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Sex-Übergriffe in Köln Was man bisher weiß und was nicht

Sechs Tage nach den Sex-Übergriffen am Hauptbahnhof in Köln kommen immer mehr Details ans Licht. Besonders die Polizei muss sich Kritik gefallen lassen. Viele Fragen sind aber weiter offen.

In der Bevölkerung, in der Politik und bei der Polizei herrscht Entsetzen über die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof. Am Dienstag standen die Übergriffe im Fokus der bundesdeutschen Öffentlichkeit, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich. Trotz der zahlreichen Äußerungen von Politik und Polizei sind jedoch weiter viele Fragen offen.

Die beschlossenen Sofort-Maßnahmen

Gemeinsam mit dem Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers stellte Oberbürgermeisterin Henriette Reker beim Treffen der Spitzen von Stadt und Polizei ein Bündel von Maßnahmen vor: Mehr Polizisten, der Einsatz mobiler Videoanlagen mit Teleskopkameras und ein neues Sicherheitskonzept für große Menschenansammlungen und Großverantaltungen. Bei letzteren solle die Stadt künftig die Rolle des Veranstalters übernehmen. Zudem sollen bestimmte Plätze besser beleuchtet werden und Menschen, die durch Verbrechen wie Taschendiebstähle aufgefallen sind, der Zutritt zu bestimmten Bereichen verboten werden.

 

Vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Karneval kündigte Polizeipräsident Albers an: "Nun werden wir deutlich die Präsenz erhöhen." Reker kündigte zusätzlich kündigte an, dass die Stadt im Internet Verhaltensregeln für Frauen veröffentlichen werde. Diese sollten "feiern, aber besser vorbereitet als bisher in die Karnevalstage gehen". Besonders Rekers Aussage, Frauen sollten "eine Armlänge" Abstand zu Fremden halten sorgte für Ärger. Auf Twitter gab es einen Shitstorm unter dem Hashtag #einearmlaenge.

Polizei gibt Fehler zu

Polizeipräsident Albers räumte bei der Pressekonferenz am Dienstag Fehler ein: "Die erste Auskunft war falsch." Am Neujahrsabend hatte die Polizei in einer Pressemitteilung noch von einer ruhigen Lage in der Nacht gesprochen.

So viele Polizisten waren vor Ort

Die Bundespolizei, die für den Bahnhof zuständig ist, war mit 70 Kräften vor Ort. Die Kölner Polizei hatte im Bereich Hauptbahnhof und Dom rund 140 Beamte im Einsatz. Einige davon wurden aus anderen Teilen der Innenstadt zum Bahnhof geschickt, als dort die Lage eskalierte. Polizeipräsident Albers sagte, die Polizei habe ausreichend Kräfte auf dem Bahnhofsvorplatz gehabt. "Wir waren an dem Abend ordentlich aufgestellt."

Polizei wusste schon in der Tatnacht von Attacken

Bereits in der Nacht schilderten einzelne Frauen der Polizei sexuelle Übergriffe. Passantinnen seien gewarnt und von Beamten "sicher durch die Menschenmenge begleitet" worden, teilte die Polizei mit. Bis zum Dienstagabend schraubte sich die Zahl der Anzeigen auf 90 nach oben. Die meisten Anzeigen stammen von Frauen, die zu Besuch oder auf der Durchreise in der Domstadt waren. Festnahmen habe es in der Nacht keine gegeben, weil Zeugen und Opfer die Täter im Getümmel nicht wiedererkannt hätten, teilte die Polizei mit.

 

Täter nutzten "Antanz-Masche"

Die Täter sollen den schon seit längerer Zeit bekannten "Antanz-Trick" eingesetzt haben. Bei dieser Masche tanzen mehrere Personen um ein Opfer, sprechen und singen dabei. Plötzlich wird dann eine Tasche oder das Portemonnaie gestohlen.

 

Das sagt die Politik

Kanzlerin Merkel ließ über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen, dass die Übergriffe eine "harte Antwort des Rechtsstaats" verlangen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) übte in den ARD-Tagesthemen Kritik: "Da wird der Platz geräumt – und später finden diese Ereignisse statt und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten."

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) drohte den Tätern nach den Vorfällen von Köln mit Abschiebungen: "Straftäter haben keinen Anspruch auf ein Bleiberecht", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ging noch ein Stück weiter und forderte die sofortige Abschiebung von straffälligen Asylbewerbern: "Solche Übergriffe können nur ein sofortiges Ende des Aufenthalts in Deutschland zur Folge haben".

Ähnliche Taten in Hamburg und Stuttgart

Auch die Polizei in Hamburg ermittelt wegen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht, bis zum Abend gingen 27 Anzeigen ein. In Stuttgart waren zwei 18-jährige Frauen auf dem Schlossplatz von etwa 15 Männern sexuell bedrängt und ihrer Handys beraubt worden, weitere fünf meldeten sich telefonisch oder per Facebook bei der Polizei. Die Polizeibehörden in Berlin, München, Hannover und Frankfurt am Main erklärten, dass dort keine Vorfälle bekannt geworden seien.

 

Diese Fragen sind noch unbeantwortet

Wer sind die Täter?

"Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter", sagte Kölns Polizeipräsident Albers am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Zu den fünf bereits am Sonntag in Köln festgenommen Männern sagte er: "Es gibt noch keine Verbindung zu den Vorfällen an Silvester, so weit ich weiß." Eine Verbindung herzustellen sei nicht einfach, da die Opfer keine Tatverdächtigen identifizieren könnten. "Deshalb werten wir Videomaterial aus." Grundsätzlich werde die Aufklärung der Polizei schwerfallen, wie ein Ermittler sagte: "Es ist sehr schwierig, anhand der Videoaufnahmen gerichtsfest herauszufiltern, wer welche Straftaten begangen hat."

Waren es verabredete Taten?

Auf diese Frage gab es von der Polizei am Dienstag zumindest eine indirekte Antwort. Ein Polizeisprecher teilte mit, dass wenn "so viele Taten" nach einem "so ähnlichem Muster" verübt worden seien, die Vermutung naheliege, dass die Täter in irgendeiner Form miteinander verbunden seien.

Waren Flüchtlinge unter den Tätern?

"Es gibt keinen Hinweis, dass es sich hier um Menschen handelt, die hier in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben", betonte Bürgermeisterin Reker. Innenminister de Maizière mahnte, die Taten dürften nicht zu einem Generalverdacht führen. Justizminister Heiko Maas (SPD) erinnerte daran, dass Strafrecht unabhängig von der Herkunft gilt: "Es kommt nicht darauf an, wo jemand herkommt, sondern was jemand getan hat."

Eine Vergewaltigung gemeldet

Bereits am Montag war bekannt, dass sich vor den Übergriffen am Silvesterabend ca. tausend stark alkoholisierte Männer auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz versammelt und mit Böllern geworfen hatten. Anschließend wurden Frauen von kleineren Männergruppen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt wurden – in einem Fall sprach die Polizei auch von Vergewaltigung.

Zeugen und Opfer berichteten – laut Polizei übereinstimmend – von Männern, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen, und zwischen 15 und 35 Jahren alt sein sollen.

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