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Unglück auf Loveparade Experte: Hätte noch schlimmer enden können

So dramatisch die Folgen der Massenpanik auf der Loveparade auch sind, laut Experten hatte man noch "Glück" gehabt. Die Zahl der Toten hätte noch weitaus größer sein können.

Die Zahl der Toten und Verletzten bei der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg hätte aus Expertensicht noch viel größer sein können. "19 Tote sind, so tragisch sie auch sind, nicht viel, wenn Tausende versuchen, durch einen Tunnel zu drängen", sagte der Kieler Katastrophenforscher Martin Voss. "Wenn das entscheidende Nadelöhr dicht ist, ist alles möglich." Es sei sinnvoll gewesen, den DJ anzuweisen, weiter aufzulegen, um eine größere Panik zu verhindern. "Eine Detailkritik steht natürlich noch aus." "Dass da Fehler passiert sind, ist für jeden offensichtlich", sagte der Leiter der Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel. Man könne aber derzeit nicht sagen, der und der ist dafür verantwortlich. "Es gab Fehler auf allen Ebenen."

Alles schiefgelaufen sei aber nicht, dann hätte es noch mehr Opfer geben können. Jetzt müsse es Schwachstellenanalysen geben, um daraus für die Zukunft zu lernen. Der Soziologe kritisierte den Zugang durch einen Tunnel im Allgemeinen. Es sei nicht vernünftig, Menschen aus zwei Richtungen durch ein- und denselben Engpass schleusen zu wollen - "und schon gar nicht durch einen dunklen Raum", sagte Voss. Es gebe aber keine pauschale Regelung, wie Massen bei Großveranstaltungen abgeführt werden müssen.

Mehr als 500 Verletzte

Die Vorwürfe, dass Duisburg für eine Massenveranstaltung wie die Loveparade nicht geeignet sei, teilt Voss nicht. "Pauschal zu sagen, Duisburg ist zu klein, ist Quatsch." Es komme darauf an, wie ein solches Event organisiert werde. Man müsste alle Details des Konzepts kennen, um dies richtig bewerten zu können. Jeder Veranstalter könne sich bei seinen Planungen nur auf Erfahrungswerte stützen. So sei jede Massenveranstaltung ein "Realexperiment", das müsse jeder wissen. Voss kritisierte, dass sich viele Veranstalter bei ihren Planungen eines Sicherheitskonzepts vor allem auf Modellrechnungen stützten, die nur physikalisch kalkulierten, aber das Verhalten der Menschen nicht ausreichend berücksichtigten.

Laut neuesten Zahlen sind bei der Loveparade sogar insgesamt 20 Menschen getötet und 511 verletzt worden. 283 von ihnen kamen ins Krankenhaus. Einer der Verletzten befindet sich noch immer in Lebensgefahr, wie die Polizei mitteilte. Bislang hatten die Behörden lediglich von 342 Verletzten gesprochen. Die meisten Verletzten konnten nach kurzer Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Am Montagnachmittag befanden sich laut Polizei noch 43 Menschen in stationärer Behandlung.

"Verantwortliche waren besessen von der Idee"

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat die Duisburger Stadtspitze und deren Informationspolitik unterdessen scharf kritisiert. "Federführend ist die Stadt. Polizei und Feuerwehr haben viel Erfahrung mit Großveranstaltungen. Praktisch nichts davon wurde umgesetzt", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hatte das Sicherheitskonzept der Loveparade verteidigt und das Unglück auf "individuelle Schwächen" zurückgeführt. "Ich habe vor einem Jahr Duisburg als ungeeignet für die Loveparade abgelehnt und bin dafür als Spaßverderber und Sicherheitsfanatiker beschimpft worden", ergänzte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt. "Aber die Verantwortlichen waren besessen von der Idee, etwas für diese gebeutelte Stadt zu tun. Ich bin alles andere als glücklich darüber, nun leider auf diese Weise bestätigt worden zu sein."

Die Polizeigewerkschaft hatte das Gelände des alten Güterbahnhofs abgelehnt. "Ein geschlossenes Gelände mit einer Kapazität von 250.000 Menschen passt nicht, wenn man mit mehr Besuchern rechnen muss. In Berlin kann man so etwas machen, in Duisburg nicht", sagte Rettinghaus. Auch der im April in Ruhestand gewechselte Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin habe "arge Bedenken" gehabt, sagte Rettinghaus. Wichtig sei bei solchen Massenveranstaltungen "eine Entzerrung der Besucherströme" und offenes Gelände. "Das Gegenteil wurde umgesetzt. Das passt alles hinten und vorne nicht." Angesichts der Lautstärke der Loveparade sei es zudem äußerst fragwürdig, auf ein Kommunikationskonzept mit Lautsprecherdurchsagen zu setzen.

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