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Duell an der Imbissbude Viereinhalb Jahre Haft für Pommes-Verkäufer

Ein Gast streitet sich mit einem Imbisswirt. Er wird durch einen Schuss lebensgefährlich angeschossen. Der Gastronom beteuert, er habe in Notwehr gehandelt. Das Gericht sieht das anders.

Weil ein Imbiss-Besitzer nach Beschwerden über vermeintlich schlechte Pommes frites auf einen Kunden geschossen hat, muss er für mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Kiel verurteilte den 41-Jährigenwegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes zu viereinhalb Jahren Haft. Anders als Staatsanwalt und Verteidigung ging das Schwurgericht nicht von Notwehr aus, sondern von einem Angriffswillen des Angeklagten. "Die Tat war nicht durch Notwehr gerechtfertigt", sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann. "An dem Tötungsvorsatz des Angeklagten hat die Kammer keinen Zweifel."

Verteidung will Urteil anfechten

Das Urteil fiel dennoch relativ milde aus, weil die Kammer einen minder schweren Fall annahm. Für versuchten Totschlag drohen bis zu 15 Jahre Haft. Verteidiger Dirk Petersen kündigte aber dennoch bereits an, Revision einzulegen. Der Staatsanwalt will Rechtsmittel nach der schriftlichen Urteilsbegründung prüfen.

Vor dem verhängnisvollen Schuss am 20. November 2011 hatte sich ein Gast über angeblich zu harte Pommes beschwert, die der Sohn des Angeklagten zubereitete.

Danach prügelten Vater und Sohn vor dem Imbiss auf den Mann ein. Als dessen 26 Jahre alter Bekannter wenig später davon hörte, wollte er ihn rächen. Er forderte den Angeklagten auf, vor die Tür kommen und eine Waffe mitbringen. Er selber habe auch eine. Das war aber nicht der Fall war, wie das Gericht feststellte.

Showdown an der Frittenbude

Draußen kam es dann zu einer Art Showdown. Der Angeklagte - inzwischen bewaffnet mit einer seit Jahren illegal aufbewahrten Pistole - ging dabei so forsch auf seinen Widersacher zu, dass "die Kammer keinen Zweifel an dessen Angriffswillen hatte" sagte Brommann. Der Schuss fiel demnach aus vier Metern Entfernung, als der 26-Jährige sich bereits wegdrehte, weil er die Waffe bemerkt hatte.

An den Darstellungen des Vaters und des Sohnes über die Abläufe äußerte das Gericht entschiedene Zweifel. So glaubte das Gericht auch nicht, dass das Opfer bedrohlich in seine Jacke gefasst habe, sagte Brommann. Vielmehr habe sich der Angeklagte "ohne Not und obwohl sein Sohn bereits die Polizei gerufen hatte, wieder auf die Straße begeben".

Draußen wäre der Abstand zu dem Widersacher groß genug für einen Warnschuss gewesen. Doch der Angeklagte habe angreifen wollen. Das Leben des Opfers konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Die Kugel verletzte Zwerchfell, Leber und Milz. Die Milz musste entfernt werden.

Opfer musste Beruf aufgeben

Der Mann leidet noch heute an den Folgen, musste seinen Beruf in einer Druckerei aufgeben und kämpft um eine Erwerbsminderungsrente. Der Angeklagte nahm das Urteil äußerlich gefasst auf. Immer wieder blickte er zu seiner Frau, die mit einem Sohn angereist war. Nach dem Vorfall hatten die Familie Kiel verlassen und will auch nicht mehr zurückkehren. Der 41-Jährige hatte gesagt, er habe geschossen, um seine Familie zu schützen.

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