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Panorama REPORTAGE: Überlebende schildern den Amoklauf

Was die Kinder und Erwachsenen im US-Städtchen Newtown erlebten, werden sie ihr Leben lang nicht vergessen. Mucksmäuschenstill kauerten sie in Grüppchen während der Bluttat vom Freitag in den Toilettenräumen, im Schrank und im Abstellraum der Bibliothek - in ständiger Angst, sie könnten die nächsten Opfer des 20-jährigen Schützen sein. Dabei griffen die Lehrerinnen zu kleinen Notlügen und kümmerten sich liebevoll um ihre Schützlinge, um sie so gut wie möglich zu beschützen.

"Wir haben gesagt, das ist eine Übung, damit sie wissen, was zu tun ist", berichtete die Bibliothekarin Mary Ann Jacob, die sich mit ihren Schülern im Abstellraum verschanzte. Dabei wusste sie von einem Anruf im Sekretariat bereits, dass es Schüsse waren. "Wir standen ganz dicht zusammen", erinnert sie sich. Zum Glück hätten sie Papier und Stifte gehabt. Als später die Polizei an die Tür klopfte, trauten sie sich nicht aus dem Raum, den sie mit einem Stahlschrank verbarrikadiert hatten. Erst über eine Stunde nach den ersten Schüssen krochen sie heraus.

In den Toilettenräumen der Schule hockten zur selben Zeit 15 Kinder mit ihrer Lehrerin Kaitlin Roig still im Dunkeln, um dem Wahn des Amokläufers zu entgehen. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie absolut ruhig sein sollen, dass dort draußen böse Menschen sind und dass wir auf die guten warten müssen", erzählte Roig später unter Tränen dem Sender ABC. "Ich dachte die ganze Zeit nur: 'Wir sind die nächsten'."

Die Kinder weinten, riefen nach ihrer Mutter. Ein kleiner Junge sagte, er könne Karate und werde sie alle sicher nach draußen bringen. Da nahm Roig ihre weinenden Schützlinge in den Arm, schaute ihnen in die Augen und sagte: "Ihr sollt wissen, dass ich Euch alle sehr liebe." Sie habe gespürt, dass sie in diesem Moment von den Kleinen wie eine Mutter gesehen werde. "Ich wollte, dass es das ist, was sie als eines der letzten Dinge hören - und nicht die Schüsse im Flur." Als endlich alles vorüber war und ein Polizist kam, machte Roig ihm erst auf, als er seinen Ausweis unter der Tür durchschob.

Roigs Kollegin Victoria Soto dagegen überlebte den Amoklauf nicht. Laut Medienberichten versteckte die 27-Jährige ihre Schüler noch in Schränken, bevor der Täter ins Klassenzimmer kam. Er erschoss die Lehrerin, die Kinder fand er nicht.

Halb zehn Uhr morgens war es, als der mutmaßliche Todesschütze Adam Lanza sein Auto vor der Sandy-Hook-Grundschule parkte. Laut Polizei erzwang er sich den Zutritt zur Schule und stürmte mit mehreren Waffen hinein. Nach den ersten Schüssen gab es Lautsprecherdurchsagen, die Polizei traf ein, sämtliche Schüler und Lehrer versuchten, sich in Sicherheit zu bringen - so wie sie es in den Übungen zuvor gelernt hatten.

Auf seinem mörderischen Streifzug tötete der Schütze 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene, bevor er sich offenbar selbst erschoss. Der Gerichtsmedizin zufolge feuerte er auf alle Opfer mehrfach, vor allem aus seinem Sturmgewehr vom Typ Bushmaster .233. Unter den Toten waren auch Direktorin Dawn Hochsprung und Schulpsychologin Mary Scherlach. Sie hatten gerade eine Beratung, als die ersten Schüsse fielen. Sie liefen in den Flur - und dem Täter offenbar direkt ins Schussfeld.

Warum Adam Lanza in so einen Wahn verfiel und das schlimmste Schulmassaker in der Nachkriegsgeschichte der USA anrichtete, ist noch völlig unklar. Um 09.50 Uhr wurde sein Leichnam entdeckt. Wenig später tönte es durch die Lautsprecher der Schule, alles sei vorbei und das Gebäude wieder sicher. Doch ob die Menschen in Newtown sich je wieder sicher fühlen werden, kann derzeit niemand sagen.

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