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Rückflug nach Rom Papst gegen Modernisierung der Kirche

Papst Benedikt hat seinen viertägigen Deutschlandbesuch beendet. Zuvor sprach er sich bei einer Rede im Freiburger Konzerthaus dafür aus, dass die Kirche sich nicht der Gegenwart anpassen dürfe.

Der Papst hat seinen viertägigen Deutschlandbesuch beendet. Vom Flughafen Lahr flog Benedikt XVI. zurück nach Rom. Verabschiedet wurde das Kirchenoberhaupt der Katholiken von Bundespräsident Christian Wulff und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Bei seiner Verabschiedung sagte der Papst: "Ich möchte die Kirche in Deutschland ermutigen, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren."

"Erlebnisreiche und bewegende Tage"

Das Kirchenoberhaupt bedankte sich für "erlebnisreiche und bewegende Tage" in der Heimat: "Mit der Zusicherung meines Gebets für Sie alle und für eine gute Zukunft unseres Landes in Frieden und Freiheit sage ich zum Abschied ein herzliches Vergelt's Gott. Der Herr segne Sie alle!"

Der Bundespräsident dankte Benedikt XVI. herzlich für seinen Besuch. Damit habe er in seiner Heimat unzählige Menschen beschenkt. "Sie haben auf ihrer Reise viele Zeichen gesetzt", sagte Wulff. Der Papst habe Orientierung gegeben und Dinge angemahnt, die nicht immer bequem seien. Dabei habe er manche Brücke geschlagen. "Wir wünschen uns, dass sie diesen Weg beherzt weitergehen", erklärte Wulff.

Papst gegen "Verweltlichung" der Kirche

Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland überraschend aufgefordert, auf staatliche Privilegien zu verzichten. Bei einer Rede vor 1500 Gästen im Freiburger Konzerthaus sagte der 84-Jährige am Sonntag: "Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben."

Welche staatlichen Vorrechte der Papst meinte, sagte er nicht. Zu den Privilegien gehören in Deutschland die staatliche Einziehung der Kirchensteuer, die finanziellen Staatsleistungen an die Kirchen, der Religionsunterricht an staatlichen Schulen und die theologischen Fakultäten an den Universitäten. Benedikt betonte: "Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln."

Indirekt ging das Oberhaupt der katholischen Kirche damit auf die Kritik ein, die seine Rede im Bundestag und sein Gespräch mit Verfassungsrichtern ausgelöst hatte. Politiker von SPD, Grünen und der Linkspartei hatten darin ein Verstoß gegen die verfassungsrechtliche Trennung von Kirche und Staat gesehen.

Kirche muss auf Distanz zur Gesellschaft gehen

Benedikt sprach sich deutlich gegen eine Modernisierung der katholischen Kirche aus. Die Kirche dürfe sich nicht der Gegenwart anpassen, sondern müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen. Bei seiner Rede vor engagierten Katholiken aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft beklagte er eine "zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben" und betonte: "Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen."

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte zu der Rede, "Entweltlichung" der Kirche heiße nicht Rückzug aus der Welt. Die Kirche müsse immer wieder auf allen Ebenen darüber nachdenken, ob sie sich zu sehr an die "Bedingungen des Lebens in unserer Kultur" gewöhnt habe. "Kirche muss immer eine Herausforderung bleiben", sagte Glück in der ARD.

Skepsis gegenüber innerkirchlichen Dialogprozess

Der Papst machte seine Skepsis gegenüber dem innerkirchlichen Dialogprozess deutlich. Diesen hatte die Deutsche Bischofskonferenz als Reaktion auf den Missbrauchskandal gestartet. In vielen Gesprächsrunden mit den Gläubigen an der Basis geht es dabei um mögliche Reformen, unter anderem um Fragen wie: Sollen künftig auch Laien Gemeinden leiten können? Können Frauen mehr Rechte in der Kirche bekommen? Welche Reformen sind nötig, um den Mitgliederschwund zu stoppen?

Zum sexuellen Missbrauch vieler Minderjähriger durch Geistliche sagte der Papst: "Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären Skandalon des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit ihrer Boten verdecken."

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