Philipp Köster - Leben mit Sport
Philipp Köster ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins für Fußball-Kultur "11 Freunde" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Philipp Köster, geboren 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde". Und: Autor zahlreicher Bücher zum Thema "Fußball". Außerdem: 2010 als "Sportjournalist des Jahres" ausgezeichnet. Vor allem aber: Anhänger des Zweitligisten Arminia Bielefeld. 
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Philipp Köster - Leben mit Sport Immer das Gleiche! Die Krise des Hamburger SV

Der Hamburger SV ist ein großer Klub. In der Theorie. In der Praxis stellt sich verlässlich immer wieder selbst ein Bein.

Zu den verlässlichen Begleiterscheinungen größerer Krisen beim Hamburger SV gehören Wortmeldungen des alten Kämpen Uwe Seeler. In den Lokalzeitungen gibt Seeler stets seiner "großen Sorge um den HSV" Ausdruck. Seit fast zwanzig Jahren geht das nun schon so, am 19.Mai 1995 titelte die "Bild"-Zeitung erstmals: "Das Fußball-Idol in Sorge um die Zukunft des HSV!" Seither sind sechzehn Trainer neu verpflichtet worden und ist bereits unzählige Male ein Neuanfang proklamiert worden. Einen Titel von Rang hat der Hamburger SV in dieser Zeit nicht gewonnen, hockte stattdessen immer mal wieder im Tabellenkeller. Kürzlich hat Uwe Seeler nun schon wieder ein Interview gegeben, in dem er zunächst zwar brav verkündete: "Ich habe mir in diesem Jahr fest vorgenommen, nicht so viel zu kritisieren", um dann aber kräftig auszuteilen: "Über den HSV schütteln alle den Kopf".

Das Kopfschütteln, da muss man Seeler recht geben, ist seither nicht weniger geworden. Denn selbst für Hamburger Verhältnisse war das ein desaströser Start in die Saison. Dass das Team schnell in Schwierigkeiten geraten könnte, war bereits bei einem sportlich unbedeutenden Benefizspiel in Dresden offenbar geworden, als sich die Hamburger vom Gastgeber Dynamo in Grund und Boden schießen ließen. Es folgten ein mit Glück überstandener Erstrundenpokalsieg bei Schott Jena, ein passabler Auftritt beim FC Schalke 04 und ein desaströses 1:5 daheim gegen die TSG Hoffenheim.  Eine Heimniederlage, deren Ergebnis weniger schlimm war als ihr Zustandekommen. Denn die Zuschauer sahen eine Mannschaft voller taktischer und spielerischer Defizite, vor allem aber bar jeder mannschaftlicher Geschlossenheit, ohne die jedes Team in der Bundesliga gnadenlos auseinander genommen wird. Dass Kapitän Rafael van der Vaart im Kabinengang frustriert seine Binde zu Boden schmiss, sprach ebenso Bände wie der Wutausbruch von Coach Thorsten Fink, der im Presseraum polterte: "Ich bin unzufrieden! Die Mannschaft lässt mich seit eindreiviertel Jahren nicht einmal zwei bis drei Spieltage durchatmen".

Das Spiel am nächsten Wochenende bei Hertha BSC in Berlin entscheidet nun darüber, ob der HSV einen klassischen Fehlstart hinlegen wird.  Im Vorfeld solcher Spiele gilt es als Primärtugend, Ruhe zu bewahren und die ohnehin reichlich vorhandene Hektik nicht noch weiter anzufachen. Doch beim HSV mischt sich die Enttäuschung über die mangelnde Leistungsbereitschaft des Teams mit dem ohnmächtigen Gefühl, als Verein einfach nicht von der Stelle zu kommen. Statt mit den anderen großen Klubs der Republik um die internationalen Plätze und vielleicht irgendwann auch mal wieder um die Meisterschaft mitzuspielen, gilt mittlerweile schon eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld als Erfolg. Was auch daran liegt, dass allein in den letzten fünf Jahren neun Trainer ihr Glück in Hamburg versuchten und es bundesweit keinen Aufsichtsrat gibt, der seit langer Zeit seinen Kontrollauftrag derart dreist zur Nebenregierung uminterpretiert wie beim HSV.

Was passieren müsste, beim Hamburger SV, liegt für Außenstehende auf der Hand. Personelle Kontinuität ist ebenso unabdingbar wie eine nachvollziehbare sportliche Philosophie, die zum Klub aber auch zur Realität in der Bundesliga passt. Eine solche zu finden, ist nicht einfach. Für einen Ausbildungsverein ist der Klub zu groß und zu ambitioniert, von der europäischen Spitze wiederum hat sich der Klub durch die Agonie der letzten Jahre weit entfernt. Er ist ein Volksverein und ein Klub der Honoratioren zugleich. Gefunden werden muss also ein spezieller Hamburger Weg. Über den allerdings muss nun bald gesprochen werden. Ganz egal, ob der HSV am Wochenende bei Hertha BSC verliert oder gewinnt.

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