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Zeuge im Pistorius-Fall Streit, Schreie und Schüsse in der Todesnacht

Die Polizei ist gegen eine Freilassung des Paralympics-Star Oscar Pritorius. Sie fürchtet, dass der Mordverdächtige fliehen könnte. Derweil kommen neue Details aus der Todesnacht ans Licht.

Im Mordfall Reeva Steenkamp hat die Anklage der Darstellung des tatverdächtigen Sprintstars Oscar Pistorius widersprochen, er habe seine Freundin aus Versehen erschossen. Wie die südafrikanische Staatsanwaltschaft vor Gericht in Pretoria erklärte, hörte ein Zeuge in der Tatnacht einen heftigen Streit zwischen dem 26-Jährigen und dem Fotomodell Steenkamp, danach seien Schüsse gefallen.

Staatsanwalt Gerrie Nel erklärte, ein Zeuge habe zwischen zwei und drei Uhr morgens das Paar gehört, wie es sich "ohne Unterbrechung" stritt. Der Ermittler Hilton Botha sagte vor dem Gericht in Pretoria aus, der ungenannte Zeuge habe Schüsse gehört. Daraufhin sei er auf seinen Balkon getreten und habe gesehen, dass bei Pistorius im Haus Licht gebrannt habe. "Dann hörte er eine Frau zwei- oder dreimal schreien, dann weitere Schüsse."

Testosteron und Spritzen bei Pistorius gefunden

Laut Anklage war Steenkamp zum Zeitpunkt ihres Todes bekleidet. Der Angeklagte habe "aus einer Entfernung von anderthalb Metern vorsätzlich in Richtung der Toilette geschossen", sagte Nel. Dem Ermittler Botha zufolge wusste Pistorius, dass seine Freundin im Badezimmer war.

Pistorius hatte am Vortag in einer eidesstattlichen Erklärung beteuert, er habe seine Freundin am Valentinstag versehentlich in seinem Haus erschossen, weil er sie für einen Einbrecher gehalten habe. Der Abend sei gut verlaufen, das Paar sei nach 22.00 Uhr eingeschlafen, hatte Pistorius angegeben.

Die Polizei fand im Haus von Pistorius zudem Testosteron und Spritzen, wie Botha erklärte. Das Sexualhormon steht auf der Liste der Substanzen, die vom Internationalen Olympischen Komitee verboten sind. Dagegen erklärte ein Verteidiger von Pistorius, Testosteron sei ein "pflanzliches Heilmittel", das Pistorius nehmen dürfe und genommen habe.

Botha kündigte ferner an, dass die Anklage um den Punkt des illegalen Besitzes von Munition erweitert werde. Bei Pistorius sei Munition für das Revolverkaliber .38 gefunden worden, für die der Sportler aber keine Lizenz habe.

Das Gericht in Pretoria will am Mittwoch über eine mögliche Freilassung von Pistorius auf Kaution entscheiden. Dies hatte die Staatsanwaltschaft zum Auftakt der zweitägigen Verhandlung am Dienstag bereits abgelehnt. Das Drama um den 26-Jährigen, der mit spektakulären Sprints auf Beinprothesen weltweit zum Star wurde, sorgt seit Tagen weltweit für Aufsehen.

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