Funknetze ausgespäht?

Aigner will Aufklärung über Street View

Google erfasst mit Street View offenbar auch die WLAN-Netze in Deutschland. Das berichtet Datenschutzbeauftragter Peter Schaar. Verbraucherministerin Ilse Aigner gefällt das gar nicht.

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Bisher gingen Datenschützer davon aus, dass Google mit Street View "nur" 360-Grad-Ansichten der Landschaft aufnimmt - und hatten schon dagegen Bedenken.
Video: Street View - Google erfasst deutsche WLAN-Netze
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Der Internetriese Google will mit seinem Straßenfoto-Dienst "Street View" einen weiteren Mehrwert seiner Google Maps liefern. Zur Einführung im Mai 2007 waren lediglich fünf Städte in den USA per Rundum-Sicht erkundbar. Seitdem ...
... sind die Wagen mit den Hightech-Kameras auf zahlreichen Straßen, Nationalparks und Fahrradwegen unterwegs. Google sammelt Bilder der Orte unter Verwendung einer speziellen Ausrüstung, besonderen Kameras und unter Einsatz von GPS-Technik. So können ...
... Bilder eines bestimmten Standortes aufgenommen und entsprechend angepasst werden. Nach Aufnahme der Bilder werden diese zu einem 360-Grad-Panoramabild zusammengefügt. Derzeit ist "Street View" ...
... für mehr als ein Dutzend Länder in Nordamerika, Europa und des Asien-Pazifik-Raums verfügbar. Deutsche Karten des Dienstes sollen noch 2010 angeboten werden. Besonders in Deutschland ist Google jedoch auf regen Widerstand gestoßen. Insbesondere ...
... Datenschützer kritisieren die ungehemmte Datensammelwut. Die rollenden Kameras lichten Häuser, parkende Autos und zufällig vorbeilaufende Passanten ab. Google veröffentlicht diese Bilder ohne die Genehmigung der aufgenommenen Passanten einzuholen.
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner macht bereits klar, dass sie "Street View" für eine "millionenfache Verletzung der Privatsphäre" hält. Google reagiert auf diese Kritik und macht auf allen Fotos Kennzeichen und Gesichter unkenntlich.
Weiterhin erarbeitet Google speziell für Deutschland technische Voraussetzungen, die besondere Rechte der Nutzer ermöglicht: Jetzt soll jeder, der nicht möchte, dass sein Haus im Internet gezeigt wird, das Bild löschen lassen können. Gesichter und ...
... Autokennzeichen werden automatisch unkenntlich gemacht. Falls das Computerprogramm etwas übersieht, will Google auf einen entsprechenden Hinweis hin nachbessern. "Diese Angebote gelten nur in Deutschland" sagt Google-Vertreter Arndt Haller.
Der Online-Konzern argumentiert den Kritiken zum Trotz, dass es bei der neuen Straßenansicht nur um die faszinierende Möglichkeit gehe, sich fremde Städte anzusehen. Aber wie funktioniert nun dieser Dienst genau?
Über den Link maps.google.de gelangt man zur Karte und über das Suchfeld kann man einen beliebigen Ort weltweit suchen. Sofern für diesen Ort "Street View" verfügbar ist, leuchtet oben links über dem Zoom-Balken ein gelbes Männchen auf.
Per "Drag and Drop" kann das Männchen mit der Maus genommen werden, anschließend leuchten alle verfügbaren Straßen mit "Street View" blau auf. Nun kann das Icon auf eine gewünschte Straße gezogen werden, von der im Anschluss ...
... die 360-Grad-Sicht angezeigt wird. Auf dem Bild sind wir auf der Tower Bridge in London gelandet. Linien und Pfeile auf den Straßen ermöglichen eine Navigation und Fortbewegung im "Street View" Modus. Neben London können ...
... so zahlreiche Sehenswürdigkeiten erkundet werden. Man kann durch die Steine im englischen Stonehenge wandern, ...
... den Eifelturm in Paris bewundern, ...
... das Colosseum in Rom umrunden und ...
... den Trubel am Times Square in New York bestaunen.
Zu besonderen Anlässen bietet Google auch passende Informationen an. So können Nutzer zu Olympia 2010 in Vancouver die Abfahrtspisten der Ski-Wettbewerbe oder die Skisprungschanzen virtuell erkunden.
Bisweilen erhält Google von Eigentümern privater Attraktionen die Genehmigung zur Veröffentlichung von Bildern in "Street View". So beispielsweise Bilder aus dem Disneyland Paris.
Und auch weltbekannte Plätze wie die Sterne des Hollywood Boulevard in Los Angeles, ...
... die Oper in Sydney, ...
... der Ocean Drive in Miami oder ...
... ein Tempel im japanischen Kyoto können per Mausklick besucht werden. Kurios und teilweise peinlich können allerdings die Aufnahmen der Google-Bilder für einige Passanten werden ...
Diese beiden wollten vielleicht nicht bei Ihrem Besuch eines Sexshops in Amsterdam aufgenommen werden.
Ebenso wenig wie wohl diese junge Dame, die neugierig dem Google-Fotowagen hinterher schaut, scharf auf ein Foto war. Derartig peinliche und lustige Street View Bilder, die während der Google-Aufnahmen geschossen wurden, machen im Internet ihre Runden.
Die automatische Gesichtserkennung der Google-Software stößt manchmal auch an ihre Grenzen, wie zum Beispiel bei diesem Poster der Band "U2". Oder sind etwa nur Bono und The Edge wichtig?
Auch Unfälle passieren während der Aufnahmen. Wenn allerdings Tote oder Schwerverletzte zu sehen sind, nimmt Google diese Bilder von der Seite.
Google selbst beweist auch Humor und versteckt so genannte "Easter Eggs" in den Aufnahmen. Hier haben sie beispielsweise einen lebensgroßen "Pegman", das Icon des Dienstes, vor dem Hafen in Rotterdam platziert.
Ein Blick in die neuartige Panorama-Welt von Googles "Street View" lohnt sich also auf jeden Fall. Sei es zum Erkunden des gebuchten Urlaubsortes, oder zur Suche nach kuriosen Bildern. Mal schauen, was auf den deutschen Aufnahmen zu finden sein wird.
Video: Google "Street View" - Deutsche Nutzer mit Sonderrechten
Video: "Google Street View" - Gemeinde in Holstein kämpft gegen Google

