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Fußabdruck im Internet Wie Sie sicher surfen und ihre Daten schützen können

Auch wenn es keinen absoluten Schutz vor der Überwachung im Internet gibt – mit wenigen Handgriffen kann man es möglichen Eindringlingen zumindest deutlich schwerer machen.

Die Berichte über gigantische Spähprogramme von Geheimdiensten aus den USA und Großbritannien haben viele Bürger verunsichert. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte die Bürger auf, sich selbst vor Überwachung zu schützen. Tatsächlich können bestimmte Vorsichtsmaßnahmen im Internet den eigenen Schutz deutlich verbessern - doch eine Garantie gegen - insbesondere staatliche - Überwachung sind sie nicht:

Grundschutz:

Vorsicht beginnt beim eigenen Computer. Pflicht sind ein aktuelles Virenschutz-Programm und eine Firewall - gute Programme sind auch kostenlos zu haben. Außerdem sind sichere Passwörter essenziell. Diese enthalten möglichst Klein- und Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Je länger sie sind, desto schwieriger sind sie zu knacken. Möglich ist etwa, das Passwort aus einem Satz zu konstruieren. Aus "Ich esse im Sommer gerne Vanilleeis mit Erdbeeren und Sahne" wird "IeiSgVmEuS". Um Zahlen und Sonderzeichen einzubauen, werden ähnliche aussehende Buchstaben ausgetauscht - etwa I gegen 1, S gegen $. Das Passwort lautet dann: 1eiSgVmEu$. Am besten sollte es aber länger sein.

Verschlüsselung:

Sie ist die Grundlage für Datensicherheit. Verschlüsselung verhindert, dass Unbefugte private Daten lesen können - egal ob es um E-Mails, Dateien, Kontakte oder den privaten Kalender geht. Zu unterscheiden ist, wo Daten verschlüsselt werden: auf dem Computer des Nutzers oder erst auf dem Server des Anbieters. Ist letzteres der Fall, heißt das: Der Anbieter kann die Daten zumindest theoretisch lesen. Und wenn Geheimdienste oder Kriminelle dessen Server anzapfen, haben vielleicht auch diese Zugang.

Anders bei der Verschlüsselung auf dem eigenen Computer - denn dann kommen die Daten beim Anbieter schon verschlüsselt an. Ist der eigene Computer aber infiziert, können Kriminelle und Geheimdienste auch hier die Passwörter mitlesen. Achtung: Verschlüsselt ein Nutzer seine Daten und vergisst das Passwort, sind diese mit großer Sicherheit für immer weg.

Anbieterwahl:

Absolut gesicherte Erkenntnisse darüber, welche Anbieter von der Geheimdienst-Spionage betroffen ist, gibt es nicht. NSA und Co. setzen aber offenbar zunächst dort an, wo es die meisten Nutzer gibt: Google, Facebook und Microsoft sind nur einige der betroffenen Firmen. Eine grundsätzliche Regel lautet also: je kleiner der Anbieter, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass er von Spionage betroffen ist. Eine Garantie ist das aber nicht.

Surfen:

Wer sich im Internet bewegen will, ohne allzu viele Spuren zu hinterlassen, kann sich zahlreicher Erweiterungen für Internetbrowser wie Firefox oder Chrome bedienen. "Adblock Plus" etwa blendet nicht nur Onlinewerbung aus, sondern kann auch verhindern, dass Internetseiten sogenannte Tracking-Cookies hinterlassen, mit denen sich das Surfverhalten nachvollziehen lässt. Ähnliches leisten Ghostery, Do Not Track Plus oder NoScript. Diese Miniprogramme können aber auch die Nebenwirkung haben, dass Internetseiten nicht so angezeigt werden oder funktionieren, wie sie es eigentlich sollten.

Suchmaschinen:

Wer im Internet sucht, hinterlässt im Allgemeinen zahlreiche Spuren. Abhilfe versprechen alternative Suchanbieter wie DuckDuckGo und Ixquick: Sie speichern nicht, von welchem Internetanschluss die Suchanfrage kam und nutzen keine Cookies, um ihre Nutzer zu verfolgen.

