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"Killer Captain" Harry Der gespaltene Prinz

Harrys Afghanistan-Einsatz spaltet die Öffentlichkeit. Die einen feiern den Partyprinzen, der im Kampf ordentlich "Munition abgeschossen" hat. Andere schütteln über den taktlosen Royal den Kopf.

Er ist der Playboy- und Partyprinz und beim Volk mittlerweile so beliebt, dass man ihm selbst Nacktbilder aus Las Vegas nicht wirklich übelgenommen hat. Doch Prinz Harry (28) hat nicht nur die Rolle des lockeren Royals und echten Kerls mit Identifikationspotenzial. Er selber sieht sich vor allem als Soldat. Das jedenfalls betont er mit markigen Worten in den Interviews, die nach seiner Rückkehr aus Afghanistan erschienen.

Geführt wurden sie während der fünf Monate, in denen er als Kopilot eines Apache-Kampfhubschraubers Dienst tat. Für die Zusage dieser TV- und Printinterviews verpflichteten sich die Medien, ihn ansonsten dort in Ruhe zu lassen - sein größter Wunsch. Nach seiner Heimkehr durften sie veröffentlicht werden. Die seltenen Einblicke in Harrys Ansichten und seinen Alltag setzen ihn in ein interessantes Licht. Die Meinungen über ihn sind gespalten.

Wie so oft wiederholt Harry immer wieder, was es ihm bedeutet, Soldat zu sein. In der Armee fühle er sich so normal, wie es nur geht, als "einer der Jungs", und deshalb so gut. Doch als Dritter der britischen Thronfolge darf er eben nicht nur Soldat sein, woran ihn auch sein Vater Prinz Charles nach eigenen Angaben häufiger erinnert. Und das macht ihm nicht selten Probleme.

"Zu sehr Armee, nicht genug Prinz"

Eigentlich gebe es nämlich drei Harrys. "Einer in der Armee, ein soziales Ich in meinem Privatleben, und dann mit der Familie und so. Es gibt einen Schalter, und den lege ich um, wenn es nötig wird." Das scheint nicht immer zu gelingen. Eine Fehlschaltung gab es zum Beispiel während eines Partyurlaubs in Las Vegas im vergangenen Jahr, nachdem Nacktbilder von ihm auftauchten. "Das war vermutlich ein klassisches Beispiel dafür, dass ich zu sehr Armee bin, und nicht genug Prinz." Manchmal sei es leicht, das zu vergessen.

In den Interviews rückt Harry seine markig-militärische Seite ins Blickfeld. Er meint, er sei vor allem deshalb ein so guter Schütze, weil er so gerne Computerspiele spielt. Und damit das Zielen geübt hat - eine Aussage, die Kritikern die Haare zu Berge stehen ließ.

Harry wird gezeigt, wie er sich zusammen mit seinem Team über eine Karte beugt und eine Mission vorbereitet - die Pistole am Gürtel, die Sonnenbrille um den Hals. Mitten im Interview gibt es plötzlich einen Notfall - der Prinz springt auf und rennt zum Einsatz. Ob das Ganze echt oder gespielt war, bleibt Spekulation.

Auf die Frage, ob er bei Angriffen dabei war, bei denen theoretisch Menschen getötet werden könnten oder getötet wurden, antwortet er mit Schulterzucken: "Ja, das haben viele andere auch gemacht. Die Truppe war draußen. Jeder hat eine bestimmte Menge an Munition abgeschossen. Wenn da Leute sind, die unseren Jungs etwas Böses wollen, dann ziehen wir sie aus dem Verkehr." Sein Motto: "Nimm ein Leben, um ein anderes zu retten."

"Arrogante und taktlose Einstellung"?

Harrys Kommentare seien "krass", denn er könne ja nicht wissen, ob er auch Zivilisten umgebracht habe, sagte Lindsey German von der Anti-Kriegs-Organisation Stop the War Coalition. "Diese arrogante und taktlose Einstellung dazu, Menschen in Afghanistan zu töten, egal, wer sie sind, wird nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen."

Auch Harrys Vorstellung, ein ganz normaler Soldat zu sein, schiebt sie einen Riegel vor. "Prinz Harry wird in ein Leben des Müßiggangs und des Luxus zurückkehren - anders als die meisten Soldaten, denen Arbeitslosigkeit, Entbehrung und soziale Probleme drohen." Der "Guardian" taufte ihn ironisch den "Killer Captain".

Doch wie so oft schlug dem Rotschopf vor allem eine Welle von Sympathie entgegen. "Er weiß, wie man in Vegas feiert (...) und was man macht, wenn man den Taliban gegenübersteht", war einer der zahlreichen Kommentare beim Internetdienst Twitter, die sich nach der Rückkehr-Nachricht ausbreiteten. "Prinz Harry ist der wahre 007". Weibliche Fans boten ihm ihre Hand an.

Wer der Prinz wirklich ist, das wird die Öffentlichkeit aber wohl nie erfahren, sagt er. So wundere er sich zum Beispiel, permanent Details über seine Beziehung zur Ehefrau seines Bruders William, Herzogin Kate, zu lesen. "Wie auch nur eine Zeitung denken kann, sie wüsste, wie die Beziehung zwischen mir und meiner Schwägerin ist, ist ziemlich bemerkenswert. Sie liegen falsch - wie immer."

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