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Getötetes Baby Amy Wann ist ein Mord ein Mord?

Eigentlich wollte das Bielefelder Landgericht zügig einen Auftrag des BGH abarbeiten: Das Gericht sollte klären, ob der Tod der kleinen Amy aus Herford Mord war. Das gestaltet sich aber schwierig.

Der neue Prozess um den Tod der vier Monate alten Amy aus Herford sollte an diesem Montag mit einer Entscheidung enden: Mord oder Totschlag?. Doch ob es an diesem dritten Verhandlungstag dazu kommt, ist ungewiss. Denn die Beweisführung erweist sich als unerwartet hürdenreich.

Vor einem Jahr hatte das Landgericht den heute 26-jährigen Maik W. wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Totschlags zu einer Haftstrafe von 14 Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin beim Bundesgerichtshof Revision beantragt und teilweise Recht bekommen. War es doch Mord? Dann wäre eine lebenslange Freiheitsstrafe zwingend, eine vorzeitige Entlassung erst nach frühestens 15 Jahren möglich.

Dass Maik W. das vier Monate alte Baby seiner Freundin vergewaltigt, geschüttelt und so stark in den Bauch geboxt hat, dass Milz und Leber einrissen - alles rechtskräftig. Aber warum hat er das Kind getötet, während die Mutter in dieser Nacht in der Disco war? Verdecken wollte er damit offenbar nichts, denn die Vergewaltigung wäre wahrscheinlich gar nicht entdeckt worden. Also keine Verdeckungstat, entschieden die Bielefelder Richter, und das sei auch nicht zu beanstanden, sagte der BGH.

Es fehle aber eine Gesamtwürdigung aller maßgeblichen Faktoren der äußeren und inneren Handlungsantriebe des Täters, rügte der BGH. Die Beteiligten taten sich aber in der Verhandlung schwer, besonders die inneren Handlungsantriebe von Maik W. zu identifizieren. Die Psychologin hatte ihm - wie im ersten Prozess - eine narzistische Persönlichkeit attestiert.

Eine narzistische Persönlichkeit entwickle sich, wenn Kinder zu wenig Aufmerksamkeit bekämen, sagte die Kriminalpsychologin Sabine Nowara. Dennoch sei er schuldfähig. Ebenso wie die anderen Zeugen, der Staatsanwalt und Polizisten, die bei den Vernehmungen dabei waren, hat sie beobachtet, dass Maik W. kaum Gefühle zeigt, immer versucht, die Kontrolle zu behalten. Nur sehr selten lässt er einen Blick in sein Innerstes zu. Doch genau diesen Blick hat der BHG gefordert. Aber der Angeklagte schweigt.

An diesem Montag soll Nowara auf Antrag der Verteidigung befragt werden, ob Maik W. überhaupt die Einsichtsfähigkeit in niedrige Motive hatte. Es gebe BGH-Entscheidungen, die eigentlich klare Mordmerkmale aufführten, aber die fehlende Einsichtsfähigkeit in niedrige Motive berücksichtigten und die Tat darum nicht als Mord bewerteten. Als Beispiel nannte Verteidiger Martin Mauntel eine Krankenschwester, die mehrere Schwerkranke mit Gift getötet hatte. "Sie wollte helfen und das ist kein niedriger Beweggrund." Was so ein Befund für diesen Fall bedeuten würde, ließ er offen. Vorsorglich wurden zwei weitere Termine reserviert, nämlich der 2. und der 23. Oktober.

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