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Zwei Tote im Gericht Erbstreit nimmt blutiges Ende

Das Motiv für die Schießerei in Landshut mit zwei Toten war nach Erkenntnissen der Ermittler ein jahrelanger Streit ums Familienerbe. Der Täter hinterließ einen Abschiedsbrief.

Blutiges Ende eines jahrelangen Familienstreits ums Erbe: In der Sitzungspause einer Zivilverhandlung vor dem Landgericht Landshut hat ein 60-jähriger Mann seine 48 Jahre ale Schwägerin erschossen und anschließend sich selbst getötet. Zwei weitere Prozessbeteiligte wurden von Schüssen schwer verletzt. Der Bluttat war nach Angaben der Ermittler ein jahrelanger familiärer Erbschaftsstreit zwischen sieben Geschwistern und dem angeheirateten Täter vorausgegangen.

Das Verbrechen ereignete sich nach Angaben von Polizeisprecher Leonhard Mayer gegen 10.15 Uhr: Die Verhandlung, bei der Franz N. als Beklagter auftrat, war gerade unterbrochen worden, als die Prozessbeteiligten vor den Sitzungssaal gingen, wo es auf dem Flur zu der Auseinandersetzung kam. Der Streit eskalierte: Der 60-jährige Krankenhauskoch aus Dingolfing zückte einen Revolver und gab insgesamt sechs Schüsse ab. Er schoss seiner Schwägerin in den Kopf und schoss auch auf die beiden anderen Prozessbeteiligten, eine weitere Schwägerin und deren Anwalt. Anschließend ging er laut Generalstaatsanwalt Christoph Strötz in einen anderen Sitzungssaal und richtete dort die Waffe gegen sich selbst.

Brief des Täters aufgetaucht

Nach Angaben von Polizeisprecher Rupert Grasmüller konnte die 48 Jahre alte andere Schwägerin zunächst wiederbelebt werden, erlag dann aber ihren Verletzungen. Beide Verletzte wurden mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Sie schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Bei dem Erbstreit ging es den Angaben zufolge um eine Größenordnung von 200.000 Mark. Dabei handelte es sich um eine sogenannte Auskunftsklage. Hintergrund einer solchen Klage ist meist, dass ein Erbe befürchtet, dass ein anderer Erbe etwas über den Nachlass verheimlicht.

Gerichtspräsident Karl Wörle sagte, dass das verhandelte Verfahren vor der Pause im Wesentlichen schon erledigt gewesen sei und dass es bereits Signale für eine gütliche Einigung gegeben habe. Ein spezielles Motiv habe man jedenfalls aus dem Verlauf der gegen 09.15 Uhr begonnenen Verhandlung nicht ablesen können. Die Stimmung sei nach Einschätzung des Richters nicht anders als sonst üblich gewesen, betonte Wörle. In den vergangenen Jahren habe es in der Familie mehrere zivilrechtliche Auseindersetzungen um das Erbe gegeben. Aufschluss könnte nach Angaben der Ermittler noch ein Brief des Täters geben, den sie von dessen Schwiegersohn erhalten hätten und derzeit prüften. Ob es sich dabei um einen Abschiedsbrief handelt, war zunächst unklar.

"Heute ist mein letzter Morgen"

Der Schreiber beklagt sich über einen angeblich jahrzehntelangen Terror seiner Verwandten und über jahrelange rechtliche Streitereien. "Heute ist wohl mein letzter Morgen", heißt es in dem Schreiben. "Ich fühle mich nicht als Mörder, wenn es passiert." Er wolle die Verwandtschaft für ihr Verhalten bestrafen. "Ich zahle dafür den höchsten Preis: mit meinem Leben."

Der verheiratete Täter hatte als Sportschütze seit 1974 eine Waffenbesitzkarte für drei Waffen, darunter auch die Tatwaffe, eine Smith&Wesson des Kalibers .357 Magnum.

Justizministerin Merk kündigt Konsequenzen an

Zeugen des Vorfalls erlitten einen Schock und wurden vor Ort von Ärzten und einem Kriseninterventionsteam betreut, einige wurden ins Krankenhaus gebracht. Am frühen Nachmittag wurden die Justizmitarbeiter per Durchsage aufgefordert, ihren Dienst zu beenden und nach Hause zu gehen.

Das dreistöckige Justizgebäude, in dem Amts- und Landgericht untergebracht sind, wurde großräumig abgesperrt. Auch Mitarbeiter in einem größeren Nachbargebäude wurden sofort evakuiert. "Diese Amoklage hat sich aus heiterem Himmel ergeben", sagte Polizeisprecher Mayer.

Als Konsequenz aus der Schießerei kündigte die bayerische Justizministerin Beate Merk schärfere Sicherheitsmaßnahmen an Gerichten an. "In Zeiten zunehmender Gewalt in unserer Gesellschaft müssen wir die Konsequenzen ziehen. Hierzu gehört ein verstärkter Einsatz von Sicherheitsschleusen an den Gerichtseingängen", erklärte Merk in München.

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