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"Diese Stadt ist tot" Bewohner aus Fukushima wollen nicht zurück

Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima sind einige Gebiete im Umkreis des AKW für die früheren Bewohner wieder freigegeben. Aber viele zögern - so wie Kazuhiro Onuki.

Während der Kirschblüte empfindet Kazuhiro Onuki das Heimweh besonders stark. Die vielen Kirschbäume im Garten seines Hauses in Tomioka bildeten dann eine Art Tunnel. Früher kamen Touristen, um sich dies anzuschauen. Wenn Onuki und seine Frau Michiko jetzt herkommen, tragen sie Schutzanzüge und eine Maske. Nur ein paar Stunden lang dürfen sie sich hier aufhalten, die radioaktive Strahlung ist noch sehr stark.

Die Onukis werden vermutlich nicht wieder nach Hause zurückkehren können. Andere Teile der Stadt, die nahe der Atomanlage Fukushima im Norden Japans liegt, werden vielleicht bald wieder bewohnbar sein, wenn es nach dem Dekontaminationsplan der japanischen Regierung geht. Nach dem Unglück Mitte März 2011 wurde in einem Umkreis von 20 Kilometern um die Atomanlage eine Sperrzone eingerichtet, Tomioka liegt etwa zehn Kilometer von den havarierten Reaktoren entfernt. Alle 16 000 Einwohner wurden evakuiert. Zum 1. April erklärten die Behörden ein kleines Gebiet der Sperrzone für dekontaminiert, die früheren Bewohner können nun zurückkehren. Weitere Teile sollen folgen.

Viele haben sich ein neues Leben aufgebaut

Das Sperrgebiet ist in drei Zonen unterteilt: Die auf den Karten in pink markierte Zone gilt als stark verseucht, eine Freigabe ist unwahrscheinlich. Das Gebiet ist abgezäunt und kann nicht betreten werden. Die gelbe Zone können frühere Anwohner wenigstens für einige Stunden aufsuchen, Übernachtungen sind nicht gestattet. Bei der grünen Zone ist die Dekontamination, die Reinigungsarbeiten sowie den Austausch des Bodens umfasst, weit vorangeschritten. Sie könnte bald wieder freigegeben werden.

Aber viele frühere Bewohner wissen gar nicht, ob sie wirklich zurückkehren möchten. Sie quälen Fragen wie: Ist das Gebiet wirklich nicht mehr verseucht? Können wir dort jetzt sicher leben? Zudem haben sich viele andernorts ein neues Leben aufgebaut. Außerdem mangelt es an Arbeitsplätzen in der früheren Heimat - derzeit erhalten die Evakuierten eine monatliche Zahlung in Höhe von 100 000 Yen (gut 700 Euro) von Tepco, dem Energiekonzern, dem die Fukushima-Anlage gehört. Eine Umfrage unter ehemaligen Tomioka-Bewohnern im vergangenen Jahr ergab, dass 16 Prozent zurückkehren wollen, 40 Prozent nicht, 43 Prozent waren unentschieden. Zwei Drittel erklärten, vor der Katastrophe seien sie berufstätig gewesen, danach war es nur noch ein Drittel.

Der 65-jährige Shigetoshi Suzuki, ein Freund von Onuki, ging gezwungenermaßen in Rente, nachdem er seine Heimat verlassen musste. Er war als selbstständiger Landvermesser tätig und hätte dort gerne für seine langjährigen Kunden weitergearbeitet. Jetzt lebt er mit seiner Frau in Tokio. "Wir hätten ein normales Leben führen können", sagt er. "Was wir verloren haben, lässt sich nicht in Geld messen." Aus Protest hat er nicht die Anträge unterschrieben, die nötig wären, damit auch sein Haus und Anwesen entgiftet werden.  

Der 43-jährige Gastwirt Junji Oshida dagegen blickt nach vorne. Seine Familie betrieb in Tomioka ein Restaurant, das für seine Aalspezialitäten berühmt war. Nach der Atomkatastrophe eröffnete Oshida einen Imbiss direkt an der Grenze zum Sperrgebiet. Seine Gäste sind jetzt Arbeiter, die mit Aufräumtätigkeiten und der Dekontamination beschäftigt sind, er serviert nun Gerichte mit Schweinefleisch - das ist billiger als Aal. "Es hat keinen Zweck zurückzublicken", sagt Oshida, der immer noch ein Hemd mit dem Aal-Emblem seines früheren Restaurants trägt.

Onukis früheres Zuhause liegt in der gelben Zone, von Zeit zu Zeit kommt das Ehepaar her. Der Garten ist verwildert, das Haus im Verfallen begriffen. Rundherum herrscht Stille, nur ab und zu fährt ein Auto vorbei. Würden sie zurückkehren, wenn es möglich wäre? "Der Ministerpräsident sagt, der Unfall sei unter Kontrolle, aber wir haben das Gefühl, das Ding könnte jede Minute explodieren", meint Michiko Onuki, die früher eine Töpferei in Tomioka hatte. "Wir würden in Angst vor radioaktiver Verseuchung leben. Diese Stadt ist tot."

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