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Seit 17 Tagen im Koma "Es gibt einen Grund, Schumacher schlafen zu lassen"

In Grenoble kämpfen Ärzte weiter um das Leben von Michael Schumacher. Im N24-Interview erklärt der Chef der Neurochirurgie der Berliner Charité, was für Tests jetzt durchgeführt werden.

17 Tage nach seinem schweren Unfall liegt Michael Schumacher weiterhin im künstlichen Koma. Der Zustand des 45-Jährigen ist stabil, wird von den behandelnden Ärzten der Universitätsklinik in Grenoble aber weiterhin als kritisch betrachtet. Daran hat sich in den vergangenen Tagen nichts geändert.

Wie die "Bild"-Zeitung aus Krankenhaus-Kreisen erfahren haben will, haben Ärzte damit begonnen, Schumachers Hirnfunktionen zu testen. Diese Tests sollen Aufschluss darüber bringen, welche Regionen von Schumachers Gehirn geschädigt und welche funktionsfähig sind. Neurochirurg Prof. Dr. Peter Vajkoczy erklärt, welche Untersuchungen bei dem Ex-Rennfahrer durchgeführt werden und unter welchen Umständen er aus dem Koma geholt werden könnte.

Herr Vajkoczy, wozu dienen die Tests, die derzeit gemacht werden?

Vajkoczy: Die Ärzte haben eine Computertomographie (CT) gemacht, um zu sehen, wie sich die Blutungen und Schwellungen im Schädel entwickelt haben. Da das CT jedoch nicht hochauflösend ist, bietet es nur einen groben Einblick und man erhält Messdaten zum Schädelinnendruck.  Dennoch reicht das CT aus, um zu sagen, ob man ihn aufwachen lassen kann. Anscheinend ist das noch nicht der Fall.

Was sind mögliche weitere Untersuchungen?

Vajkoczy: Der nächste Schritt wäre eine Magnetresonanztomographie (MRT). Aber anscheinend ist Schumacher nicht stabil genug, um ihn ins MRT zu transportieren. Denn auf dem Weg dahin muss er weiter beatmet werden und der Transport scheint zum jetzigen Zeitpunkt noch zu aufwendig.

Welche Erkenntnisse könnten die Ärzte durch eine MR-Tomographie erlangen?

Vajkoczy: Die MRT ist besser als die CT, weil sie detaillierten Einblick gibt, ob Nervenbahnen und die funktionell relevanten Areale in Ordnung sind. Erst dadurch kann man sehen, wie der Hirnstamm aussieht, und Informationen darüber erhalten, ob Michael Schumacher ordentlich wach werden kann.

Gibt es eine weitere Möglichkeit, zu testen, ob Nervenbahnen verletzt sind?

Vajkoczy: Das würde durch eine Elektrophysiologie funktionieren. Dabei stimuliert man verschiedene Gehirnareale und schaut, ob man in der Peripherie das Signal ableiten kann bzw. ob das Nervensystem die Signale überträgt. Die Ärzte können zum Beispiel testen, ob der Arm durch Stimulation zuckt. Wenn das der Fall ist, kann man sehen, ob das Reizleitungssystem ungestört ist. Wenn kein Zucken ausgelöst wird, dann liegt irgendwo in der Bahn eine Verletzung vor.

17 Tage liegt Michael Schumacher seit seinem Unfall bereits im künstlichen Koma. Ist das aus medizinischer Sicht ein normaler Zeitraum oder Anlass zur Beunruhigung?

Vajkoczy: Man lässt Patienten durchaus drei bis vier Wochen in diesem Zustand. Die Dauer dieses künstlichen Komas bietet keine Prognose und kann auch über künftige Entwicklungen nichts sagen. Sie ist jedoch ein Indiz dafür, dass Michael Schumacher durch den Sturz ein starkes Trauma und Hirnschwellungen erlitten hat und der Schädelinnendruck immer noch zu hoch ist. Solange dieser Druck nicht unter Kontrolle ist, lassen die Ärzte Schumacher solange wie notwendig im künstlichen Koma.

Wann können die Ärzte ihrer Meinung nach die Schlafmittel absetzen und mit der Aufwachphase beginnen?

Prof. Vajkoczy: Die behandelnden Ärzte sagen der Öffentlichkeit natürlich nicht, wann sie mit der Aufwachphase beginnen. Denn diese dauert nach Absetzung der Schlafmittel etwa drei bis vier Tage und ab dann würde die Zeit laufen und man hätte erste Anzeichen dafür, wie sich der Zustand entwickelt. Das Risiko scheint noch zu hoch. Sobald man ihn aufwachen lässt, kann der Druck im Schädel wieder ansteigen und es kann zu Komplikationen kommen. Man weiß nicht, was passiert, wenn man an einer Schraube dreht und den Patient aufwachen lässt. Letzte Woche hieß es, dass die Verhältnisse und der Druck stabil sind und man hätte damit rechnen können, dass mit der Aufwachphase begonnen wird. Da das nicht der Fall zu sein scheint, gibt es einen Grund, Schumacher schlafen zu lassen. Es sind wohl immer noch Schwellungen da und einige Probleme scheinen die Ärzte noch nicht in den Griff bekommen zu haben.

Lässt die Länge des Komas auf bleibende Schäden schließen?

Vajkoczy: Eine grundsätzliche Prognose über die Genesung Schumachers ist noch nicht möglich, die Gefahr von Komplikationen wie Infektionen ist nach wie vor gegeben. Wirkliche Prognosen würde nur das MRT bringen. Da kann man zum Beispiel auch Schäden sehen, die nach einem künstlichen Koma auftreten. Was nicht heißt, dass er sich nicht auch von diesen Schäden in der Reha erholen könnte. Mitunter können Störungen bei Sprache, Motorik, Merkfähigkeit und Antrieb auftreten.

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