Gedenkfeier geplant

Duisburgs Oberbürgermeister erwägt Rücktritt

Nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg hat die Aufarbeitung der Katastrophe begonnen. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht in der Kritik und erwägt zurückzutreten.

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Als Adolf Sauerland an der Unglücksstelle Blumen niederlegte und sich informierte wurde er von wütenden Trauernden attackiert.
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Nach dem Unglück mit 19 Toten bei der Duisburger Loveparade wurde von Behörden Einzelheiten zum Hergang genannt. Anscheinend sind kurz nach 17.00 Uhr an einem Tunnelaufgang am Veranstaltungsgelände Menschen über Absperrungen geklettert...
Das Unglück am Rande der Loveparade ereignete sich entlang eines breiten Tunnels, durch den die Teilnehmer auf das Gelände gelangten. Der Zugang zur Event-Area erfolgte ausschließlich über die offiziellen Eingänge an der Karl-Lehr- Straße.
Das Verkehrskonzept der Stadt sah vor, die Raver vom nördlich gelegenen Hauptbahnhof Duisburg in zwei Strömen - einer westlich, der zweite östlich - zum weiter südlich gelegenen Partygelände gehen zu lassen.
Bei dem Unglück waren nach Polizeiangaben neun weibliche und sechs männliche Teilnehmer des Raves getötet worden. Mehrere Verletzte wurden reanimiert.
Die späteren Opfer sind offenbar an der Tunnelwand hochgeklettert und dann abgestürzt.
An der Loveparade auf dem Gelände um den alten Duisburger Güterbahnhof hatten nach Angaben der Organisatoren über den gesamten Tag verteilt 1,4 Millionen Menschen teilgenommmen.
Der städtische Krisenstab entschied nach dem Unglück, die Loveparade nicht sofort zu beenden. Man habe gewollt, "dass diese Veranstaltung in Ruhe ausklingt" und keine Panik entsteht.
Kurz vor dem Unglück hatte die Polizei den zentralen Zugang zu dem überfüllten Gelände gesperrt und Teilnehmer aufgefordert, zum Bahnhof Duisburg zurückzugehen.
Die Beamten baten die Teilnehmer, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen. Damit mussten viele Menschen zurück in Richtung Tunnel. Fernsehbilder zeigen, dass die Teilnehmer dicht an dicht gedrängt durch die Unterführung laufen mussten.
Im Kurznachrichtendienst "Twitter" war mit Blick auf den Tunnel schon vor der Veranstaltung von einer "Falle" die Rede.
Zwischen den Brücken über die Straßen gibt es einige Lücken - womöglich brach die Panik aus, als Menschen versuchten, über eine geöffnete Treppe in diesem Bereich zu entkommen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte in Berlin, er sei "erschüttert und tief bestürzt". "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Wo die Kräfte des Bundes helfen können, helfen sie."
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Der wegen der Katastrophe bei der Loveparade mit 20 Toten in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt nicht aus. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte Sauerland im Radiosender WDR2. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich", sagte Sauerland zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen.

Sauerland sagte, er sei nach wie vor zutiefst betroffen und bestürzt. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass er bei einem Besuch des Unglücksorts von Trauernden körperlich attackiert wurde. "Da waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben. Das verstehe ich." Dennoch verteidigte Sauerland auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein, dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft."

Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Außerdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten. Bei einer Massenpanik während der Loveparade waren am Samstag 20 Menschen getötet worden, mehr als 340 weitere Menschen wurden verletzt.

Keine Verletzten mehr in Lebensgefahr

Von den Verletzten befindet sich niemand mehr in Lebensgefahr. Dies sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, Rolf Haferkamp. Er wollte zunächst keine Angaben zu Medienberichten machen, wonach Unterlagen belegen sollen, dass massive Sicherheitslücken zu der Panik mit 20 Toten geführt haben.

Es seien eine Reihe Unterlagen beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden müssten, sagte Haferkamp. Erst danach lasse sich sagen, ob sich Beweise zu Lasten einzelner Verantwortlicher bei der Genehmigung, Organisation und Ausführung der Veranstaltung verdichteten. Derzeit liefen die wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung eingeleiteten Ermittlungen weiterhin gegen Unbekannt. Wie Haferkamp sagte, waren bei der Staatsanwaltschaft bis Montagvormittag noch keine Anzeigen gegen einzelne Verantwortliche eingegangen.

Indessen ordnete Bundesinnenminister Thomas de Maizière Trauerbeflaggung für Bundesbehörden in Nordrhein-Westfalen angeordnet. Wie das Ministerium in Berlin mitteilte, gilt die Regelung für die obersten Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche sowie Körperschaften. Auch Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, sind darin eingeschlossen.

(dpa, AFP, apn, N24)

26.07.2010 20:55 Uhr

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