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Neue Statussymbole Wer protzen will, trinkt grünen Saft

Von wegen Designerklamotten oder Schmuck: Die neuen Statussymbole sind Yogamatten und grüner Saft. Trendige Leute investieren heute in Gesundheit und Fitness. Sie sind der neue Inbegriff von Luxus.

Bloß keine großen Logos! Wollten sich Vielverdiener in den vergangenen Jahren etwas gönnen, lief es meistens darauf hinaus. Einfache T-Shirts von The Row oder möglichst schlichte Taschen von Céline landeten in ihrem Online-Warenkorb, damit sie sich ja nicht beim tatsächlichen Shoppen in einem Department Store erwischen lassen. Das Motto lautete: Luxus ja, aber bitte schön zurückhaltend. Soziologen tauften das Phänomen, das kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 um sich griff, auf den Namen "Stealth Wealth": heimlicher Reichtum.

Den eigenen Wohlstand genießen, ihn aber nicht heraushängen lassen, genau dieses Prinzip hat nun eine weitere Evolutionsstufe erreicht. Statt einer teuren, am besten labellosen Handtasche besitzt man inzwischen eine Mitgliedschaft im Club-Fitnessstudio, statt eines Designeroberteils trägt man heute eine frisch pürierte Mischung aus Grünkohl, Sellerie und Petersilie mit sich, besser bekannt als " Green Juice". In Form sein, sich gut zu ernähren, den eigenen Körper bestmöglich pflegen – das ist, kurz gesagt, das Statussymbol der Stunde.

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Einen Namen hat dieser Trend noch nicht. "Healthy Wealth" würde aber prima passen, gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen lassen sich reiche Fitnessfreunde ihre Gesundheit so einiges kosten, zum anderen ist es doch irgendwie viel weniger "krank", 500 Euro für eine Sitzung mit der Ernährungsberaterin als für einen Mantel von Armani hinzublättern. Wellness-Konsum ist Konsum ohne schlechtes Gewissen, und kann vor anderen viel besser dargestellt werden. Egal, wie viel man verprasst, am Ende hat man etwas für sich getan – etwas, das über puren Genuss weit hinausgeht.

Grüner Saft demonstriert Displizin und Wohlstand

Ganz nebenbei funktioniert diese Art von Luxus als sozialer Kitt. Ausführliche Berichte über den letzten Einkaufsbummel interessieren höchstens die beste Freundin, eine nachhaltige Anekdote aus der Yin-Yoga-Stunde im Private Gym unterhält doch jeden, vor allem, weil keiner über solch fundamentale Körperthemen hinweggehen darf. Und dabei ist ein solches verstecktes Prahlen viel besser für den eigenen Ruf, für das Bild, das andere von einem haben sollen.

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Dabei geht es gar nicht unbedingt darum, das harte Sportprogramm auch wirklich durchzuziehen. Davon zu erzählen, wie praktisch und atmungsaktiv die neue Laufhose von Stella McCartney für Adidas ist, reicht meistens schon, um dazuzugehören. Und dazugehören wollen die meisten. Warum also nicht zu einem Club gepflegter und glücklicher Menschen, die mit ihrem grünen Saft im To-Go-Becher sowohl Disziplin als auch einen gewissen Lebensstandard demonstrieren? Denn so ein 250-Milliliter-Glas kostet, beim Berliner Saftladen Los Angeles Cold Press (Markthalle Neun) allein fünf Euro.

Was ist wirklich wertvoll?

Das steigende Interesse an Wellness, Körperfettwerten und Luxus-Bootcamps auf Mallorca (ja, manche robben sich sogar durch Inselschlamm zum perfekten Körper) mag ein Hype sein, allein in den USA wurden 2013 etwa 3,7 Milliarden Euro mit Gemüsesäften umgesetzt – aber ein Hype, der eine ganz zentrale Frage des guten Lebens aufwirft. Was ist wirklich wertvoll? Teure Schuhe sind es nicht: Etwas Schönes zu kaufen beschert kurzfristige Euphorie, langfristige Zufriedenheit ist damit jedoch nicht zu erreichen. Teure Laufschuhe sind es vielleicht schon eher. Nicht, weil sie gut aussehen, sondern weil ein Erlebnis mit ihnen verknüpft ist, zumindest für all jene, die dann auch wirklich joggen gehen.

Ohne Sinn und Verstand Materielles zu horten reicht vielen nicht mehr, sie suchen nach etwas, aus dem sie immer wieder Energie schöpfen können: Erfahrungen. Beim Trend zum gesunden Luxus sind sie wohl das Wichtigste - und noch dazu das einzige, was es gratis gibt.

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