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Israelische Soldaten in Stoffstiefeln "Das veganste Land der Welt"

In Israel stellen vor allem junge Menschen in Scharen ihre Ernährungsgewohnheiten um. Tierische Produkte sind für viele komplett tabu. Selbst die israelische Armee folgt dem neuen Trend.

Israel, mythischer Ort für zahlreiche Konfessionen, ist jetzt auch das Gelobte Land der Veganer. Vor allem junge Israelis stellten in den vergangenen Jahren in Scharen ihre Lebensweise um. Zur Spezialmesse "Veganfest" strömten kürzlich 15.000 Menschen nach Tel Aviv, an den Ständen ergötzten sie sich an Hotdogs aus Erbsenpaste, Tofu-Dönern oder Gulasch auf Basis von Weizeneiweiß. Selbst die Armee hat sich inzwischen auf den Trend eingestellt.

Für Messeveranstalter Omri Pas "ist Israel das veganste Land der Welt". Vier Prozent der Einwohner bezeichneten sich inzwischen als Veganer, berichtet er. Zum Vergleich: In Deutschland lebten einer Studie der Universität Göttingen zufolge 2013 weniger als 0,5 Prozent der Bevölkerung vegan. Wie Vegetarier essen auch Veganer kein Fleisch, nutzen darüber hinaus aber auch keine anderen tierischen Produkte wie Milch, Eier oder Honig. Viele lehnen zudem Lederkleidung ab. Der bestbesuchte Stand beim Veganfest gehörte dem US-Pizzagiganten Domino's: Dieser hatte vergangenes Jahr in Israel als Weltpremiere eine vegane Gemüsepizza entwickelt - und davon inzwischen nach eigener Auskunft 300.000 Stück abgesetzt.

Vegane Aktivistin Star bei "Big Brother"

Im hippen Tel Aviv hat der Veganismus die meisten Anhänger. Das "Nanuschka", eines der angesagtesten Restaurants mit seinen wodkaflambierten Grillgerichten zur Partymusik, überraschte seine Gäste im Februar mit einer kompletten Umstellung der Speisekarte auf vegan. Das Stammpublikum passte sich an. Und die israelische Ausgabe von "Big Brother" wurde zur großen Bühne für den Tierschutz, als die vegane Aktivistin Tal Gilboa dort täglich ihre Mitbewohner agitierte und am Ende die Staffel gewann.

Selbst die Streitkräfte, die wegen der allgemeinen Wehrpflicht ein Spiegelbild der israelischen Gesellschaft sind, mussten sich dem Trend beugen. Auf Wunsch gibt es neuerdings zur Kampfuniform Stiefel aus Leder-Ersatz sowie eine Beihilfe für den Kauf veganer Ersatznahrung in der Truppenkantine. Auf den hebräischen Facebookseiten bilden sich bereits zahllose vegane Untergruppen: Sie reichen von den schwul-lesbischen "Vegays" bis zu den "veganen Teenagern", die sich vor allem für Spezialmenüs in den Schulkantinen engagieren.

Israel scheint prädestiniert für den Veganimus: Früchte und Frischgemüse sind hier für alle Bewohner wichtige Nahrungsmittel, und Alltagsgerichte wie Hummus und Falafel waren schon vegan, als es den Begriff noch gar nicht gab. Außerdem hat die koschere Küche, die eine Vermischung von Fleisch- und Milchprodukten verbietet, unter den Juden hohe Akzeptanz für Ersatznahrungsmittel geschaffen. So gibt es viele milchfreie Garnierungen und Nachtische.

Vier junge Besucherinnen des Veganfests haben sich unterdessen auf dem Rasen niedergelassen. Adi, Ofir, Tamar und Ofek kennen sich durch Facebook. Ihre T-Shirts verbreiten Botschaften wie "Fleisch ist Mord" oder "Tofu schreit nicht vor Schmerz". Die 16-jährige Tamar lacht: "Meine Eltern haben drei Jahre gebraucht, um zu kapieren, dass es kein Modetick sondern meine Grundsatzentscheidung ist, wenn ich nicht mehr am traditionellen Familiengrillen teilnehme."

Vegan-Gurus provozieren mit Holocaust-Vergleich

Tamar hat vor allem ein Video des Vegan-Gurus Gary Jurofski überzeugt, der Fleischverzehr als "Holocaust für Tiere" bezeichnet. Es sei genau diese Provokation - der Vergleich mit dem Holocaust - die "in unserer Gesellschaft so starke Wirkung erzielt", sagt der auf Ernährungsfragen spezialisierte Soziologe Rafi Grosglik von der Uni Tel Aviv. Dies sei auch der Grund dafür, "dass unsere Veganer, anders als bei den Hindus oder Hippies, äußerst militant werden können".

So entsetzten Aktivisten der Gruppe "Life269" vor zwei Jahren die Passanten auf Tel Avivs zentralem Rabinplatz, als sie sich mit einem Brandeisen die Zahl 269 ins eigene Fleisch brannten. Kurz zuvor hatten sie ein Kalb mit dieser Ohrnummer aus einem Schlachthof befreit. "Life269" wirft blutige Schafsköpfe in städtische Brunnen und treibt nachts Kuhherden aus den Ställen von Mastbetrieben. Dank der Verbreitung ihrer Aktionen im Internet hat die Gruppe inzwischen Ableger in 40 Ländern.

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