Christiane Jörges - Berlin im Blick
Christiane Jörges moderiert die "N24 Nachrichten" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Christiane Jörges (geb. Gerboth) wurde 1966 in Wippra geboren. Nach einem Pädagogikstudium in Halle arbeitete sie von 1990-1991 als Redakteurin und Moderatorin der Nachrichtensendung "Aktuell" beim Deutschen Fernseh-Funk (DFF). 1991-1994 ging sie als Korrespondentin ins Studio Bonn und moderierte die "ProSieben Nachrichten". Zwischen 1994 und 1995 war Christiane Jörges als Redakteurin im Ressort "Journalistische Unterhaltung" und als Moderatorin der MDR-Talkshow "Riverboat" tätig. Seit 1996 moderiert sie die "ProSieben Nachrichten" bzw. "NEWSTIME", arbeitete als Chefreporterin und ist Chefin vom Dienst (CvD) für dieses Format. Seit 2010 ist Christiane Jörges auch Moderatorin und CvD der "N24 Nachrichten" und verantwortet zudem als CvD die von N24 produzierten Nachrichten für kabeleins und Sat.1.
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Christiane Jörges - Berlin im Blick Banker, Banker über alles

Angela Merkel verachtet pöbelnde Pleitebanker. Zu Recht. Aber zu einfach. Wutausbrüche verdienen ganz andere Skandale in der Finanzwelt.

Jetzt also sollen sie Berufsverbot erhalten, die Anglo Irish-Bankrotteure, die mit der ersten Strophe des Deutschlandliedes auf den Lippen im September 2008 so abgrundtief fröhlich auf dem Vulkan tanzten. „Deutschland, Deutschland über alles“, krächzte man sich am Telefon ins Ohr – und höhnte über die „fucking Germans“, die die geprellte Zeche bezahlen mussten. Ja, lustig war es damals, als zuerst die größte Bank Irlands kollabierte und dann der ganze Staat.

Berufsverbot also für zwei vollgefressene Pleitegeier. Angeblich. Das wollen wir doch erst mal erleben. Was die Abstrafung von Finanzjongleuren angeht, ist schon so mancher Meineid geleistet worden. Die Drohung des irischen Notenbankchefs hat jedenfalls das Zeug, zum nächsten Schenkelklopfer unter zynischen Investmentbankern zu werden. Lassen wir sie, die „scheißdeutschen Steuerzahler“, getrost lachen. Auch auf ein herausgewürgtes „sorry“ können wir verzichten. Denn die „bankenübergreifende Tonalität“, die Angela Merkel so in Rage bringt, ist in Wahrheit unser geringstes Problem.

Einen kollektiven Wutausbruch hat vielmehr die deutsche Regierungschefin selbst verdient. Denn hilflos und erschlafft schaut die vermeintlich mächtigste Frau Europas gerade dabei zu, wie uns Steuerzahlern die einzig scharfen Waffen im Kampf gegen zockende Banker aus der Hand geschlagen werden. Sie sollten deren Imperium im Kern erschüttern, Gier und Renditewahn ins Fadenkreuz rücken.

Ehrgeizige Gesetze, zerschossen und verstümmelt

Auf die Gier zielte die Deckelung der maßlosen Bonuszahlungen für maßlose Banker. 80 Millionen Euro hatte ein Deutschbanker in London für ein einziges Jahr erhalten, ausgerechnet das Finanzkrisenjahr 2008. Das Europäische Parlament hatte sich noch im April daran berauscht, die erfolgsabhängigen Zahlungen ab 2014 auf 100 Prozent des Festgehalts, mit ausdrücklicher Zustimmung der Aktionäre auch auf 200 Prozent, zu begrenzen. Doch wovon jeder Arbeitnehmer nur träumen könnte, ist für die Hochfrequenz-Absahner natürlich unzumutbar. Also zeigten die Banken, was sie von einem frei gewählten Parlament halten. Nichts.

Runter mit den Boni – rauf mit dem Festgehalt! So geht „Kulturwandel“ bei der Deutschen Bank, bei Frankreichs Société Générale und bei der schweizerischen UBS. Pure Illusion – oder im irischen Bankersprech „aus dem Arsch gezogen“ – ist also der Glaube, dass ein groß bejubeltes Gesetz auch nur einen kleinen Fortschritt bringen könnte.

Gallenbitter gratulieren darf man der Bankenlobby als „fucking German“ auch für einen zweiten Triumph. Unablässig sägend hat sie auch die Finanztransaktionssteuer zerlegt. Der parlamentarische Restmüll hat mit dem Original nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun.

Zur Erinnerung: Elf EU-Staaten (alle gegen die Briten) und eine große deutsche Koalition (alle gegen die FDP) waren 2012 endlich bereit durchzuladen, bevor EU-Europa die nächste Finanzkrise nicht überlebt. Aktien- und Anleihegeschäfte, Finanzderivate mit Risikopotenzial von Massenvernichtungswaffen, vor allem aber der rasende Hochfrequenzhandel an den Börsen, sollten mit Steuern belegt werden. Wer zockt, der zahlt, und zwar ab 2014, so der Plan der EU-Kommission. Ein guter Plan, von dem nichts übrig geblieben ist.

Fünf endlos lange Jahre nach der Finanzkrise haben elf einst entschlossen wirkende Staaten den Steuerentwurf jetzt bis zur Wirkungslosigkeit entschärft. Erst fielen die Staatsanleihen, dann die Derivate, dann sonstige Anleihen, schließlich das Jahr des Inkrafttretens. Allein Aktionäre sollen für jedes noch so mickrige Geschäft zur Kasse gebeten werden. Irgendwann. Bravo! Statt rasende Banker mit vorgehaltener scharfer Waffe zur Entschleunigung zu zwingen, richten nun steuerzahlende Kleinaktionäre eine Schreckschusspistole gegen sich selbst.
Regt sich jemand auf darüber, in der Politik? Angela Merkel zum Beispiel? Rebelliert jemand dagegen? Wolfgang Schäuble vielleicht?

Ach, woher. Banker, Banker über alles…

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