Stefan Aust - Das große Ganze
Stefan Aust ist Publizist, moderiert die "N24 Zeitreise" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Stefan Aust, geboren am 1. Juli 1946 in Stade, war von 1966 bis 1969 Redakteur der Zeitschrift „Konkret“. Von 1970 bis 1985 arbeitete er als Redakteur beim NDR, u. a. für das Magazin "Panorama". 1988 gründete er "SPIEGEL TV", das erste private politische Magazinformat im deutschen Fernsehen, und war dort bis 2007 Geschäftsführer. Von 1994 bis 2008 war Stefan Aust Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL". In dieser Zeit baute er gemeinsam mit Thorsten Pollfuß den Nachrichtensender XXP auf. Stefan Aust ist Autor und Regisseur verschiedener Dokumentarfilme und Bücher, darunter der Bestseller "Der Baader-Meinhof-Komplex", dessen Verfilmung 2008 für den Oscar und den Golden Globe nominiert wurde. Für seine TV-Arbeit wurde Stefan Aust u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Stefan Aust moderiert die „N24 Zeitreise mit Stefan Aust“.
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Stefan Aust - Das große Ganze Land unter

Eine Billion Euro soll die Energiewende kosten, sagt Umweltminister Altmaier. Eine Eins mit zwölf Nullen. Das ist selbst in der heutigen Zeit der Euro- und Bankenrettung eine ziemlich große Summe.

Eine Billion Euro soll die Energiewende kosten, sagt Bundesumweltminister Altmaier. Eine Eins mit zwölf Nullen. Das ist selbst in der heutigen Zeit der Euro- und Bankenrettung eine ziemlich große Summe. Sie wird zum großen Teil auf dem flachen Land ausgegeben - für Windmühlen, Solaranlagen auf Dächern und in der freien Wildbahn, oder als Subvention für die Stromherstellung aus Biogas, das wiederum vorwiegend aus Mais erzeugt wird.

Im Namen des Klimaschutzes kann die "Durchindustrialisierung" der Landschaft gar nicht radikal und voluminös genug ablaufen, da können die Grundsätze von sanfter Technik, Umweltverträglichkeit, Folgeabschätzung gar nicht schnell genug über Bord geworfen werden. Mais und andere Feldfrüchte, heute "nachwachsende Rohstoffe", werden auf großen Schlägen bis zum Horizont angebaut, um die immer anspruchsvoller kalkulierten Mengen an Biomasse für die erneuerbaren Energien zu gewinnen. Und darüber soll der Hochwald aus monströsen Windrädern wachsen, die immer weiter in den Himmel hineinragen. Bald weit über 200 Meter, so hoch wie Fernsehtürme.

Und für das Problem mit den Kranichen und anderen Vögeln, die durch die großen Schredder genannt “Windräder” gefährdet sind, gibt es inzwischen auch eine Lösung. Nicht für die Vögel, aber für die Umweltschützer, die sich ein einträgliches Geschäftsmodell ausgedacht haben. Das geht in etwa so:

In einem kleinen Waldstück in Nordhessen hatte eine Investorengemeinschaft einen Windpark errichtet. Die behördlichen Genehmigungen lagen vor, dennoch standen kurz nach Fertigstellung alle Räder still. Der Grund war eine Klage des NABU gegen den Betrieb. Der Lebensraum des dort brütenden Rotmilan, übrigend die schlagkräftigste Luftwaffe gegen die Erlaubnis zum Bau von Windparks, könnte beeinträchtigt werden.

Für 500.000 Euro erklärten sich die Vogelschützer allerdings bereit, die Klage zurückzuziehen. Die Windparkbetreiber gingen auf den Deal ein, sie hatten gar keine andere Wahl. Zwar strich der NABU das Geld nicht selbst ein, das wäre wohl allzu deutlich gewesen. Doch die Summe floss in einen eigenen Naturschutzfonds, den eine Stiftung des NABU verwalten sollte. Aus den Mitteln sollte eine Studie über die Jagd des Milan in der Nähe von Windrädern finanziert werden. "Mäuse für den Milan" nannte man das Projekt trefflicherweise. Andere sprechen von Schutzgeld-Erpressung. Ein Beispiel, das bald Schule machen wird.

Wenn es um soviel Geld geht, wird gern übersehen, dass der Klimawandel gerade Pause macht, und das schon seit ungefähr 12 Jahren. Damals geriet der Temperaturanstieg ins Stocken, und seitdem wurde es im weltweiten Durchschnitt nicht mehr wärmer. Seit 2000 verharren die Temperaturen auf einem Niveau, obwohl die CO2-Emissionen und der CO2-Gehalt der Atmosphäre Jahr für Jahr weiter gestiegen sind. Demnach würde der Weltuntergang ausfallen. Das hat einige Wissenschaftler zu der revolutionären Erkenntnis gebracht, dass die Temperaturen auf der Erde vielleicht etwas mit einer schwankenden Aktivität der Sonne zu tun haben könnten. Gerüchten zufolge soll sie ja für 99,98 Prozent des gesamten Energiegeschehens auf der Erde verantwortlich sein, und das schon seit geraumer Zeit, nämlich Millionen von Jahren. Vielleicht haben die Wissenschaftler einfach Ursache und Wirkung verwechselt, beziehungsweise falsch dargestellt. Denn in Wahrheit ist es wohl so, dass das CO2 dem Klima folgt, und nicht umgekehrt. Die berühmte Klimakurve aus dem Film des dafür mit dem Nobelpreis ausgestatteten ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten und gescheiterten Präsidentschaftsbewerbers Al Gore zeigt z. B. eine nur scheinbare Parallelität von Erdklima und CO2-Gehalt der Atmosphäre. Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass zwischen Temperaturanstieg und CO2-Anstieg eine Differenz von bis zu 200 Jahren liegt, und zwar in genau dieser Reihenfolge: erst der Temperaturanstieg, dann der CO2-Anstieg. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Wenn die Ozeane kalt sind, kann das Meerwasser mehr CO2 speichern, als wenn es warm ist. Bei Temperaturanstieg steigt also mehr gespeichertes CO2 in die Atmosphäre auf. Ein klassischer Fall von Ursache und Wirkung, die - politisch korrekt - gern verdreht wird.

