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Aktion gegen "Animal Hoarder" Aktivisten fordern härtere Strafen gegen Tier-Messies

Krankhafte Tiersammler, sogenannte "Animal Hoarder", halten im Schnitt 105 Tiere in meist völlig unzumutbaren Zuständen. Tierschützer fordern deshalb mehr Kontrollen und härtere Strafen.

Ein Fund von 1700 Wellensittichen in einer Dreiraumwohnung im Stadtteil Spandau hat vor einer Weile in Berlin für viel Aufsehen gesorgt. Bei vielen der "Animal Hoarder" (Tierhorter) in der Hauptstadt handele es sich jedoch um Katzenbesitzer, teils um gescheiterte Privatzüchter von Perserkatzen, sagt die Pressesprecherin des Tierschutzvereins, Evamarie König. Der Tierschutzverein für Berlin betreibt das Tierheim in Berlin-Falkenberg, eines der größten Europas. "Katzen, Kleintiere und Exoten" kämen dort am häufigsten aus den überfüllten Wohnungen von Tierhortern an.

Viele Fälle von Tierhortung sind zwar weniger spektakulär als der von 1700 Wellensittichen, aber ebenso tragisch, bestätigt Ursula Bauer, Leiterin der Geschäftsstelle Berlin des Vereins "Aktion Tier". Etwa dreimal im Jahr müsse sie sich einschalten und um verwahrloste, traumatisierte Tiere kümmern. Viel häufiger laufe "Animal Hoarding" jedoch im Verborgenen. Weder die Veterinärämter der Berliner Bezirke noch die Senatsverwaltung führen Statistiken zur Tierhortung.

Viele "Animal Hoarder" sind psychisch krank

Von den Behörden fordert Evamarie König "engmaschigere Kontrollen" und Haltungsverbote nach dem Aufdecken solcher Fälle. Es sei zu einfach für Horter, schnell wieder an Tiere zu kommen. Auch Ursula Bauer beklagt, die Veterinärämter zögerten häufig, Tierhalteverbote auszusprechen und die Tiere zu beschlagnahmen. Vor allem sei ein Zentralregister von Tierhortern nötig, da es sich oft um Wiederholungstäter handele. Diese Menschen seien psychisch krank, es beschäftigten sich aber keine Psychologen mit der Krankheit.

Der Potsdamer Neurologe Gerd Teschke sieht es ähnlich. Er erforscht zwar nicht das "Animal Hoarding", wohl aber das verwandte Messie-Syndrom. Die Tierhortung sieht er als "besondere Funktion" dieses Syndroms. "Messies" definiert er als Menschen mit Desorganisationsproblemen, vor allem im Haushalt, die häufig mit sozialer Inkompetenz und Zwangsstörungen oder ADHS einhergingen. Beim "Animal Hoarding" ersetzten Tiere die sonst üblicherweise angehäuften Gegenstände wie Zeitungen oder Elektrogeräte. Tier-Messies hätten die "oberflächliche Motivation, Gutes für die Tiere zu tun". Die Fülle der Verantwortung werde aber zu viel und sie verlören die Kontrolle.

Messies halten im Schnitt 105 Tiere

Menschen, die krankhaft Tiere sammeln und halten, haben durchschnittlich 105 Haustiere. Diese Zahl stammt aus einer Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover von Tina Sperlin aus dem Jahr 2012, der bisher einzigen Studie zur Tierhortung in Deutschland. Knapp 65 Prozent der "Animal Hoarder" sind demnach weiblich, 75 Prozent älter als 45 Jahre. Und mehr als die Hälfte der Halter (51,3 Prozent) wüssten nicht genau, wie viele Tiere sie haben.

Die Hälfte der gehorteten Tiere seien Katzen. In fast einem Drittel der Fälle gebe es neben lebenden auch tote Tiere in der Wohnung, der Platz reiche in zwei Dritteln der Fälle nicht für die Tiere und fast 72 Prozent der Wohnungen seien mit Kot und Urin verschmutzt.

Zur Früherkennung des Problems hat die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes eine Checkliste veröffentlicht. Demnach handelt es sich um einen beginnenden Fall von Tierhorten, wenn mehr als die durchschnittliche Zahl von Tieren gehalten werden, also mehr als etwa drei Hunde, drei bis vier Katzen oder fünf Nager. Zudem, wenn diese auf zu engem Raum von Menschen gehalten werden, die keine Einsicht zeigen, dass sie zu viele Tiere haben. Diese Menschen bräuchten psychologische Hilfe, schreibt der Deutsche Tierschutzbund. Das würde dann sowohl den Sammlern als auch den Tieren helfen.

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