Anonym im Netz:

Wer noch weiter gehen will, kann sich weitgehend anonym durchs Netz bewegen. Hier hilft etwa das Netzwerk Tor, das auch einen speziellen Browser anbietet. Dieses leitet die Anfragen an Internetseiten über so viele Umwege weiter, dass weder der Internetanbieter weiß, welche Seiten der jeweilige Nutzer aufruft, noch die Internetseite zu erkennen vermag, wer sie besucht. Der Nachteil ist, dass das Surfen teils deutlich langsamer wird. Eine - meist kostenpflichtige - Alternative sind sogenannte VPN-Verbindungen, die den gesamten Datenverkehr zusätzlich verschlüsseln. Damit sind die Daten zumindest auf dem ersten Teil der Verbindung geschützt.

E-Mails:

Auch wenn der Zugang zum E-Mail-Konto mit einem Passwort geschützt wird, werden die Mails selbst komplett unverschlüsselt im Internet übertragen. Sollen die Nachrichten verschlüsselt werden, müssen beide mitspielen: Absender und Empfänger. Verbreitet ist das System PGP. Notwendig sind kleine Zusatzprogramme für das E-Mail-Programm, das Smartphone oder das Tablet. Lesen lassen sich verschlüsselte Mails nur auf Geräten, auf denen diese Programme installiert sind. Die Onlinebriefe von De-Mail oder E-Postbrief sind übrigens nicht durchgehend verschlüsselt - was Sicherheitsexperten scharf kritisieren.

Messenger:

Schon die klassische SMS ist nicht ganz sicher, aber viele beliebte Alternativen wie etwa WhatsApp versenden Kurznachrichten gänzlich unverschlüsselt. Alternativen sind Apps wie Threema oder Silentcircle. Die Dienste Wickr und Snapchat zerstören Nachrichten nach einer vom Absender definierten Zeit sogar spurlos - "Mission: Impossible" lässt grüßen. Der Nachteil all dieser Dienste: Absender und Empfänger müssen dort registriert sein.

Dokumente:

Sinnvoll kann es sein, Dateien vor unbefugten Mitlesern zu schützen - etwa Kontoauszüge, ärztliche Unterlagen oder Briefe. Am sichersten - aber auch aufwändig - ist es, Dokumente auch auf dem eigenen Computer nur verschlüsselt speichern. Hier helfen Programme wie Truecrypt oder Boxcryptor. Smartphones und Tablets mit Android bieten von Haus aus eine Verschlüsselung, bei iPhones und iPads können mit zusätzliches Apps wie Safe nur ausgewählte Daten verschlüsselt werden.

Online-Datenspeicher:

Einfacher ist es, nur solche Dateien zu verschlüsseln, die im Internet landen - zum Beispiel als Backup oder zum Teilen mit Freunden. Bekannte Dienste dieser Art wie etwa Dropbox, Microsoft SkyDrive oder Google Drive bieten von Haus aus keine sichere Verschlüsselung schon auf dem Computer. Eine Alternative ist beispielsweise der Schweizer Dienst Wuala.

Internettelefonie:

Immer mehr Telefonate laufen über das Internet. Am bekanntesten ist das Programm Skype, aber auch Facebook, Google und zahlreiche andere Firmen bieten entsprechende Dienste an. Die Telefonate sind oft aber komplett unverschlüsselt oder nur vom Anbieter verschlüsselt. Wer auf Nummer Sicher gehen will, nutzt den Dienst Silentcircle: Dieser bietet eine komplette Verschlüsselung vom einen Ende bis zum anderen an.

100 prozentiger Schutz vor digitaler Überwachung:

Den besten Trick, seine Dokumente gegen digitale Spähmaßnahmen zu schützen, hat man derzeit in Russland wiederentdeckt: Akten der höchsten Geheimhaltungstufe von Regierung und Geheimdiensten werden nicht mehr am Computer, sondern auf Schreibmaschinen getippt. Frei nach dem Motto: "Der sicherste Computer ist kein Computer." 

 

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