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Sexuelle Übergriffe in Köln Täter belästigten selbst eine Polizistin

Ein Einsatzpapier der Kölner Polizei belegt: Die Beamten hätten viel früher von den Übergriffen wissen müssen als von der Führung dargestellt. Eine Kollegin wurde "mehrfach unsittlich angefasst".

Die Kölner Polizei hätte deutlich früher von den sexuellen Übergriffen wissen müssen als von Polizeipräsident Wolfgang Albers angegeben. Das geht aus einer sechsseitigen "Einsatznachbereitung" der Polizei vom 2. Januar hervor, die der "Welt am Sonntag" vorliegt. Über diese Panne heißt es in dem Papier, "dass es bereits vor der Räumung des Bahnhofsvorplatzes zu zahlreichen Diebstahls- und Sexualdelikten (durch Begrapschen) gekommen war". Mit der Räumung des Bahnhofvorplatzes hatte die Polizei um 23.35 Uhr begonnen. Bisher hatte die Polizeiführung um Albers erklärt, erst gegen ein Uhr an Neujahr von den zahlreichen sexuellen Übergriffen erfahren zu haben.

Den Unterlagen zufolge wurde eine Polizeibeamtin gleich mehrmals sexuell belästigt. Sie stellte wie Dutzende andere Frauen Strafanzeige. Das wird so beschrieben, dass eine "Beamtin mehrfach im Gedränge von Personen des beschriebenen Klientels unsittlich angefasst wurde. Darüber hinaus wurde mehrfach versucht, ihr die mitgeführte Handtasche wegzunehmen." Aufgrund der unzureichenden "Kräftelage" der Polizei sowie der Unübersichtlichkeit der Gesamtsituation sei das sofortige Heranführen von uniformierten Kräften nicht möglich gewesen.

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Polizeipräsident Albers hatte gesagt, man habe keine Erkenntnisse über die Identität der mutmaßlichen Täter. Das Papier steht auch dazu eindeutig im Widerspruch. Denn daraus ergibt sich, dass es sich beim Großteil der von der Polizei kontrollierten Personen am Tatort um Asylbewerber handelte: "Bei den durchgeführten Personalienfeststellungen konnte sich der überwiegende Teil der Personen lediglich mit dem Registrierungsbeleg als Asylsuchender des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ausweisen. Ausweispapiere lagen in der Regel nicht vor."

Laut Einsatzbericht stellte die Polizei in der Nacht von Silvester auf Neujahr zwischen 22 Uhr und fünf Uhr morgens 71 Personalien fest. Die Beamten nahmen elf Menschen in Gewahrsam; 32 Strafanzeigen wurden gestellt. Außerdem gab es vier Festnahmen. Die Daten wurden im Cebius-System der Einsatzleitstelle der Polizei dokumentiert.

Ohne Bundespolizei wäre Überforderung noch größer gewesen

Das Einsatzpapier widerspricht Albers zudem in einem anderen wichtigen Punkt. "Wir waren nicht überfordert", hatte der Kölner Polizeipräsident erklärt. Das Dokument konterkariert diese Aussage. Dort heißt es: "Ohne eine Unterstützung der Kräfte der Bundespolizei wäre eine sachgerechte Durchführung nicht möglich gewesen."

Dem Papier zufolge gab es "im Laufe des Einsatzes erhebliche Verzögerungen bei der Bearbeitung von Festnahmen beziehungsweise der Durchführung von strafprozessualen Maßnahmen. Dabei sei es um die Abnahme von Fingerabdrücken mittels des sogenannten Fast-ID-Verfahrens, Blutproben alkoholisierter Männer und die Entscheidung über Festnahmen gegangen.

"In einem Fall dauerte die komplette Abarbeitung eines komplexen Sachverhaltes über sieben Stunden", steht in dem Einsatzbericht. Dadurch, dass die Polizei parallel mehrere komplexe Delikte bearbeiten musste, sei die "Einsatzstärke für die Dauer dieser Maßnahmen insgesamt gesehen nicht unerheblich reduziert" worden.

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