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Zur Transparenz ermahnt Wulff tourt durchs Katastrophengebiet Fukushima

Bundespräsident Wulff hat in Japan auch die Katastrophenregion Fukushima besucht und mit Betroffenen gesprochen. Doch nicht alle möchten die Debatte über Kernenergie fortsetzen.

Auf dem frisch asphaltierten Platz, den die Container der Behelfsunterkünfte umringen, stehen zwei Getränkeautomaten, eine Pinnwand für Kleinanzeigen und ein elektronisches Gerät. Mannshoch, nicht zu übersehen, zeigt die Leuchttafel den Wert 0,07. Manchmal 0,08, dann wieder 0,07. Mikrosievert, klärt ein japanischer Beamter auf. Das ist die Strahlung, die hier in der Stadt Iwaki, 50 Kilometer von Fukushima entfernt, gemessen wird.

Geringer als in Deutschland, stellt Bundespräsident Christian Wulff fest. Doch Journalisten haben ihre eigenen Geigerzähler mitgebracht. 0,23 zeigt einer, fast dreimal so viel, aber immer noch gefahrlos. Aber die Unsicherheit, wie bedrohlich die Situation sieben Monate nach dem Reaktorunfall immer noch ist, macht das Leben für die Menschen in den Containern zur täglichen Belastung.

Wulff ist nach Iwaki gekommen, um Solidarität und Anteilnahme zu demonstrieren, immer wieder. Etwa 50 Menschen begrüßen ihn freundlich, eine kleine Gruppe aus den paar Tausend, die hier auf Rückkehr in ihre Heimat warten, nur 20, 30 Kilometer entfernt. Entweder der Tsunami vom 11. März oder der Atomunfall haben ihnen ihr Obdach genommen.

"Man ist ein bisschen einsam hier"

Masao Yukimori sieht nicht unzufrieden aus vor seiner provisorischen Miniwohnung. "Ich bin schon 75", sagt er. Wann er in sein Haus in Hirono zurückkehren kann, weiß er nicht. "Besonders für alte Leute ist es schwer. Man ist ein bisschen einsam hier." Jeden Morgen um 6.30 Uhr gibt es gemeinsame Gymnastik. Viel mehr passiert hier nicht. Der alte Mann macht sowohl den Behörden als auch der Atom-Betreibergesellschaft Tepco Vorwürfe, weil sie nach dem Unfall die Strahlenschäden nicht ordentlich beseitigen lassen. "Tepco muss alles aufräumen", sagt Yukimori. Aber nichts geschehe.

Solche und ähnliche Schicksale hört sich der Bundespräsident an diesem Nachmittag geduldig an. Einem neunjährigen Jungen schenkt er ein deutsch-japanisches Kinderbuch, bevor er die Schuhe auszieht und einen Gemeinschaftsraum der Siedlung betritt. "Man kann sich nur wünschen, dass schnell Klarheit geschaffen wird", kommentiert er die Unsicherheit über die Strahlenbelastung. "Die Menschen in Deutschland fühlen mit Ihnen", sagt er auch. Aber Wulff hört vor allem zu.

Aufbauarbeiten verzögern sich

Später fährt der Bundespräsident ein paar Kilometer weiter in den Küstenort Toyoma, den ein gewaltiger Tsunami am 11. März fast dem Erdboden gleichmachte. Sieben Monate später wirkt alles aufgeräumt, der feine Sandstrand lässt von Urlaub träumen. Aber von Wiederaufbau nicht die geringste Spur. Deutschland sei bereit, weiter zu helfen, sagt der Präsident. Aber der Bürgermeister berichtet, dass noch nicht entschieden sei, ob der frühere Touristenort an der selben Stelle wieder errichtet werde oder anderswo, höher und sicherer.

So sehr die Menschen dem Gast aus Deutschland auch für seine Anteilnahme danken, man wird den Eindruck nicht los, dass nicht alle Japaner jeden Tag und immer wieder an die Katastrophe von Fukushima erinnert werden wollen. Die Solidarität mit den Hinterbliebenen und Obdachlosen ist ungebrochen, davon konnte sich Wulff in der Präfektur Fukushima überzeugen. Aber das Interesse an Ursachenforschung ist doch recht begrenzt.

Wulff mahnt zur Transparenz

Vor Studenten der Universität Tsukuba, kaum zwei Stunden vom Katastrophengebiet entfernt, mahnte Wulff Transparenz im Umgang mit den Folgen des Atomunfalls an. Wie hoch ist die Strahlung und wo? Sicherheitshalber haben die Deutschen, so sind sie, schon vor dem Besuch ihres Präsidenten selbst gemessen. Aber die offiziellen Angaben sind widersprüchlich. "Immer reinen Wein einschenken", rät Wulff den Japanern, deren Informationspolitik unmittelbar nach dem Unfall im In- und Ausland Entsetzen ausgelöst hatte.

In Gesprächen mit Regierungsmitgliedern und Unternehmern konnte Wulf feststellen, dass auch in Japan inzwischen eine breite Diskussion über die Zukunft der Kernkraft geführt wird. Ob dies je Konsequenzen haben wird, bezweifeln aber viele in Japan. Es gibt keine relevante politische Kraft, die den Atomausstieg auf ihre Fahnen geschrieben hat. Immerhin gibt Japan dem Rest der Welt ein Beispiel: Derzeit sind nur elf von über 50 Kernkraftwerken am Netz. Dennoch hat es auch während des Sommers in der Hightech-Nation Japan keine Stromausfälle gegeben.

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