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Aufsehenerregendes Experiment mit Geld Wenn Gier das Vertrauen auffrisst

In Frankfurt schrieb ein Künstler aus 54.000 Ein-Cent-Münzen das Wort "Vertrauen" auf die Straße. Nachts räumten Jugendliche das Geld ab. Was sie damit anstellten, berührte den Mann zutiefst.

Es sind nur zwei Wörter, und doch drücken sie den Konflikt in unserer Gesellschaft gut aus. Es geht um die Gier und um das Vertrauen. Viele hoffen, dass das Vertrauen, der Glaube an die richtige Überzeugung der Mitmenschen, überwiegt. Tatsächlich dürfte die Geldsucht dominieren, die Gier. Doch stimmt das? Wollen wir wirklich immer mehr? Mehr Macht, Anerkennung, Vermögen? Der Künstler Ralf Kopp wollte es genau wissen und entschied sich für ein aufsehenerregendes Experiment.

Vor der Katharinenkirche in Frankfurt am Main legte Kopp das Wort "Vertrauen“ in 54.000 Ein-Cent-Münzen aus. Er wollte wissen, was mit 540 Euro passiert, die mitten in einer Großstadt einfach so auf der Straße liegen. Der Titel seines Kunstprojekts: "Gier frisst: Vertrauen“. Die Aktion fand bereits am 17. Juli statt, doch erst jetzt berichten auch überregionale Medien darüber.

Angelegt war das Experiment auf zwei Wochen. Doch Kopp musste feststellen, dass dieser Plan nicht aufging. Nach einer Nacht war das Geld weg. Sogar die Markierungen rund um die "soziale Plastik" waren nach 14 Stunden verschwunden. Die Stadtreinigung hatte ganze Arbeit geleistet. Die Buchstaben, jeder einen Meter hoch und einen halben Meter breit, behielt der Darmstädter Künstler mit einer Kamera im Auge. Diese war jedoch über den Münzen angebracht. Die Passanten, die vor dem Kunstwerk stehenblieben, konnten so nicht identifiziert werden.

"Ich bin sehr stolz auf euch und tief berührt"

Für Kopp hat das Experiment seinen Zweck erfüllt. "Ich durfte wesentlich mehr positive Erfahrungen machen als negative", sagte er der "Frankfurter Rundschau". So hätten einige Passanten zunächst sogar Geld dazugelegt. Wie all die Münzen letztlich verschwanden, ist für den Initiator eine besonders rührende Geschichte.

Vier Jugendliche räumten in der Nacht fast das gesamte Geld ab. Jedoch behielten sie es nicht, sondern steckten es in die Plastiktüte eines Obdachlosen. "Wir haben jemanden gesehen, der es dringender braucht als wir", sage Niclas Coy, einer der Jugendlichen, zu N24. "Wir wollten ihm [dem Obdachlosen] eine Freude machen." Dieser bedankte sich und kündigte an, den Betrag mit anderen Bedürftigen zu teilen. Auf seiner Webseite "Gierfrisst.de“ lobte Knopp die Jugendlichen: "Ich bin sehr stolz auf euch und tief berührt. Habt Ihr gut gemacht."

Das "Vertrauen"-Experiment ist die erste Etappe einer Wörter-Tour, die Kopp durch ganz Deutschland machen will. Der "Hessische Rundfunk" berichtete, dass er in jeder Stadt ein anderes Wort legen wolle, das man mit Gier in Verbindung bringen könne. "Vor dem Reichstag in Berlin werde ich es mit dem Wort Demokratie versuchen."

Am Ende wird man sehen, welche Stadt am meisten Gier zeigen wird. Oder eben am wenigsten.

 

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