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Nach dieser CES ist klar Die Zukunft gehört der Virtuellen Realität

Die virtuelle Realität steht vor dem Durchbruch, das zeigt die CES in Las Vegas. Die Hersteller haben ihre Brillen zur Marktreife gebracht. Jetzt geht es darum, möglichst viele Inhalte zu bieten.

Das Schreien ist schon von Weitem zu hören. Immer wieder. Kein Wunder: Die Achterbahn fällt plötzlich ins Bodenlose. Und wer kreischt nicht, wenn er in den freien Fall übergeht? Nur ist dies keine Achterbahn. Samsung hat auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas mithilfe seiner Virtual-Reality-Brille Gear VR die – fast – perfekte Illusion geschaffen. Sogar die Stühle, auf denen die "Fahrgäste" Platz nehmen, bewegen sich synchron zum Video, das vor den Augen der Zuschauer abläuft. Einzig der Wind fehlt. Und das Gefühl, dass sich der Magen nach oben hebt.

Die größte Leistungsschau der Unterhaltungselektronik sucht jeden Zweifel auszuräumen, dass 2016 nicht das Jahr werden könnte, in dem die virtuelle Realität (VR) ihren ausschlaggebenden Schubs nach vorn bekommt.

Vier Stunden Wartezeit bei Oculus

Und tatsächlich, egal wo sich auf der CES lange Schlangen bilden: Es sind immer die VR-Präsentationen. Oculus, der von Facebook für zwei Milliarden Dollar gekaufte Pionier der Technologie, treibt es in Las Vegas auf die Spitze. Wer eine Demonstration der Brille wünscht, steht in Spitzenzeiten drei bis vier Stunden in der Schlange, um am Ende glücklich und mit einem breiten Lächeln aus dem Präsentationsraum zu kommen.

Natürlich ist es das eine, Fachbesucher zu begeistern. Aber reicht das, um "normale" Nutzer zu gewinnen? Wir haben Samsungs VR-Brille in den vergangenen Wochen mehreren Testpersonen auf die Nase gesetzt, darunter achtjährige Kinder und 80-jährige Senioren. Allesamt zeigten sich beeindruckt, was jedoch nicht heißt, dass sie dafür mehrere Hundert Euro ausgeben würden.

Tatsächlich ist Virtual Reality kein billiges Vergnügen. Ein erster Eindruck ist zwar mithilfe einer Brille aus Pappe für wenige Euro möglich, in die ein Smartphone hineingeschoben wird. Doch wer etwas mehr Qualität wünscht, landet derzeit erst einmal bei Samsungs Gear VR, die in Zusammenarbeit mit Oculus entwickelt wurde.

Samsung-Brille nur mit Samsung-Smartphones

Die Brille kostet 100 Euro, funktioniert jedoch nur mit einigen teureren Samsung-Smartphones, für die mehr als 500 Euro fällig werden. Die Brille hat ein Touchpad an der Seite, über das einige Anwendungen gesteuert werden können. Die Auswahl an Spielen und Videos für diese Lösung ist nicht sehr groß, aber schon beachtlich und in jedem Fall beeindruckend.

Was auf der CES gezeigt wurde und was in den kommenden Monaten auf den Markt kommt, geht jedoch darüber hinaus. Oculus selbst hat die Vorbestellung für seine Brille in Las Vegas gestartet, die ab Ende März ausgeliefert wird. Die Brille mit der Bezeichnung Oculus Rift stellt die virtuelle Realität deutlich schärfer dar als Samsungs Gear VR.

Was jedoch noch wichtiger ist: Sie wird mit einer kleinen Kamera ausgeliefert, die – einmal an der Wand angebracht – den Träger der Brille auf einer kleinen Fläche tracken kann. So kann der Nutzer in einer virtuellen Welt nicht nur den Kopf zur Seite drehen oder nach oben heben. Er kann sich auch auf einer begrenzten Fläche bewegen und so diese Bewegung in die virtuelle Welt übertragen.

Oculus-Controller verzögern sich

Auch Interaktion ist möglich. Oculus liefert seine Brille mit einem Xbox-Controller aus. Das ursprünglich geplante Controller-Paar Touch ist offenbar nicht rechtzeitig fertig geworden. Es soll nun im zweiten Halbjahr verfügbar sein.

Im Unterschied zu Samsungs Gear VR benötigt die Oculus Rift jedoch einen leistungsfähigen Computer, auf dem die Anwendungen laufen. Die Brille ist über ein Kabel an den Rechner angeschlossen. Die wenigsten Computer, die heute genutzt werden, bringen jedoch die Voraussetzungen mit, um die aufwendige Grafik auch an die Brille liefern zu können.

Damit wird Oculus zu einem kostspieligen Vergnügen. Die Brille soll mit Versand knapp 750 Euro kosten, mehr, als Beobachter erwartet hatten. Tatsächlich wurde eine frühere Entwicklerversion schon für 360 Euro verkauft. Doch die Verbraucher-Edition ist technisch ausgereifter und verfügt außerdem über einen Kopfhörer und Controller. Zusammen mit einem neuen Computer kommen für den Start in die VR-Welt schnell mehr als 1500 Euro zusammen.

HTC Vive noch ohne Preis

Oculus' wichtigster Konkurrent ist der taiwanische Hersteller HTC mit seiner Vive-Brille, die in Zusammenarbeit mit dem Spieleentwicler Valve entstanden ist. HTC hat in Las Vegas eine verbesserte Version seiner bisherigen Entwicklerversion gezeigt, die aber noch nicht verkauft wurde. Sie ist unter anderem leichter geworden und hat an der Vorderseite eine Kamera, mit der Nutzer Gegenstände in der Umgebung wahrnehmen können, um nicht über sie zu stolpern.

