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Tumblr sammelt letzte Nachrichten "Ich werde mir niemals verzeihen"

Es geht um Leben und Tod, um Liebe und Hass: Eine Webseite sammelt letzte Nachrichten von Menschen. Es sind erschreckende Texte, die einem verdeutlichen, worum es im Leben wirklich geht.

Viele Ansichten Arthur Schopenhauers sind umstritten. Doch mit einem Satz hat der Philosoph einen wesentlichen Persönlichkeitszug des Menschen eingefangen: "Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge." Wir geben uns mit dem, was wir haben, ab und denken nicht darüber nach, dass wir es haben. Oder wie und warum wir es bekommen haben.

Ob es nun Gegenstände sind oder Menschen: Wir denken, alles wäre selbstverständlich. Mit der Zeit wird es normal - bis plötzlich irgendetwas fehlt, irgendetwas verschwindet. Ein Alltagsgegenstand oder dieses eine Geschenk, über das man sich gefreut und vergessen hatte. Dann geht panisch die Suche los.

In der Liebe zweier Menschen geht es meist ähnlich zu. Ob in einer Beziehung, unter Freunden oder in der Verwandtschaft: Die Menschen, die man liebt, sind allgegenwärtig. Man verabredet sich, lacht, weint und feiert zusammen. Man schlendert zusammen durch die Stadt, sitzt im Park oder zuhause am Küchentisch. Man raucht und trinkt, und es ist selbstverständlich, dass es so ist. Es ist gut, dass es so ist.

Eine Hassliebe verbindet die beiden. (Foto: Tumblr/Last message Received)

Plötzlich fehlt ein Teil des Puzzles

Fehlt nun ein Teil, so wird es einem schlagartig klar: Es wird niemals wieder so sein, wie es war. Das klingt nach einem altbackenen Spruch, jedoch enthält er eine oft bittere Wahrheit. Zuhause am Küchentisch bleibt der eine Stuhl frei. Hand in Hand durch die Straßen zu bummeln ist unmöglich, wenn die dazu passende Hand fehlt. Man bemerkt den Wert eines Menschen oder eines Gegenstandes erst, wenn er weg ist. Dabei ist es egal, ob ein geliebter Mensch stirbt oder einfach nur eine Beziehung endet. Es wird reflektiert, nachgedacht. Hab ich einen Fehler gemacht? Warum ist es so? Plötzlich ist da ein fehlendes Teil im Puzzle, ein Riss in der Seele.

Auch interessant: "Sie hat mich gefragt, wie das ist zu sterben"

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter veröffentlicht, die ein Passagier aus einem der verunglückten Flugzeuge hinterlassen hatte. Sie bewegte die Welt. Der Mann, der zu seiner Freundin spricht, weiß, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Er sagt, dass er sie liebe. Es gab damals viele solcher Anrufe. Vergleichbare Nachrichten gibt es auch heutzutage. Der schreckliche Terror mag fehlen, aber dennoch geht es um Trennung, Schmerz, Trauer und Tod.

Letzte Nachrichten. Keiner denkt wohl beim Schreiben daran, dass die Antwort auf eine Nachricht ausgeblieben sein könnte, weil der Empfänger tot ist. Doch die Möglichkeit besteht. Das zeigt das Projekt der 15-jährigen Emily Turko aus Ohio. Es ist die wohl traurigste Seite im Internet.

An ihrem letzten Urlaubstag ist sie ertrunken. (Foto: Tumblr/Last Message Received)

"Ich vermisse es mit dir zu reden"

Der Tumblr-Blog "The Last Message Received" hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Nachrichten zu sammeln. Menschen, die entsprechende Texte oder Anrufe erhalten haben, können diese dem Blog schicken und ihre Geschichte dazu erzählen. Das Ergebnis: ein oft beklemmendes Gefühl in der Magengegend.

Denn es geht um Texte, die symbolisieren, wie Menschen aus dem Alltag gerissen werden. Smileys, Witze und nette Worte. Normale Nachrichten, die jeder jeden Tag versendet und empfängt. Doch in diesem Fall sind es eben letzte Nachrichten. Und oft spielen Todesfälle bei ihnen eine Rolle.

"Ich hoffe, ihr habt eine großartige Zeit in Vietnam. Sag deinem Vater, dass er nicht versuchen soll, Vietnamesisch zu reden, er könnte verhaftet werden. Ich freue mich auf eure Berichte. Wir sind nicht weit weg, in Indien." 

"Hahah! Danke, dir auch einen schönen Urlaub! X"

Die Erklärung des Einsenders:

"Wir haben es nie geschafft unsere Erlebnisse auszutauschen. Sie ertrank am letzten Tag ihres Urlaubs."

Es sind Texte wie dieser, die über das Leben nachdenken lassen. Sollte es nun bei jeder Gelegenheit zu einem tränenreichen Abschied kommen? Eher nicht. Vielmehr geht es um Wertschätzung. Um das, was da ist. Um das Alltägliche.

Eine weitere Nachricht behandelt die Schuldgefühle eines Einsenders.

"Ich vermisse es mit dir zu reden".

Die Erklärung:

"Das war die letzte Nachricht meines Freundes, bevor er Selbstmord beging. Ich werde es mir niemals verzeihen, nicht geantwortet zu haben."

"Ich vermisse es mit dir zu reden" war die letzte Nachricht vor seinem Selbstmord. (Foto: Tumblr/Last Messages Received)

"Gedankenvoller Umgang mit Menschen"

Nicht alle Nachrichten handeln von Todesfällen, aber viele. Auch die Offenlegung der Gefühle ist eine Art, mit Trauer oder Wut umzugehen. Das Gefühl zu haben, dass man nicht alleine ist. So werden ebenfalls Trennungsnachrichten auf dem Tumblr verarbeitet. Manche sind kurz und schmerzlos:

"Ich kümmere mich nicht mehr um dich - Okay - Tschau - Tschau".

Andere haben mehr Tiefgang. Auf das Coming-Out eines Mannes antwortete der beste Freund:

"Fahr zur Hölle!" oder "Du bist nicht gut für mich! - Deswegen liebe ich dich doch so sehr."

Turko sagt über ihr Projekt: "Viele Menschen werden dadurch emotionaler und gehen sentimentaler und gedankenvoller mit ihrer Familie und geliebten Menschen um."

Und das komische Gefühl in der Magengrube? Das bleibt auch nach dem Lesen des Blogs bestehen. Die Gedanken kreisen um jeden, den man liebt. Was spricht dagegen, zum Telefon zu greifen und anrufen? Oder eine Nachricht zu schreiben? Nichts.

"Alles gut bei dir?" Es kann so einfach sein.

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