, könnten sie (GAZ) vielleicht frühestens in fünf oder zehn Jahren aufschließen. Ich denke, diese Ängste von GM sind ein bisschen übertrieben", sagt Netessine.

(AP, N24)

27.08.2009 07:45 Uhr

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