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Nemi El-Hassan slammt gegen Pegida "Deutschland, Angst ist ein schlechter Berater"

Plötzlich wurde das Publikum des Bürgerfestes in Dresden still. Eine junge Muslima betrat die Bühne. Nemi El-Hassan slammte gegen Hass und Angst. Ihr letzter Satz sorgte für einen Gänsehaut-Moment.

Es war ein eindringliches Zeichen. Eines gegen Intoleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit. Mit der Pegida-Hochburg an der Elbe sollte es vorbei sein. Dresden wollte sich bunt und offen zeigen - weltoffen. Das gelang. Zum Bürgerfest für Toleranz vor der Dresdner Frauenkirche platzte der Neumarkt aus allen Nähten. Zehntausende kamen, um Künstler und Bands wie Herbert Grönemeyer, Wolfgang Niedecken, Gentleman und Silly zu hören. Alle wollten ein Zeichen setzten. "Liebe, Hoffnung, Humanismus, Nächstenliebe" - in bunten Farben standen die Worte, von Lasern projiziert, auf der Kuppel der Kirche.

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Sänger Herbert Grönemeyer sagte, dass die aktuelle Stimmung in Dresden nicht dazu führen dürfe, "dass man sich als Zielscheibe und Projektion für diese Ängste, die man auch hat, plötzlich wieder eine Religion aussucht. Das hatten wir schon mal", warnte der 58-Jährige. "Jedes Gestammel von Überfremdung ist kalte verbale Brandstiftung und ignorante Verblendung." BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken nannte Pegida den "Aufstand der Ignoranten, der Unbelehrbaren". Das Publikum klatschte und applaudierte.

Als eine junge Frau auf die Bühne kam und über ihre Wut sprach, schwiegen die Zuschauer allerdings. Sie hörten zu, wie die junge Muslima über Deutschland slammte und über die angespannte Stimmung nach den Attentaten von Paris. "Angst. Angst, die Welt hat Angst, Deutschland hat Angst", sagte Nemi El-Hassan. "Drei Männer, eine Redaktion, ein Supermarkt. Eine Tat von kleiner Dauer und andauerndem Unrecht, genug um die Freiheit zu töten." Dresden Fernsehen hat den bewegenden Auftritt nun auf YouTube veröffentlicht. 

Im Dezember vergangenen Jahres erschien in der Tageszeitung "Die Welt" ein Porträt über die Berliner Medizinstudentin. Dort ist zu lesen, dass Nemi in Brandenburg zur Welt kam und dort aufwuchs. Ihre Eltern waren als Kriegsflüchtlinge aus dem Libanon in Fürstenwalde untergebracht worden. Beleidigungen seien für sie an der Tagesordnung. Ob in der U-Bahn oder im Beruf. Es sei schwierig, sich in solchen Momenten zu wehren. "Ich fühle mich gedemütigt und bloßgestellt. Ich will nicht noch darauf aufmerksam machen", sagte sie zur "Welt".

"Angst löscht deine Liebe, von der ich wünscht sie bliebe"

Ihr Auftritt in Dresden, mit Kopftuch, wirkt vor diesem Hintergrund noch mutiger und selbstbewusster. "Glaub mir Deutschland: Angst ist ein schlechter Berater", slammte Nemi. "Angst löscht deine Liebe, von der ich wünscht sie bliebe, zwischen mir und dir und in diesen Tagen erst recht. Deutschland, ich hebe meinen Stift, gemeinsam mit dir. Deutschland, ich schreibe heute Liebeslieder auf Altpapier und schenk sie dir." Ihren Auftritt beendetet sie mit den Sätzen: "Alles, was noch fehlt, ist ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, und etwas Wind. Mach dir keine Sorgen Deutschland, denn ich hab gehört, der Sommer kommt.” Da jubelte das stumme Publikum wieder.

Am Mittwoch trat nach Pegida-Gründer Lutz Bachmann auch Sprecherin Kathrin Oertel zurück. Die montägliche Kundgebung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" wurde für die kommenden Woche abgesagt. SPD-Chef udn Vizekanzler Sigmar Gabriel nannte die Krise eine "Erlösung für Dresden".

 

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