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Panorama Fassungslosigkeit in Newtown - Obama kommt zur Trauerfeier

Gebete, Trauer, Entsetzen - und viele offene Fragen: Die Hintergründe des Schulmassakers mit 27 Toten in den USA liegen auch Tage nach dem Blutbad noch im Dunkeln. Die Polizei räumte am Sonntag ein, dass sie die Motive des 20-jährigen Amokläufers noch nicht kennt.

US-Medien berichteten, seine Mutter, die ebenfalls erschossen wurde, sei eine Waffennärrin gewesen und habe ihren Sohn mit auf den Schießstand genommen. Unterdessen werden die Rufe nach strengeren Waffengesetzen in den USA immer lauter.

Präsident Barack Obama wollte am Abend bei einer Trauerfeier in Newtown sprechen und (01.00 Uhr MEZ) Eltern der erschossenen Grundschüler treffen. Insgesamt starben an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Staate Connecticut 20 Kinder und sechs Erwachsene - der Täter richtete sich selbst. Die Kinder waren sechs und sieben Jahre alt. Es war das schwerste Blutbad an einer Schule in den USA.

Die Ermittlungen der Behörden gehen nur schleppend voran. «Es gibt noch viele Zeugen, die befragt werden müssen», sagte Polizeioffizier Paul Vance am Sonntag. Genaue Angaben zum konkreten Tathergang könne er noch nicht machen. Fest stehe nur, dass der schwer bewaffnete Täter am Freitag mit Gewalt in Schule eingedrungen sei.

Ausdrücklich fügte Vance hinzu: «Wir werden nicht sagen, bis wann wir die Ermittlungen abgeschlossen haben.» Eindringlich warnte er vor Falschinformationen in sozialen Netzwerken. «Wer in unserem Namen Informationen verbreitet, macht sich strafbar. Wir werden das verfolgen.»

Zusätzliche Aufregung verursachte am Sonntag die Räumung einer vollbesetzten Kirche in Newtown wenige Stunde vor der Ankunft Obamas. Die Polizei betätigte einen Drohanruf. Ein Sondereinsatzkommando rückte mit einem Spezialfahrzeug an. Nach etwa einer halben Stunde verließen die Spezialisten die Kirche wieder. Das Gelände, rund einen Kilometer vom Tatort entfernt, blieb von der Polizei abgesperrt. In der Kirche sind in dieser Woche Trauerfeiern für mehrere Opfer geplant.

Fest steht, dass der Killer mit größter Grausamkeit vorging: Bis zu elf Mal schoss er auf die zwölf Mädchen und acht Jungen, auf fünf Lehrerinnen und die Schulpsychologin, bevor er sich selbst tötete. Vor dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule soll er seine Mutter erschossen haben. Die Toten in der Schule hätten «verheerende Verletzungen» aufgewiesen, sagte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver am Samstagabend sichtlich erschüttert: «Es ist das schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe.»

Verwirrung herrschte über die Waffen, mit denen der Täter um sich schoss. Zunächst hieß es, er habe ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen bei sich gehabt, die auf den Namen der Mutter registriert seien. Vance sprach am Sonntag von vier Waffen. Insgesamt soll die Mutter nach Medienberichten fünf Waffen besessen haben, darunter schwere Jagdgewehre.

Angesichts des Schocks wegen des Massakers wurden die Forderungen nach strengeren Waffengesetzen immer lauter. Der demokratische Politiker Jerry Nadler meinte: «Wenn der Präsident jetzt handelt und einen Kreuzzug anführt, wäre das wunderbar.» Obama hatte zwar bereits zu «bedeutsamem Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern» aufgerufen. Doch die Waffenlobby ist extrem mächtig; in über 40 Prozent der US-Haushalte existieren Schusswaffen.

In Newtown seien die Menschen «wie gelähmt», berichtete die Psychologin Jeannie Pasacreta. «Viele fühlen sich schuldig, weil sie schon den Weihnachtsschmuck an ihren Häusern hatten, der fröhlich blinkte, während ein paar Straßen weiter die Kinder starben.»

Die Mutter des Amokläufers war nach einem Bericht der «New York Times» eine Waffennärrin. «Sie liebte Waffen», schrieb die Zeitung über die 52-Jährige. Die Frau sei seit 2008 geschieden gewesen und habe mit ihrem Sohn zurückgezogen in einem großen Haus in Newtown gelebt. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, mit den psychischen Problemen ihres Sohnes fertig zu werden, schrieb das Blatt.

Der Vater eines erschossenen sechsjährigen Mädchens äußerte sich in einer bewegenden Rede vor Journalisten über seine Tochter. Emilie sei «klug, kreativ und sehr liebevoll» gewesen, erzählte der 30 Jahre alte Robbie Parker. «Es ist eine schreckliche Tragödie und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen.»

Auch der Vater des Amokläufers meldete sich zu Wort. Er drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die «enorme Tragödie» aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat.

Obama hatte sich kurz nach der Bluttat vom Freitag in einer Ansprache auch als Vater von zwei Mädchen bestürzt gezeigt. An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

In das Entsetzen über das Verbrechen drängt sich vor allem auch die Frage, warum der Täter in die Schule stürmte und Dutzende Male um sich feuerte. Welche Verbindung hatte er zur Sandy-Hook-Grundschule? Am Samstag wurde bekannt, dass entgegen ersten Berichten seine Mutter dort nicht als Lehrerin arbeitete. Unklar ist auch, ob der Täter selbst dort zur Schule gegangen war.

Der Täter wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. Laut Polizei verschaffte sich der Todesschütze gewaltsam Zutritt zur Schule. Erst vor kurzem wurde dort ein neues Sicherheitssystem installiert.

Die Kinder, die die Bluttat miterlebten, würden vermutlich ihr ganzes Leben darunter leiden, sagte der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, Andreas Heinz, der Nachrichtenagentur dpa. «Traumatisierungen sind besonders schwer, wenn man hilflos ist und die Gewalt gezielt ist. Ein Erdbeben, das alle gleichermaßen trifft und für das niemand etwas kann, verursacht viel weniger Traumatisierung als gezielte Gewalt.»

Weltweit bekundeten Politiker ihr Beileid. Auch Papst Benedikt XVI. bezeichnete den Amoklauf als «sinnlose Tragödie».

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