Der Zusammenhang wurde allerdings bei den Simulationen der künftigen Erderwärmung und des CO2-Anstiegs bisher nicht berücksichtigt, vermutlich weil es für die entsprechenden Forschungsprojekte keine Förderung vom Welt-Klimarat oder von der Europäischen Union gab.

Dieser lukrativen fixen Idee liegen die meisten Entwicklungen zugrunde, die man jeden Tag bei sich vor der Tür beobachten kann, von denen manche profitieren oder unter denen andere leiden können.

Eine neue Veröffentlichung aus der chinesischen Akademie der Wissenschaften widerlegt die sogenannte Hockeystick-Kurve - den quasi linearen Temperaturverlauf zwischen 1000 bis 1850 und den darauf folgenden rasanten Anstieg eines Wissenschaftlers namens Michael Mann, den der Weltklimarat leichtfertigerweise in seinen dritten Sachstandsbericht aufgenommen hat, um die Einzigartigkeit des Temperaturanstiegs der letzten 150 Jahre als menschengemachte Klimaveränderung herauszustellen. Wie der Mensch ja ohnehin der Ansicht ist, dass ohne ihn die Welt gar nicht existieren würde, dass er an allem Guten vor allem aber an allen Übeln Schuld ist. Apocalypse now, end is at hand. Das kennen wir aus dem Kino und auch von diversen religiösen Gruppen der Gegenwart und der Vergangenheit. Die größte aktuelle Glaubensgemeinschaft ist aber die der Klimakatastrophen-Gläubigen.

Doch auch in diesen quasi religiösen Bereich brechen immer mehr ketzerische Erkenntnisse ein.

Die Wissenschaftler vom Institut für Geographische Wissenschaften der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking stellen etwa jüngst fest : "Die Temperaturschwankungen liefen seit 1100 n. Chr. typischerweise synchron zu denen in der nördlichen Hemisphäre ab, einer Zeit, die durch die Mittelalterliche Wärmeperiode, Kleine Eiszeit und Moderne Wärmeperiode gekennzeichnet war."

Wie konnte das dem Weltklimarat passieren?

Michael Mann kannte natürlich auch die gängigen Geschichten vom eisarmen arktischen Meer, das während der Mittelalterlichen Wärmephase die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger ermöglichte. Und er kannte ebenso die historischen Berichte über die dauerhaft zugefrorene Themse in den klirrenden Kältewintern der Kleinen Eiszeit. Und trotzdem zog er seine Temperaturlinie unbeeindruckt als Gerade durch diese klimatisch turbulenten Zeiten des vergangenen Jahrtausends. Dazu hatte er sich eine geschickte Erklärung zurechtgelegt: Die im nordatlantischen Raum beobachtete Klimaentwicklung würde doch nur eine lokale Entwicklung widerspiegeln und wäre keinesfalls für den Rest der Welt repräsentativ. Anderswo hätte es gar keine Mittelalterliche Wärmephase gegeben und auch keine Kleine Eiszeit.

Die Welt glaubte ihm. Denn er war der Experte, so dachte man. Das ging eine Weile auch ganz gut, bis sich Widerstand in der Fachwelt regte. Andere Fachkollegen hatten sich die Mühe gemacht, die Temperaturgeschichte der letzten 1000 Jahre außerhalb des nordatlantischen Raumes zu überprüfen. In den meisten Fällen wiesen ihre Temperaturkurven seltsame Beulen auf: eine Beule nach oben vor 1000 Jahren und eine Beule nach unten vor 500 Jahren. Sie schafften das für unmöglich Geglaubte und dokumentierten die Mittelalterliche Wärmephase und Kleine Eiszeit auch in Afrika, der Antarktis, Asien, Ozeanien sowie Nord- und Südamerika. Die Datenlage ist nur schwer weg zu glauben.

Zur Zeit der Römer vor rund 2000 Jahren gab es eine Wämeperiode - vermutlich wärmer als heute. In England wuchs Wein.

Vor 1000 Jahren eroberten die Wikinger Grönland und nannten es so, weil es Grün war. Sie fuhren mit ihren Wikingerschiffen nach Neufundland und nannten es Wienland, weil es dort Wein gab. Danach suchen sie heute, zur Zeit der angeblichen Klimakatastrophe vergeblich. Und damals, vor 1000 Jahren, gab es deutlich weniger Autos als heute, die ihre Auspuffgase in Form von CO2 in die Atmosphäre pusten und dort den berühmten Treibhauseffekt hervorrufen.

Nun ist nichts dagegen zu sagen, wenn man fossile Brennstoffe, etwa Sprit spart. Und es ist ja generell auch besser, wenn man aus den falschen Gründen das richtige tut, als auf den richtigen Gründen das falsche.

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