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Hure mit 13 Mädchen in den Fängen von Loverboys

Nach der Schule auf den Strich. Immer wieder geraten Mädchen in die Fänge von Loverboys - skrupellosen Jungzuhältern, die Minderjährige zum Sex zwingen. In Holland gibt es für die Mädchen Hilfe.

Schmetterlinge nennt Anita de Wit ihre Schützlinge, nicht Huren. "Sie sind so schön, so graziös und zugleich so verletzlich wie Schmetterlinge", sagt die 49-jährige Holländerin. Vor drei Jahren hat sie die Organisation "StopLoverboys" gegründet. Sie hilft Mädchen, die oft noch mitten in der Pubertät steckten, als sie erst zum Sex verführt und dann zur Prostitution gezwungen wurden. Mit 13 oder 12, manche waren gar noch jünger. Sie sind Opfer von Zuhältern mit Don-Juan-Allüren, die meist selbst noch Teenager sind.

Meiner war 19

"Meiner war wohl 19, aber er wirkte jünger", erzählt ein rothaariges Mädchen aus einem Provinzstädtchen, das sich heute Angel nennt. "Er sprach mich vor der Schule an, nahm mich im Auto mit. Er hatte schöne Augen, schenkte mir CDs und schicke Sachen. Wir gingen aus. Immer nur nachmittags, damit ich zu Hause keinen Ärger bekam. Ich war verknallt in ihn." Dann der erste Sex auf seiner Bude. Aus reiner Liebe, wie Angel sagt. "Kurz danach kamen andere Jungen ins Zimmer, die mich streichelten. Es sei normal, dass seine besten Freunde auch Sex mit mir haben, sagte er." Heimlich wurde fotografiert. "Bald zeigte er mir die Bilder, ich hatte Angst, dass meine Eltern sie sehen."

"Muss dich sehen, gleich"

So oder ähnlich hören sich die scheußlichen Geschichten an, die De Wit und andere Helferinnen von "StopLoverboys" wieder und wieder zu hören bekommen. "Bald nach dem ersten Sex tischen Loverboys die Geschichte mit den Schulden auf, die sie nur abzahlen könnten, wenn das Mädchen ein paar Mal mit alten Männern ins Bett gehe." Aus ein paar Mal wird täglich, schließlich mehrmals täglich. In seinem Zimmer, in Absteigen, auch in seinem Auto. Wenn es mal schnell in einer Freistunde sein soll, kommt eine SMS: "Muss dich sehen, gleich."

Bald kommen Drogen ins Spiel. Erst "harmloses" Hasch, dann Kokain. Noch stärkeres erst später in der "Hurenkarriere". "Sie gehen professionell vor", sagt De Wit. "Die Eltern sollen möglichst lange nichts merken. Loverboys achten anfangs sogar darauf, dass die Mädchen Hausaufgaben machen und nicht schwänzen." Angel war erst elf, als sie "ihren" Loverboy kennenlernte.

Mit 15 war sie seelisch ausgebrannt. Unzählige Male missbraucht, schließlich abgehauen aus dem Elternhaus, wo sie keine Liebe-Tochter-Normalität mehr heucheln, sich aber auch nicht offenbaren konnte. Schließlich wollte ihr "Lover", der sich längst vom Don Juan zum Drachen gewandelt hatte, sie "verkaufen". "In irgendein Bordell in Deutschland, aber kurz vor der Grenze hatten wir einen Autounfall."

Problem ist in Holland bekannt

Heute tritt Angel in Schulklassen auf, um vor Loverboys zu warnen. Manchmal ist auch Angélique dabei, De Wits 21-jährige Tochter. Dass sie mit 15 von einem Jungluden hörig gemacht wurde, abhaute und schließlich im Gefängnis landete, war für die Mutter das treibende Motiv zur Gründung von "StopLoverboys". In den Niederlanden ist das Problem heute weithin bekannt. Es gibt Therapieangebote und Hilfsorganisationen.

Behörden bemühen sich, koordiniert gegen Loverboys vorzugehen. Obwohl das nicht einfach ist, da die Beweislast bei den Opfern liegt, gehen mehr "Schmetterlinge" als früher zur Polizei. "Hunderte Fälle werden jedes Jahr aktenkundig", sagt De Wit. "Die Dunkelziffer ist aber hoch. Wir schätzen, dass jährlich 3000 Mädchen Loverboys in die Hände fallen." An Hollands Grenzen machen das Phänomen nicht halt.

Loverboys auch in Deutschland unterwegs

"Die Methode wird längst in Deutschland kopiert", heißt es bei der Arbeitsgruppe Menschenhandel der niederländischen Polizei. Deren Ermittler gehen Hinweisen auf grenzüberschreitende "Geschäftsbeziehungen" zwischen Teenager-Luden nach. Dazu gehöre der "Einsatz" von Mädchen im Nachbarland, um sie von Freunden und der Familie zu isolieren. Deshalb wird "StopLoverboys" nun auch in Deutschland aktiv. Noch ist das freilich eine "Ein-Frau-Aktion" von Bärbel Kannemann (62). Die pensionierte Hauptkommissarin war einst in Holland mit dem Loverboy-Problem konfrontiert.

Heute bemüht sie sich nicht nur um Hilfe für Betroffene, sondern bietet allgemein Informationen zu dem Thema an. Denn Vorbeugung ist die wichtigste Waffe der Helfer. So können sich Mädchen auf der inzwischen niederländisch-deutschen Website von "StopLoverboys" informieren, durch welche Anzeichen sich womöglich frühzeitig erkennen lässt, ob der nette neue Freund nicht in Wirklichkeit ein fieser Zuhälter ist.

"Bei uns stehen wir erst am Anfang, Polizei und Behörden sind mit dem Problem noch nicht so vertraut wie in Holland", sagt Kannemann. Entsprechend schwierig sei es, Loverboys zu überführen und zu bestrafen. Zudem ist Kannemanns ehrenamtlicher Einsatz nicht ungefährlich: "Es hat nicht lange gedauert, bis ich hier aus der Szene heraus bedroht wurde."

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