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will vom Suchmaschinenanbieter Google genaue Aufklärung über die Erfassung von WLAN-Daten für den Kartendienst Street View. "Google muss die Karten auf den Tisch legen", sagte ein Ministeriumssprecher. "Wir fordern Google auf, mitzuteilen, welche Daten das Unternehmen im Einzelnen erfasst hat und wie diese vernetzt und vermarktet werden sollen." Das Ministerium teilt die Kritik von Datenschützern: "Es ist höchst zweifelhaft, wenn ein Unternehmen solche privaten Einrichtungen wie WLAN-Netze ortet und speichert ohne Wissen der Bürger."

Zuvor hate Bundesdatenschützer Peter Schaar die Praxis von Google öffentlich gemacht. Ein Vertreter von Google habe eingeräumt, dass in Deutschland alle für den Internetdienst von Google Street View im Einsatz befindlichen Fahrzeuge mit technischen Geräten zur Kartografierung von WLAN-Netzen ausgerüstet seien, hieß es in einer Mitteilung des Datenschutzbeauftragten.

"Eine schriftliche Antwort auf Fragen über die genauen technischen Vorgänge und Hintergründe dieser Erfassung haben wir von Google nicht erhalten", erklärte Schaars Behörde. Ebenso wenig sei die Besichtigung eines Google-Street-View-Fahrzeugs ermöglicht worden. Damit erhärte sich der Verdacht, dass die Fahrten für Google Street View in den vergangenen Jahren nicht nur zur Aufnahme von Straßenansichten, sondern auch zur flächendeckenden Erhebung und Speicherung gerade auch der von privaten Haushalten betriebenen WLAN-Netze genutzt würden.

Bundesdatenschützer Schaar fügte hinzu: "Ich bin entsetzt, zu welchen Zwecken diese Fahrten ohne Wissen Dritter genutzt worden sind. Ich fordere Google auf, die bisher rechtswidrig erhobenen personenbezogenen Daten über die WLAN-Netze umgehend zu löschen und die Fahrten für Street View zu stoppen". Eine Stellungnahme von Google wurde für den weiteren Verlauf des Donnerstags zugesagt.

Lokalisierung über WLAN schon länger möglich

Die Daten von WLAN-Netzen werden allerdings schon seit Jahren benutzt, um vor allem in Großstädten zusammen mit Mobilfunkmasten und Satelliten die Position von Smartphones wie dem iPhone besser zu bestimmen. Das kann für Nutzer elektronischer Landkarten hilfreich sein, wo der Empfang von GPS-Satelliten wegen Gebäuden nicht so gut wie auf dem Land ist. So hat die Bostoner Firma Skyhook Wireless nach eigenen Angaben über 100 Millionen WLAN-Netze in Nordamerika, Europa, Asien und Australien gespeichert, um genauere Positionsbestimmungen zu ermöglichen. Die Daten werden wie bei Google mit Autos gesammelt. Diese Praxis sei in der Branche normal, erklärt das Unternehmen auf seiner Website.

(apn, N24)

25.04.2010 11:23 Uhr

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