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Philipp Köster - Leben mit Sport Die Bayern-Kultur: Gefahr für Pep Guardiola

Als der neue Trainer das weite Rund betrat, brandete der Applaus der 25000 Zuschauer auf. Als der sehnsüchtig erwartete Coach am Stadionmikrofon ein paar freundliche Worte sagte, wurde jeder Satz frenetisch bejubelt, eine Mutter hielt dem verdutzten Übungsleiter gar ein Kind hin, ganz so, als könne er es segnen.

Nein, keine Szene aus der Münchner Allianz-Arena beim Amtsantritt von Pep Guardiola, sondern das erste öffentliche Training von Christoph Daum beim 1.FC Köln 2006. Der wurde damals wie ein Messias empfangen, der die Kölner ins gelobte Land, mindestens aber ins europäische Geschäft führen sollte. Gemessen daran, hat Guardiola beim FC Bayern 2013 eine vergleichsweise leichte Aufgabe. Und das ist nicht nur so humoristisch daher gesagt. Denn sportlich gibt es nicht allzuviel, was weiteren Erfolgen des FC Bayern entgegensteht, die Mannschaft strotzt vor Kraft und Selbstbewusstsein, ist aber in ihrer Struktur noch so jung, dass sie diesen ersten großen europäischen Titel nicht als Krönung, sondern als nur als Beginn eine Ära begreift. Und wenn man die ersten Eindrücke der Pressekonferenz richtig interpretiert, ist Guardiola schlau genug, seine Instrumente den Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Soll heißen: in München wird kein Barca-Klon errichtet, sondern es wird etwas Neues, Unverwechselbares entstehen. Ob Guardiola dabei, wie kolportiert, auf eine Offensivreihe mit Götze und Müller im Zentrum und Robben und Ribery auf den Außen setzen wird oder noch andere Varianten ausprobieren will, wird man sehen, Alles ist möglich, bis auf die Variante mit Mario Gomez als einzigen Stoßstürmer vielleicht.

Nein, die größte Gefahr für Guardiola lauert nicht auf dem Platz. Sie lauert dort, wo sich das manifestiert, was oft bewundernd, bisweilen schauernd „die Bayern-Kultur“ genannt wird. Eine Kultur, die seit vielen Jahren auf einigen wenigen Faktoren fußt. Da ist zunächst das Primat des Erfolges. Bezaubernd zu spielen, dem puren Geist des Offensivspiels zu frönen, mag bei Real Madrid zur DNA des Spiels gehören. In München zählt allein der Trophäenschrank. Und jeder Trainer wird daran gemessen. Das galt auch für Jupp Heynckes, dem erst in diesem letzten rauschhaften Jahr voller Pokale die nötige Achtung entgegengebracht wurde. Zuvor, im bitteren zweiten Jahr ohne eine einzige Trophäe, galt er auch in München als leicht in die Jahre gekommenes Trainermodell. Pep Guariola ist schlau genug, um zu wissen, dass es auch für ihn keine Schonfrist für ihn gibt, Auch er muss Erfolg haben.

Mindestens ebenso wichtig ist der zweite Aspekt der Bayern-Kultur, die patriarchalischen Strukturen in der Führungsspitze, der Antagonismus der beiden Herrscher Rummenigge und Hoeneß. Beide arbeiten zusammen, bezeichnen sich als Freunde, liegen sich auch schon mal in den Armen, belauern sich natürlich und gönnen dem anderen nur bedingt etwas - in einem aber sind sich beide einig: dass oben an der Spitze kein Platz für einen Dritten ist. Guardiola muss nun in den Spagat: einerseits hat er das festgezimmerte Machtgefüge zu respektieren, andererseits muss er sich die notwendige Autonomie in der sportlichen Arbeit erkämpfen. Daran ist Jürgen Klinsmann gescheitert, dessen fachliche Autorität am Ende nicht ausreichte, und Louis van Gaal, der sich selbst für den Größten hielt und die offene Machtprobe mit der Führungsspitze verlor. Allein Jupp Heynckes gelang dieses Kunststück. Weil sich in seinem Wirken Kompetenz, Erfahrung, Menschenkenntnis vereinten. Pep Guardiola hat angekündigt, mit Heynckes zu telefonieren. Das könnte ein hilfreiches Telefonat werden.

Eines lässt sich jedenfalls jetzt schon prognostizieren. Guardiola, dem Münchner Heilsbringer wird es besser gehen als seinem Kölner Kollegen Christoph Daum. Der demissionierte nach zweieinhalb Jahren im Juni 2009.
 

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