Die Vive soll ab April verkauft werden, einen Preis hat HTC auch auf der CES nicht genannt. Sie funktioniert so wie die Oculus Rift, nur mit einem Computer, der per Kabel mit der Brille verbunden ist.

Allerdings können Nutzer sich in einem größeren Bereich bewegen. Zwei kleine sogenannte Lighthouse-Scanner werden an den Wänden eines maximal 25 Quadratmeter großen Raumes angebracht. Diese Scanner erfassen die Position des Brillenträgers und seiner Controller, die er in den Händen hält.

100 Spiele für Sony-Brille in Entwicklung

Auch die Präsentation der Vive in Las Vegas hat die Experten beeindruckt: Mit den Controllern lassen sich Gegenstände anheben und herumtragen. Nutzer können sich innerhalb des Raumes überallhin bewegen und Dinge in der virtuellen Realität von allen Seiten betrachten. Wer zu nah an die Wand tritt, bekommt zur Warnung ein blaues Gitter angezeigt.

Auch Sony arbeitet an einer Brille, die zusammen mit der Playstation 4 funktionieren soll. Auf der CES blieb der japanische Konzern weitere Details schuldig. Nur so viel: Mehr als 100 Spiele seien dafür in der Entwicklung. Sonys Vorteil: Bislang wurden etwa 36 Millionen Playstation 4 verkauft, mit denen die Brille, die nun Playstation VR heißt, funktionieren würde.

Eine große Auswahl an Inhalten für VR könnte am Ende ausschlaggebend sein für Erfolg oder Misserfolg der Technologie. Tatsächlich wird hier noch viel experimentiert. Zwar haben die Hardware-Hersteller das Schwindelgefühl der Nutzer durch eine verbesserte und weitgehend verzögerungsfreie Bilddarstellung annähernd in den Griff bekommen, doch was dem Nutzer wirklich zuzumuten ist, wird sich noch zeigen.

Inhalte-Hersteller experimentieren

Derzeit denkt niemand daran, einen kompletten Kinofilm für die Brillen zu produzieren. Denn VR ist erst einmal anstrengend. Zu viel Bewegung ist für die Träger der Brille ungewohnt. Spieleentwickler und Filmemacher bedienen sich daher lieber eines Tricks: Sie teleportieren den Zuschauer und Spieler von einem Ort zum anderen.

Doch wie erzählt man einen Film, wenn der Zuschauer möglicherweise gar nicht dort hinschaut, wo er hinsehen soll. Die Handlung könnte sich ja auch hinter ihm abspielen. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis hier die richtige Sprache gefunden ist.

Dass Hollywood längst mit VR experimentiert und ernst zu nehmende Pläne hat, die weit über einfaches Marketing hinausgehen, ist bereits deutlich geworden. So arbeitet 21st Century Fox an eine VR-Edition von "Der Marsianer", bei der der Betrachter in den Anzug des Hauptdarstellers Matt Damon schlüpft und sich auf dem Roten Planeten bewegen kann. Fox will die Anwendung nicht verschenken.

Jetzt kommen die 360-Grad-Kameras

Schon bald dürften Hobby-filmer ihre Ergebnisse in die VR-Brillen bringen. Viele Start-ups und etablierte Unternehmen arbeiten an günstigeren 360-Grad-Kameras, die bisher viele Tausend Euro gekostet haben, darunter auch GoPro, Samsung und Ricoh.

VR-Anwendungen gehen weit über Entertainment hinaus. Krankenhäuser nutzen VR-Brillen für die Schmerzlinderung bei Verbrennungsopfern, Psychologen behandeln damit Phobien, Ingenieure verschaffen sich eine bessere Übersicht über ihre Kreationen, das Personal von Ölplattformen wird in der virtuellen Realität geschult, Touristikunternehmen geben ihren Kunden erste Eindrücke, Immobilienmakler ermöglichen virtuelle Hausbesichtigungen.

Auch Medien experimentieren mit VR. Das "New York Times"-Magazin hat im Oktober eine Million von Googles Cardboard-VR-Brillen aus Pappe an die Abonnenten verteilt. "Displaced" hieß die Reportage, die die US-VR-Produktionsfirma VRSE passend zu der Aktion für das Magazin produziert hatte.

Audi präsentiert Autos auf dem Mond

Die Reporter des VR-Start-ups hatten Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa per 360-Grad-Kamera begleitet. Online hatten die Leser des Magazins die Gelegenheit, mittels Cardboard-Brille und Smartphone den Weg der Flüchtlinge in VR mitzuerleben. Die Leser waren sowohl begeistert als auch erschüttert, berichtete VRSE-Chef Chris Milk, und kündigte weitere VR-Produktionen für 2016 an.

Gerade der professionelle Einsatz könnte neben der Unterhaltung zu einem zweiten Treiber der VR werden. Der deutsche Autobauer Audi zeigte auf der CES, wie sich Kunden in Zukunft mit VR-Brillen ihre Autos konfigurieren können.

Dabei laufen sie um das Fahrzeug herum und können mit dem Kopf sogar in den Motor "eintauchen", um sich die Zylinder zu betrachten. Die Anwendungen werden schon in Kürze in den Verkaufsräumen des Unternehmens zu sehen sein. Wer will, kann seinen neuen Audi sogar mit auf den Mond nehmen.

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