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Pressestimmen zu den Übergriffen in Köln "Ein Angriff auf das europäische Gesellschaftsmodell"

Die Übergriffe in Köln sorgen nicht nur in Deutschland für Diskussionen. Auch die internationale Presse macht sich seine Gedanken. Einige Zeitungen fühlen sich an den Terror von Paris erinnert. 

Die Sicht der internationalen Presse offenbart in diesen Tagen teils erstaunliche Assoziationen mit den Vorfällen in Köln. Die dänische "Politiken" sieht in den Ereignissen einen Angriff auf das europäische Gesellschaftsmodell. Die Kölner Silvesternacht erinnert die Presse in Italien und Lettland sogar an die Terroranschläge in Paris oder Madrid. Köln habe schwerwiegende Fehler begangen, urteilt dagegen die tschechische "Lidové noviny" und zitiert sogar Konrad Adenauer. Die Pressestimmen zu den Übergriffen in Köln in der Übersicht.

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"La Repubblica", Italien

Zu den Übergriffen in Köln und Hamburg schreibt die römische Zeitung "La Repubblica": "Was an Silvester in Köln und anderen deutschen Städten geschehen ist, hat unsere Verletzbarkeit offengelegt, es war in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit den Terroranschlägen in Paris, London und Madrid. Die Gruppen von Männern, die sich organisiert und die Frauen bei den Neujahrsfeiern angegriffen haben, haben gezeigt, wie unsicher öffentliche Plätze ausgerechnet in einem Land sind, das seit Jahrzehnten für seine Sicherheit, den Anstand in der Öffentlichkeit und die Verurteilung jeder Plumpheit bekannt ist.

Und sie haben dabei eines der Symbole der westlichen Zivilisation herausgefordert: Die Freiheit der Frauen, sich öffentlich zu bewegen, ohne angegriffen zu werden … Um angemessen zu reagieren … reicht es nicht, den Frauen den Rat zu geben, sich selbst zu schützen … so, als wäre das Problem die Freiheit und nicht die Gewalt jener, die ihnen die Freiheit nehmen wollen."

"Lidové noviny", Tschechien

Die konservative Zeitung "Lidové noviny" aus Tschechien sieht Fehler bei der Stadt Köln: "Wenn in vier Wochen der Karneval beginnt, wird man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Immer deutlicher zeigt sich, dass es nicht nur um ein Versagen der örtlichen Polizei geht, welche die Lage offensichtlich überhaupt nicht unter Kontrolle hatte. Von Ratlosigkeit zeugt auch die Reaktion der Stadtoberen.

Dabei ist an Köln am Rhein noch etwas anderes interessant: Keine andere Stadt Deutschlands ist in der Vergangenheit von so vielen Skandalen heimgesucht worden wie gerade Köln. Der einstige Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer soll die Philosophie der Stadt einmal so beschrieben haben: 'Wir kennen uns, und wir helfen uns.' Dem ist hinzuzufügen: Nicht immer haben die Einwohner etwas davon."

"Pravda", Slowakei

Die linksliberale slowakische Tageszeitung "Pravda" kommentiert: "Da die traditionelle Rolle der Frau in den Gesellschaften, aus denen die meisten Flüchtlinge kommen, ein gut bekanntes Problem darstellt, fällt es leicht, die Kölner Angreifer und muslimische Migranten als solche in einen Topf zu werfen. So eine Verkürzung widerspricht allem, was wir fühlen und über die Ablehnung von Kollektivschuld denken.

Das reicht aber nicht in der Debatte mit einer Gegenseite, die uns korrigiert, hier gehe es nicht um eine Kollektivschulddiskussion, sondern um eine konkrete Bedrohung. Die Diskussion darüber, was die Integration einer großen Zahl von Immigranten in die europäische Gesellschaft bedeutet, war auch vor dem Kölner Silvester nicht leicht. Aber jetzt sind weitere unangenehme und provozierende Töne dazugekommen. Vor ihnen die Augen zu verschließen, würde aber heißen, das Feld dem Hass zu überlassen, der immer die einfacheren Antworten findet."

"Politiken", Dänemark

Die liberale dänische Tageszeitung "Politiken" (Kopenhagen) schreibt: "Der Übergriff ist ein Angriff auf das europäische Gesellschaftsmodell als solches. Eine Gesellschaft, in der zwei der entscheidendsten Prämissen sind, dass Frauen und Männer vollkommen gleich sind und dass sich alle – unabhängig vom Geschlecht – frei und ohne Angst im öffentlichen Raum bewegen können. Es ist eine Grundvoraussetzung, um in Europa zu leben, dass man akzeptiert, dass Frauen dieselben Rechte genießen wie andere, egal, ob sie einen Minirock oder ein Kopftuch tragen. In diesem Punkt kann und darf es keine kulturelle Annäherung und keinen Kompromiss geben."

"Latvijas Av?ze", Lettland

Die nationalkonservative lettische Tageszeitung "Latvijas Av?ze" schreibt: "Unabhängig davon, wer die Angreifer waren – Taschendiebe oder Sexualstraftäter, neu angekommene Asylbewerber oder deutsche Staatsbürger mit 'Migrationshintergrund' –, sind die Auswirkungen dieser Ereignisse ähnlich wie die der Paris-Massaker: Sie erzeugen Angst. Dies ist sowohl in Interviews als auch sozialen Medien zu vernehmen. Obgleich niemand getötet wurde, sind die Opfer von den Angreifern in einer sehr ähnlichen Situation überrascht worden. Genau dann, als sie es am wenigsten erwarteten: in einer entspannten, euphorischen Stimmung und unter Alkoholeinfluss."

"SME", Slowakei

Die liberale slowakische Tageszeitung "SME" kommentiert: "Die Migrationskrise hat eine Subkultur von wohlmeinenden Altruisten entstehen lassen, die den Ankommenden so viel Geld und Zeit widmen, als würden sie glauben, deren vorangegangenes Leid hätte sie auf eine höhere (moralische) Stufe gehoben. Der Pragmatismus aber zeigt, dass sie in keiner Weise edler sind als wir anderen. Sie verdienen unser Mitgefühl und unser Willkommen, sind jedoch verpflichtet, sich ohne den geringsten Aufruhr einzugliedern."

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