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Shodan Die gefährlichste Suchmaschine der Welt

Private Einblicke in Schlafzimmer, Garagen oder Gärten: Das ermöglicht "Shodan". Die Suchmaschine macht sich Sicherheitslücken zunutze. Für Datenschützer ist sie der größte Albtraum.

Es ist ein Horrorszenario. Die Überwachungskamera ist installiert, Einfahrt, Garagentor oder Haustür werden überblickt. Potentielle Einbrecher können so abgeschreckt werden, doch spähen womöglich andere Unbekannte aus, was auf dem Grundstück oder in den eigenen vier Wänden passiert - ganz bequem von zu Hause aus. Möglich macht dies eine Suchmaschine.

"Shodan" hat eine Service eingerichtet, mit dem die Suche nach ungesicherten Webcams möglich ist. Damit lassen sich auch Überwachungskameras entdecken, deren Inhalte normalerweise nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Shodan ist die bekannteste Suchmaschine für das "Internet der Dinge." Hier sind alle erdenklichen Geräte zu finden, die mit dem Internet verbunden sind und so ferngesteuert werden können, angefangen mit der Kaffeemaschine über das Auto bis hin zu den Rollläden vor den Fenstern.

Die Betreiber ahnen nichts

Doch neben privaten Überwachungskameras, die auf den Eingang oder die Garageneinfahrt gerichtet sind, zeigt "Shodan" auch Videoübertragungen von schlafenden Babys, Schulklassen, Banken oder Schwimmbädern frei im Netz. Dabei wissen die meisten Kamerabetreiber oft gar nichts von ihrem öffentlichen Filmgut, sagt Friedemann Ebelt von "Digital Courage e.V." Wie der Datenschutz-Experte gegenüber N24 erzählt, landen die Überwachungsvideos im Netz, weil vergessen wurde, die Kameras durch ein Passwort zu sichern.

"Shodan" sucht nach Kameras, die das gängige Übertragungsprotokoll RTSP (Realtime Streaming Protocol) nutzen, dabei aber kein Passwort festgelegt haben. "Auch ein schwaches Passwort schützt nicht", warnt Ebelt. Viele Geräte sind aber bereits in den Voreinstellungen so programmiert, dass sie Daten freigeben. "Bei vielen Harware und Softwaretechnologien beobachten wir, dass sie nicht datenschutzfreundlich voreingestellt sind." Der Besitzer weiß oftmals nicht, dass seine Aufnahmen im Internet landen, weil er bei der Installation nicht aktiv danach gefragt wird.

Experten fordern: "Privacy Default"

Der Experte von "Digital Courage" fordert deshalb datenschutzfreundliche Grundeinstellungen, die nicht allzu kompliziert sind: "Der gegenwärtig vorherrschende Opt-Out-Standard, bei dem die Voreinstellungen verändert werden, hat sich als gefährlich erwiesen", so Ebelt. "Privacy by Default" - also datenschutzfreundliche Voreinstellungen - sollten laut dem Experten daher gesetzlich vorgeschrieben sein.

Mit dem Dienst lassen sich aber auch relativ einfach andere ungeschützte Systeme entdecken. Shodan wird von Medien und Bloggern deshalb bereits als die "gefährlichste Suchmaschine der Welt" bezeichnet. In letzter Zeit sorgten vor allem zahlreiche ungeschützte MongoDB-Datenbanken, die über Shodan entdeckt wurden, für Schlagzeilen.

"Menschen verhalten sich anders, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden"

Für Datenschutzexperte Ebelt wird mit der neuen Suchfunktion das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gebrochen. "Zwei Gefahren sehe ich hier: Zum einen verhalten sich Menschen anders, wenn sie wissen, dass Überwachungskameras via Suchmaschine angesteuert werden. Zum anderen akzeptieren sie die Situation der Überwachung und bleiben passiv. Das heißt sie liefern sich der Überwachung wehrlos aus, anstatt die Technologien zu hinterfragen."

Bisher war Shodan eher eine Anlaufstelle für fachlich interessierte Sicherheitsexperten. Das dürfte sich aber schlagartig ändern, denn der Dienst entpuppt sich als ultimatives Spanner-Tool fürs weltweite "Fernsehprogramm" der anderen Art. Die Suchmaschine selbst will mit der neuen Suchfunktion auf das Sicherheitsrisiko durch billige Überwachungskameras hinweisen. Dass sie damit aber auch potentielle Kriminelle anlockt, davor warnen Experten wie Friedemann Ebelt.

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