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Achtung Kontrolleur! Schwarzfahrer warnen sich per Smartphone

Twitter und Facebook fungieren als Waffe für Schwarzfahrer: In Hamburg gibt es eine Facebook-Gruppe, die vor Kontrolleuren warnt. Ähnliche Gruppen sind in ganz Deutschland vertreten.

Schwarzfahrer haben soziale Netzwerke im Internet als Frühwarnsystem für Fahrkartenkontrollen entdeckt. In Hamburg sorgt derzeit eine Facebook-Gruppe "Schwarzfahren Hamburg" für Schlagzeilen, die am Mittwochnachmittag bereits mehr als 6300 Mitglieder hatte, die sich über die Bewegungen von Fahrscheinprüfern in S- und U-Bahnen sowie Bussen informieren. Eine ähnliche Facebook-Gruppe in München ("MVV Blitzer") brachte es am Mittwoch bereits auf knapp 13.700 Unterstützer. Und in Berlin existiert eine Gemeinschaft namens "Schwarzfahren Berlin", die aber erst etwa 20 Mitglieder hat und wohl erst vor kurzem gegründet wurde - offenbar inspiriert durch die Berichte aus Hamburg.

Die Hamburger Gruppe ist laut Einträgen auf ihrer Pinnwand anscheinend seit Dezember vergangenen Jahres aktiv und verbreitet seitdem Kurzmitteilungen von Mitgliedern, die auf ihrer Fahrt durch die Stadt Kontrolleure entdecken und die anderen davor warnen wollen. Technisch möglich wird dies durch die Verbreitung von Smartphones und internetfähigen Handys, mit denen jeder auch von unterwegs problemlos ins Internet gehen und dort etwa die Facebook-Seite ansteuern kann. Die Münchner Schwarzfahrer-Vereinigung, die offenbar seit März dieses Jahres besteht, verschickt Meldungen auf über Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.

Richtung und Aussehen wird angegeben

Die Mitteilungen sind in der Regel kurz und prägnant. "S21 Berliner Tor Richtung Bergedorf!", schrieb ein männlicher Nutzer am Mittwochmittag auf die Facebook-Pinnwand der Hamburger Gruppe. Andere machen sich aber auch mehr Mühe, beschreiben das Aussehen erspähter ziviler Kontrolleure. "Mann mit halbglatze schwarze jacke/hose weißes hemd. Zweiter mann schwarze hose/weste und ein hellblaues hemd. Dritter mann schwarze hose und ein hellgraues hemd. Alle ca 35-45 jahre. Viel spaß beim schwarzfahren", teilte ein weiterer Mann dort mit.

Die Hamburger Verkehrsbetriebe betrachten die Gruppe mit einer Mischung aus Verärgerung und Gelassenheit. "Das ist sicherlich kein schönes Verhalten", sagt Gisela Becker, Sprecherin des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV). Rechtlich seien solche Gruppen nicht zu beanstanden, aber die Betreiber müssten sich die Frage gefallen lassen, wie sozial es sei, Reklame für das Schwarzfahren zu machen.

Beckers Angaben nach entgehen dem HVV durch Schwarzfahrer jährlich Einnahmen in Höhe von schätzungsweise 20 Millionen Euro. Da der Staat den Nahverkehr zu etwa einem Drittel finanziere, schädige das auch die Allgemeinheit insgesamt. "Schwarzfahren geht auf Kosten der ehrlichen Fahrgäste und der Steuerzahler."

Gruppen stellen angeblich (noch) keine wirtschaftliche Gefahr dar

Dass die Schwarzfahrer-Initiative für den HVV mit seinen rund 2,3 Millionen Fahrgästen an Wochentagen wirtschaftlich bedrohlich werden könnte, glaubt dort allerdings niemand. "Für uns ist das im Grundsatz sicher nicht gefährlich", betont Becker. Die Kontrollen seien trotz der Internet-Warnungen effektiv genug, um Schwarzfahrer zu erwischen. "Mehrere hundert Personen" seien für den HVV als Prüfer tätig, da könne auch die Gruppe nicht den Überblick behalten.

Ähnlich entspannt betrachten die Verkehrsbetriebe in München die Aktivitäten der Facebook-Gruppe "MVV Blitzer". "Wir sehen das relativ gelassen", erklärt Beate Brennauer, Sprecherin des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Die Prüfer seien so flexibel und würden so häufig Richtung und Linien wechseln, dass Schwarzfahrer auch mit Hilfe des Internets keine Muster erkennen könnten.

Deutlich weniger ausgeglichen geht es da zum Teil in den Facebook-Gruppen selbst zu. Denn außer Unterstützern der Idee eines gemeinsamen Frühwarnsystems für bekennende Schwarzfahrer ("super leute macht weiter so") sowie Leuten, die nach eigenen Angaben Fahrkarten besitzen, aber durch die Mitgliedschaft gegen steigende Fahrpreise protestieren wollen, tummeln sich dort auch vehemente Kritiker. Auf der Hamburger Pinnwand etwa beschimpte einer die Unterstützer am Mittwoch als "Schmarotzer". Ein anderer schrieb: "Echt Ihr seit zum Kotzen!!!!".

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