Lange hat sich Guido Westerwelle (FDP) mit innenpolitischen Äußerungen zurückgehalten - am Sonntag will er das mit einer Rede in Düsseldorf ändern. Parteichef Rösler könnte das Nachsehen haben.
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Acht Monate schwieg er eisern zur Innenpolitik und zum Niedergang seiner FDP, jetzt will es Guido Westerwelle offenbar auch innen- und parteipolitisch wieder wissen. Bei seinem etwa 20-minütigen Auftritt auf dem Neujahrsempfang des FDP-Landesverbands Nordrhein-Westfalen am Sonntag in Düsseldorf will der Außenminister dem Vernehmen nach nicht nur über den Euro und die Diplomatie sprechen, sondern auch über die Rolle der FDP in der deutschen Parteienlandschaft.
Der Landesverband NRW gehört mit etwa 16.000 Mitgliedern zu den einflussreichsten in der FDP. Nach Angaben aus Parteikreisen lud der Vorsitzende des Landesverbands, Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, den begabten Rhetoriker Westerwelle ein, um der angesichts anhaltend schlechter Umfragewerte beunruhigten Basis wieder Mut einzuflößen.
Dem im Mai gewählten Parteivorsitzenden Philipp Rösler war dies auf dem Dreikönigstreffen Anfang Januar nicht gelungen; seine mit hohen Erwartungen belastete Rede stieß bei den FDP-Mitgliedern auf Enttäuschung und wurde nur mit magerem Applaus bedacht. Westerwelle hatte hingegen auf dem Parteitag in Frankfurt am Main im November die Delegierten schon mit einer kurzen Ansprache zur Euro-Rettung von den Stühlen geholt.
Westerwelle plane nun einen großen "innenpolitischen Aufschlag", berichteten verschiedene Medien unter Berufung auf das Umfeld des Ministers. Pikanterweise wird ungefähr zur gleichen Zeit, zu der Westerwelle in Düsseldorf das Wort ergreift, Rösler beim FDP-Neujahrsempfang im hessischen Gießen ans Rednerpult treten.
Persönliches Karrierekalkül
In Parteikreisen werden Befürchtungen eines Fernduells abgewiegelt: Westerwelle wolle mit dem Blick des Außenpolitikers auf Deutschland schauen und vor allem eine Motivationsrede halten, heißt es. Der frühere FDP-Chef, so die Hoffnung, wird sich an seine Zusage auf dem Rostocker Parteitag im Mai halten, der neuen Führung um Rösler nicht ins Ruder zu greifen. Diese ist nach dem Rücktritt des ebenfalls redegewandten Generalsekretärs Christian Lindner und angesichts des Koalitionsstreits um die Finanztransaktionssteuer ohnehin geschwächt.
Für den Ende Dezember gerade 50 Jahre alt gewordene Westerwelle dürfte auch persönliches Karrierekalkül im Spiel sein, wenn er sich wieder mit Beiträgen auch zu innenpolitischen Themen ins Gespräch bringt. Seine Äußerungen als "Nur-Außenminister" - als den ihn Kritiker gerne schmähen - werden im Inland oft nicht wahrgenommen. Anfang der Woche löste nicht einmal sein in Tunesien angestellter Vergleich von "islamisch-demokratischen" Parteien der Region mit christdemokratischen Parteien in Europa beim sonst in diesen Fragen höchst empfindlichen Koalitionspartner CSU eine Reaktion aus.