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Delfinschützer Ric O'Barry "Das Ende des Gemetzels möchte ich noch erleben"

Was hat Sotschi mit der blutigen Delfin-Jagd in Japan zu tun? Auch in den dortigen Delfinarien vegetieren Tiere vor sich hin, die bei solchen Treibjagden gefangen wurden. Einer, der versucht, diesem Treiben ein Ende zu setzen, ist Ric O'Barry - dem die Doku "Die Bucht" ein Denkmal gesetzt hat. Im Interview hat er verraten, was ihm Hoffnung für seinen Kampf gibt.

Ric O'Barry (74) arbeitete einst als Tiertrainer für die Unterhaltungsindustrie. In diese Zeit fällt unter anderem die Produktion der legendären US-Kinderserie "Flipper" (1964-1967). Als einer seiner Delfine in seinen Armen bewusst das Atmen einstellte, wurde O'Barry klar, was die Gefangenschaft für die hochintelligenten Tiere bedeutet. Fortan widmete der in Florida geborene Star der oscarprämierten Doku "Die Bucht" sein Leben dem Schutz der hochentwickelten Meeressäuger, dem Kampf gegen die Delfinarien-Industrie und vor allem gegen das alljährliche Abschlachten der faszinierenden Tiere in einer Bucht nahe des Ortes Taiji in Japan.

Die Nachrichtenagentur spot on news hat bei Ric O'Barry nachgefragt, ob der weltweite Erfolg seiner Doku den scheinbar ständig lächelnden Großen Tümmlern, etwas gebracht hat - schließlich wurden Berichten zufolge erst unlängst in Japan Delfine für Shows in der Olympiastadt Sotschi gefangen. Auf die Frage, woher er die Energie für den unermüdlichen Kampf für die Delfine nimmt, gibt O'Barry dann auch eine traurige Antwort.

Wer ist die Haupttriebkraft hinter den jährlichen Delfin-Treibjagden in Japan?

Der oscarprämierte Dokumentarfilm "Die Bucht" erzählt vom Kampf des ehemaligen "Flipper"-Trainers Ric O'Barry gegen das Delfin-Abschlachten in Japan - hier können Sie den Film, der auf brutale Szenen verzichtet, auf DVD bestellen

Ric O'Barry: Das ist die Delfin-Fang-Industrie. Der Verkauf der während der Treibjagden lebendig gefangenen Tiere bringt den eigentlichen wirtschaftlichen Ertrag der jährlichen Aktion. Für einen toten Delfin werden nur ungefähr 400 US-Dollar gezahlt. Wohingegen zum Beispiel das "Ocean World Casino and Resort" auf der Dominikanischen Republik 154.000 US-Dollar für jeden der zwölf gekauften Delfine an das "Taiji Whale Museum" bezahlt.

Was hat sich verändert, seit der Dokumentarfilm "Die Bucht" produziert und 2009 veröffentlicht worden ist?

O'Barry: Die japanische Bevölkerung in der Präfektur Wakayama hat damit begonnen, den Delfinfleischverzehr zu reduzieren. Sie wissen inzwischen, dass das Fleisch mit gefährlichen Chemikalien belastet und für den menschlichen Verzehr nicht geeignet ist. Vor dem Film "Die Bucht" wurde das Fleisch von 2200 Delfinen pro Jahr verkauft, letztes Jahr waren es 700. Der Delfinfleischverkauf geht also zurück - der Verkauf gefangener Delfine ist aber gestiegen.

Was könnte die Situation ändern und die Fischer dazu bringen, die Treibjagd zu beenden?

O'Barry: Um das Delfin-Schlachten zu beenden, muss sich die japanische Bevölkerung des Themas annehmen und den Druck erhöhen. Um den Fang zu stoppen, muss die Vergnügungsparkindustrie die Verantwortung dafür übernehmen, dass sie Delfine für ein flüchtiges Amüsement fangen lässt. Diese Industrie muss damit beginnen, sich selbst zu überwachen - etwas, das sie nie gemacht hat.

Sie engagieren sich schon seit so vielen Jahren für den Schutz der Delfine. Woher nehmen Sie die Energie?

O'Barry: Ich bin gerade aus Taiji zurückgekommen und werde nächsten Monat wieder hinfahren. In den vergangenen elf Jahren war ich vier oder fünfmal pro Jahr an diesem Ort. Ich habe diese Delfin-Kriege jetzt seit mehr als 50 Jahren gekämpft und ehrlich gesagt, bin ich ziemlich erschöpft. Auch geht mir langsam die Zeit aus, aber das Ende des Delfin-Gemetzels in der Bucht möchte ich noch erleben. Ich bin jetzt 74 Jahre alt, müde, besiegt, aber noch da.

Die gebürtige Japanerin und John-Lennon-Witwe Yoko Ono (80) hat vor einigen Wochen einen offenen Brief an die japanischen Fischer geschrieben. Sie hat sie gebeten, das Abschlachten einzustellen, den empfindsamen Tieren zuliebe, nicht zuletzt aber auch für das Image Japans in der Welt. Was denken Sie darüber?

O'Barry: Yoko Ono steht für die Hoffnung, weil sie Japanerin ist. Andere japanische Künstler, Schriftsteller, Lehrer, Musiker und Promis werden ihrem Beispiel folgen und ebenfalls ihre Stimme erheben.

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