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100 Tage Papst Franziskus Lächeln im Reformstau

100 Tage ist Papst Franziskus nun im Amt - es gibt einiges zu tun im krisengebeutelten Vatikan. Aber was hat Franziskus eigentlich bisher getan? Eine ernüchternde Bilanz.

Im Vatikan wird gehofft und gebangt. Was Papst Franziskus mit der römischen Kurie, vor allem aber mit der katholischen Weltkirche und ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern vorhat, ist hundert Tage nach seiner Wahl am 13. März vielen inner- und außerhalb des Kirchenstaates unklar. Der 76-Jährige gibt sich nah bei den Gläubigen, dreht auf dem Petersplatz große Runden durch die Menge, herzt Kinder und segnet Kranke. Wesentliche inhaltliche Schwerpunkte setzte er bisher nicht, obwohl auch viele Katholiken Antworten auf drängende Fragen zum Kurs der Kirche erwarten.

Wenn stimmt, was der aus dem katholischen Gefüge ausgebrochene homosexuelle Theologe und frühere Vatikaninsider David Berger am Wochenende im Magazin "Spiegel" verbreitete, spielt sich in Teilen der Kirchenleitung äußerst Weltliches ab. Schwule Geistliche im Vatikan "bis hinauf in die höchsten Klerikerkreise" tauschen sich nach seinen Angaben in einem Netzwerk "darüber aus, wo man unauffällig neue sexuelle Kontakte knüpfen kann" und "wo die besten käuflichen Liebhaber sind". Auch gebe es "eine Reise- und eine Antiquitätenlobby, die einen lassen sich Reisen, die anderen Antiquitäten schenken".

Reform der Kurienverfassung

Dass es im kleinsten Staat der Welt Reformbedarf gibt, scheint auch Franziskus klar zu sein. Mitte April setzte der Argentinier eine Kommission aus acht Kardinälen ein, darunter der Münchener Erzbischof Reinhard Marx, die eine Reform der Kurienverfassung "Pastor Bonus" erarbeiten soll. Im Vatikan heißt es, Ergebnisse seien im Herbst zu erwarten. Bis dahin dürften auch die noch von Franziskus' deutschem Vorgänger Benedikt XVI. ernannten Kardinäle in einer Art Ministerrang im Amt bleiben. "Mit unsicheren Verträgen", betont der Vatikanexperte der italienischen Zeitschrift "L'Espresso", Sandro Magister.

Viele mächtige Kleriker machen sich Beobachtern zufolge bereits große Sorgen um ihre Zukunft unter Franziskus. "Dieser Papst will von einer bestimmten Kurie unabhängig und nicht in ihrer Bürokratie gefangen sein", sagt Magister. Mehrfach verurteilte Franziskus in den vergangenen drei Monaten bereits jegliches Karrieredenken in der Kirche. Dies wiederum beflügle die Kritiker der herrschenden Zustände im Kirchenstaat, sagt Marco Politi, Vatikanexperte der Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano". "Viele sind auch froh, einen Papst zu haben, der sich wieder um die Kurie kümmern und sie erneuern will", führt er aus.

Benedikt XVI. hinterließ Franziskus zahlreiche Baustellen, etwa den Skandal um Kindesmissbrauch durch Geistliche in aller Welt und die Geldwäschevorwürfe gegen die Vatikanbank. Als neuen Chef des Kreditinstituts setzte er noch kurz vor seinem Rücktritt am 28. Februar den deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg ein, der zuletzt in einer wahren Medienoffensive Transparenz versprach. Von Franziskus hörte der Reformer nach eigenen Angaben aber noch nicht viel. Bisher habe er den neuen Papst nur einige Male kurz und informell getroffen, sagte von Freyberg vor wenigen Tagen.

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