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Einwohner gegen Einbrecher Die Stunde der Nachtwanderer

In Süddeutschland ist die Zahl der Einbrüche explosionsartig gestiegen. Vielen Bürgern reicht es. Sie organisieren sich zum Ärger der Polizei selbst und gehen auf Patrouille.

Ob am Tag oder in der Nacht, in der Stadt oder auf dem Land: Die Zahl der Wohnungseinbrüche schnellt im Südwesten nach oben, und nur jeder zehnte Täter wird geschnappt. Vielen Bürgern reicht es - mancherorts greifen sie zur Selbsthilfe. So wollen Geschäftsleute in Tiefenbronn bei Pforzheim nach wiederholten Einbrüchen einen privaten Wachdienst engagieren. Andernorts setzt man auf Nachtwanderungen oder wachsame Nachbarn. In den Städten und bei der Polizei wird das Bürgerengagement zwiespältig gesehen. Insgesamt 11.300 Mal schlugen Einbrecher laut Innenministerium im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg zu - das ist ein Anstieg um fast ein Drittel.

Ressortchef Reinhold Gall (SPD) sieht aber keinen Grund zur Panik. "Ich warne davor, das Gewaltmonopol des Staates infrage zu stellen. Eine Bürgerwehr, auch wenn sie gut gemeint ist, entspricht nicht unseren rechtsstaatlichen Grundsätzen", sagte Gall. Zwar gebe es bei den steigenden Zahlen nichts zu beschönigen, aber diese ungute Entwicklung dürfe nicht missbraucht werden. Wenn Bürger helfen wollten, dann sollten sie sich um ihre Nachbarn kümmern und bei verdächtigen Wahrnehmungen sofort die Polizei verständigen.

Theo Jost hat die Nase voll

Ein Einbruchsopfer ist Theo Jost, der Wirt der "Ochsen-Post" in Tiefenbronn (Enzkreis). Nachdem ihn Einbrecher zweimal innerhalb von zwei Wochen heimgesucht hatten, hatte er genug. Mit anderen Bürgern plant er, private Wachleute anzuheuern. "Wir wollen einen Sicherheitsdienst engagieren, der durch den Ort patrouilliert und bei einem Einbruch in fünf Minuten da ist - statt wie bisher die Polizei in einer halben Stunde", sagte Jost.

Nachdem er sein Vorhaben in der "Pforzheimer Zeitung" angekündigt hatte, bekam er aus umliegenden Gemeinden ermutigende Zuschriften und Kommentare. Aber, so sagt Jost auch: "Mit der Aktion habe ich mir leider nicht nur Freunde gemacht."

Mit bewaffneten Bürgerwehren hat dies nichts zu tun, betont Jost. Man habe nicht vor, "mit Mistgabeln und Dreschflegeln durch den Ort zu marschieren, um Einbrecher zu jagen". Das würde gegen geltendes Recht verstoßen - und allein schon die Vorstellung stößt bei der Polizei wie bei Städten sauer auf. "Ich halte das für sehr problematisch, wenn das jetzt landesweit Schule machen würde", sagt etwa Hans-Jürgen Moos (SPD), der Bürgermeister von Meckesheim (Rhein-Neckar-Kreis). Auch aus anderen Städten und Kreisen verlautet es unisono: "Sowas gibt's bei uns nicht."

Nachtwanderer sind in vielen Städten unterwegs

Zwar gibt es in Konstanz und einigen anderen Städten im Südwesten sogenannte Nachtwanderer, die vorwiegend am Wochenende spät nachts in der Stadt unterwegs sind. Die wollen aber nach eigenen Angaben für junge Leute eine "entspannte Atmosphäre schaffen" und gegebenenfalls Vandalismus verhüten.

In Mannheim geht die Polizei selbst seit Jahresbeginn verstärkt gegen Wohnungseinbrüche vor: Zwölf Polizisten sind zur Ermittlungsgruppe "Eigentum" zusammengeschlossen. "Sie hat schon zwei Dutzend Straftaten aufgeklärt", sagte eine Polizeisprecherin. Bei den Mannheimern sei das Bewusstsein gestiegen, dass man etwa bei Abwesenheit immer die Fenster schließen müsse, um Einbrecher fernzuhalten. Stefan Hammer, Leiter des gerade besonders beschäftigten Kriminalkommissariats Pforzheim, kann "in gewisser Weise" besorgte Bürger verstehen. "Gleichwohl sollen Bürger nicht selbst das Recht in die Hand nehmen", appelliert er. Schon wegen möglicher Auseinandersetzungen mit Tätern. Private Wachdienste seien immerhin entsprechend geschult und würden im Notfall die Polizei rufen. Jedenfalls positiv wirkt es nach seiner Erfahrung, wenn die Nachbarn ein waches Auge haben: "Fast alle Festnahmen in letzter Zeit gehen auf Zeugenhinweise zurück, bei denen Nachbarn etwas beobachtet haben."

"Absolute Sicherheit gibt es nicht"

Die Polizei fährt Streife, sie hat Ermittlungsgruppen eingerichtet und informiert Bürger über Prävention. Dennoch: "Absolute Sicherheit gibt es nicht", weiß der Kripo-Beamte Hammer. Bürger können ihr Eigentum aber durchaus besser schützen. So lässt der Wirt von der Tiefenbronner "Ochsen-Post" das Hotel nun mit einer Alarmanlage ausstatten, die direkt mit der Polizeizentrale verbunden ist.

Auch andere Privatleute investieren in die Sicherheit. So bemerkt der Sicherheitsunternehmer Bernd Elsenhans eine steigende Nachfrage vonseiten der Hauseigentümer: "Immer mehr ältere Leute lassen sich von uns beraten." Das Heidenheimer Unternehmen verzeichnet zwischen 20 und 25 Prozent mehr Umsatz beim Verkauf von Tresoren oder Sicherungssystemen wie Alarmanlagen. Noch wird Personal, das Privathäuser vor Einbrüchen schützt, kaum nachgefragt. "In ein paar Jahren wird es das auch bei uns geben", ist Elsenhans überzeugt und verweist auf die USA. "Dort gibt es ganze Siedlungen, die umzäunt sind und von Sicherheitsdiensten bewacht werden." Hierzulande würden lediglich reiche Kunden während der Urlaubszeit ihr Anwesen von seinen Sicherheitsleuten bewachen lassen. 

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