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China erobert Weltraum Mit dem "Magischen Schiff" zum "Himmelspalast"

Während Russland und die USA schwere Rückschläge im All hinnehmen müssen, treibt China sein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm voran. In Kürze soll ein Raummodul in eine Umlaufbahn gebracht werden.

Mit dem Start eines ersten Weltraummoduls voraussichtlich bis Ende dieses Monats beginnt China die Entwicklung einer eigenen Raumstation. Während die USA ihr Shuttle-Programm eingestellt haben und die Zukunft der internationalen Raumstation ISS nach der Sojus-Panne in den Sternen steht, setzt China zum großen Sprung ins All an. Mit "Tiangong-1", übersetzt "Himmelpalast", wie das Modul genannt wird, sollen Andockmanöver geübt und die nötige Technik für eine Raumstation ausprobiert werden.

"Magische Schiff" wartet auf den Start

Nicht nur dieser Prototyp, sondern auch das dann folgende Raumschiff "Shenzhou 8", übersetzt "Magisches Schiff", warten gegenwärtig am Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Provinz Gansu auf ihren Start. Zuvor hat aber auch China noch unerwartete Probleme mit seiner Familie von Raketen zu bewältigen, was den Start schon verzögerte. Erstmals seit 15 Jahren versagte am 18. August eine Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2C" den Dienst. Sie verlor die Orientierung und stürzte mit einem Satelliten ab.

Der Fehlschlag erregte international weit weniger Aufsehen als Russlands Probleme, bereitete den chinesischen Technikern aber einige Kopfschmerzen. Inzwischen wurde das Kontrollsystem der kleinen Steuerdüsen als Ursache identifiziert. Vorsichtshalber wurde der Start des Weltraummoduls zunächst verschoben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Peking wird als neues Startfenster der 27. September angestrebt. Offiziell wurde noch kein Termin genannt.

Ohnehin soll das acht Tonnen schwere Modul mit einer Rakete vom anderen Typ 2F ins All gebracht werden. "Sie haben das Problem erkannt und werden sich davon erholen", sagte der australische Raumfahrtexperte Morris Jones. "Es hat eine kurze Verzögerung ausgelöst, aber ich sehe keine Gründe für einen weiteren Aufschub."

Zwei Besuche im "Himmelspalast"

Ähnlich erwartet die Expertin für Chinas Raumfahrtprogramm am US Naval War College, Joan Johnson-Freese, einen Start bis Ende September. Da die künftige Raumstation wegen des Gewichts der Module von jeweils 20 Tonnen ohnehin mit größeren, noch zu testenden Raketen vom neuen Typ "Langer Marsch 5" ins All transportiert werden soll, werde das jüngste Missgeschick die Pläne für das Gesamtprogramm nicht wirklich aufhalten, sagte die US-Professorin.

Nach dem Start des Moduls wird wenige Wochen später "Shenzhou 8" unbemannt folgen, um erstmals ferngesteuerte Andockmanöver zu versuchen. Im nächsten Jahr soll der "Himmelspalast" zweimal von Astronauten besucht werden und eine Mini-Raumstation bilden. Von der Größe her kann sich das experimentelle Raumlabor allerdings weder mit der amerikanischen Station Skylab von 1973 noch der russischen Mir von 1986 messen - es dient aber auch nur als erster Schritt.

2020 soll eine richtige Raumstation gebaut werden

Denn 2020 will China dann eine richtige Raumstation bauen. Einem 18 Meter langen Hauptteil mit 4,2 Meter Durchmesser sollen zwei 14,4 Meter lange Labormodule folgen. Mit 60 bis 70 Tonnen wäre diese Raumstation immer noch klein, zumindest gemessen an den 450 Tonnen der internationalen Raumstation ISS. Da dieses Gemeinschaftsprojekt aber spätestens bis dahin aufgegeben wird, wäre China die einzige Nation mit einem bemannten Außenposten im All.

Es wäre ein Riesenerfolg für die junge Raumfahrer-Nation, die 2003 erstmals einen Astronauten im All hatte und technisch noch auf dem Niveau der USA in den 60er Jahren liegt. "Grob gesagt ist China heute auf der Stufe, wo die USA in den Gemini-Jahren waren", sagte Professorin Johnson-Freese. "Aber die Raumstation ist Teil der Infrastruktur, die China im All bauen will, was ganz bewusst ein anderer Ansatz ist als damals beim Apollo-Programm." Die Station ist Teil eines ambitionierten Raumprogramms, das ein Satellitennetz für ein eigenes Navigationssystem baut und auch Flüge zum Mond vorsieht.

Projekt untesteht der Volksbefreiungsarmee

Es untersteht der Volksbefreiungsarmee und verfolgt durchaus auch militärische Zwecke, selbst wenn immer friedlichen Absichten betont werden. Auch Chinas Generäle wissen, wie wichtig die Kommunikation über Satelliten für den Kriegsfall ist. "Ein großer Prozentsatz der Raumfahrttechnologie ist sowohl für zivile als auch militärische Zwecke nutzbar, was indirekt den chinesischen Streitkräften dient, ähnlich wie die Entwicklung von Apollo für das US-Militär von Vorteil war", sagte Professorin Johnson-Freese.

Eine Kooperation der Amerikaner, Russen und Europäer mit den Chinesen in dem bisherigen Gemeinschaftsprojekt einer international betriebenen Raumstation ist aber nicht in Sicht. "Das wird es nicht geben - aus politischen und technischen Gründen", ist sich der Raumfahrtexperte Jones sicher. "Die USA lehnen das ab - und haben wahrlich strategische Gründe dafür."

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