Philipp Köster - Leben mit Sport
Philipp Köster ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins für Fußball-Kultur "11 Freunde" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Philipp Köster, geboren 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde". Und: Autor zahlreicher Bücher zum Thema "Fußball". Außerdem: 2010 als "Sportjournalist des Jahres" ausgezeichnet. Vor allem aber: Anhänger des Zweitligisten Arminia Bielefeld. 
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Philipp Köster - Leben mit Sport Vom David zum Goliath

Underdog? Das war einmal. Seit dem Champions-League-Finale ist Borussia Dortmund in den Kreis der großen europäischen Klubs aufgerückt. Mit einschneidenden Folgen für die Identität der Dortmunder.

Im März 2013, vor gerade mal drei Monaten also, hievte das englische Fußballmagazin "Fourfourtwo" zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein deutsches Team auf den Titel. Es posierte die halbe Mannschaft plus Coach Jürgen Klopp von Borussia Dortmund zur Schlagzeile "Europas heißester Klub". Und da war was dran. Schließlich hatten Anfang des Jahres endlich auch die Fußballfans in Italien, England und Spanien begriffen, dass im Ruhrgebiet derzeit rasanter und wunderschön anzuschauender Tempofußball gespielt wird - und dass ganz ohne einen freigebigen Scheich im Aufsichtsrat oder gigantische Summen aus der Fernsehvermarktung. Nein, Borussia Dortmund war der stets Underdog, der die Großen ärgerte – zunächst die Münchner Bayern auf nationaler Ebene, dann Real Madrid, Manchester City und all die anderen in der Champions League. Runde um Runde kamen die Dortmunder dem Finale näher und wirkten dabei stets wie ein staunender Rotzlöffel, der gar nicht fassen kann, dass er abends länger aufbleiben darf. Wer Coach Jürgen Klopp, durchgeschwitzt und high nach dem Lastminute-Sieg gegen Malaga, einem englischen Sender radebrechend ein Interview geben sah und nicht gerührt war, der hatte schlicht kein Herz.

Doch der Abpfiff des Champions-Leage-Finales in London, der die bittere Niederlage der Borussia besiegelte, markierte zugleich auch das unwiderrufliche Ende der Erzählung vom kleinen schwarzgelben David, der sich tapfer gegen all die Goliaths behauptet. Denn wer in Wembley vor hunderten Millionen Fernsehzuschauern aufspielt, der gehört zu den großen Klubs, nicht mehr zu den Sparringspartnern wie BATE Borissow oder der FC Nordsjælland. Er wird ernst genommen, in jeder Hinsicht. Das ist, wie so oft, Fluch und Segen zugleich. So ein Aufstieg bedeutet natürlich zunächst einmal: mehr Geld, mehr aufregende Reisen durch Europa, mehr Anerkennung, mehr schöner Fußball. Er bedeutet aber auch: nahezu pausenlos englische Wochen, maximaler Druck, enorme Fallhöhe.

Wie rau der Ton an der Spitze ist, erleben die Dortmunder gerade. Schwer vorstellbar, dass sich das bizarre Theater um Wechsel oder Verbleib von Robert Lewandowski so auch schon vor drei Jahren hätte abspielen können. Damals hätte sich der FC Bayern einfach wieder mal bei der Konkurrenz bedient. Heute ist der Kampf um Lewandowki ein Infight zweier europäischer Spitzenklubs, der in der Wahrnehmung des Fußballvolks beinahe schon über den Ausgang der nächsten Champions-League-Saison entscheidet, Diese Resonanzfläche sorgt dafür, dass seit Wochen jede noch so banale Wortmeldung der Berater und der Vereinsführung für Aufregung und Schlagzeilen sorgt. Überhaupt tut sich der BVB derzeit noch mit den neuen Usancen auf dem Transfermarkt schwer. Dass der BVB seinen Kader noch nicht mit neuem Personal aufgefüllt hat, liegt ja nicht an mangelnder Auswahl. Sondern daran, dass jeder Klub, der vom Dortmunder Interesse an einem seiner Spieler hört, flugs den Preis nach oben korrigiert. Willkommen in der schönen neuen Welt des europäischen Spitzenfußballs.

Für die Borussia muss es nun darum gehen, sich inmitten all des Trubels daran zu erinnern, was den Klub in den letzten Jahren stark gemacht hat. Erfolgshunger gepaart mit Bescheidenheit und Volksnähe, Risikofreude kombiniert mit exzellenter fachlicher Arbeit. Wie man sich all das wieder kaputt machen kann, dafür reicht ein Blick in die jüngere Vergangenheit des Klubs. Die Voraussetzungen in der Klubspitze sind jedoch gut, dass es diesmal gelingt, sich weiterzuentwickeln und doch die Identität des Klubs zu bewahren. Das bedeutet: hohe Gehälter zu bezahlen und trotzdem solide zu wirtschaften. Mittwochs nach Manchester und Mailand zu fahren und trotzdem die Bundesliga am Samstag ernst zu nehmen. Weltweit im Gespräch zu sein und trotzdem auf die Südtribüne zu hören.

Gelingt all das, wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Dortmunder vom Cover der "Fourfourtwo" grüßen. 

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