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Kairo statt Köln Fake-Video verbreitet sich ungebremst bei Facebook

Ein bei Facebook verbreitetes Video soll Übergriffe von Männern auf eine Frau in Köln zeigen. Der Clip wurde bereits zehntausendfach geteilt. Der Haken daran: Es entstand ganz woanders.

Eine angebliche Szene von den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln: Eine Frau ist umringt von aggressiven arabischen Männern – Gedränge, eine wackelige Kamera, großes Chaos. Offensichtlich wird sie bedrängt und schreit. Was genau passiert, ist kaum zu erkennen. Auch fehlt die Tonspur des Videos. Trotzdem wurde das Video auf Facebook am Freitagnachmittag bereits mehr als 30.000 Mal geteilt und über eine Million Mal abgerufen. Es soll belegen, wie brutal die Angreifer gegen Frauen vorgegangen sind.

Die Facebook-Nutzerin Natalie Freund hat das Video am Donnerstag unter dem Aufruf "BITTE ANSEHEN UND TEILEN!!" bei Facebook hochgeladen. Es zeige "wie ein Mob aus Asylschmarozern (sic!) hilflose Mädchen bedrängt und begrapscht". Zudem wirft sie den Medien vor, dass sie der Öffentlichkeit dieses Video vorenthalten. Das Video wurde kurzfristig auch von der rechtspopulistischen Partei Pro NRW verbreitet.

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Der Aufruf hat jedoch einen großen Makel: Er ist ein Fake. Tatsächlich handelt es sich um Szenen vom Tahrir-Platz im ägyptischen Kairo, vermutlich aus dem Jahr 2012. Dass sich diese Szene jedenfalls nicht am Kölner Hauptbahnhof abgespielt hat, wird spätestens dann deutlich, wenn man sich eine längere Version des Films ansieht, der vor mehr als drei Jahren mit Tonspur auf YouTube hochgeladen wurde.

Volksverhetzung und Belästigung der Allgemeinheit

Im Jahr 2011 wurde der zentrale Platz in Ägyptens Hauptstadt zum Schauplatz zahlreicher Demonstrationen sowohl für als auch gegen den damaligen Diktator Husni Mubarak. Als Reaktion auf die Verbreitung des Videos meldete sich am Freitag auf Facebook eine Frau zu Wort, die behauptet, auf dem Video zu sehen zu sein. Das konnte bislang aber nicht verifiziert werden. Sie war am Freitag vorerst nicht zu erreichen. Schon damals gab es zahlreiche Berichte auch über sexuelle Übergriffe durch Männer auf dem Tahrir-Platz.

Natalie Freund verbreitet regelmäßig rechtspopulistische Propaganda über ihren Facebook-Account. Ihr gefallen zahlreiche AfD- und drei NPD-Gruppen. In der Gruppe Freunde der NPD ruft sie ihre Kameraden zum Teilen des Videos auf. Wer sich tatsächlich hinter dem Account verbirgt, ist allerdings völlig unklar. Die Person ist in zahlreichen Gruppen aktiv – von Köln vegan über Schwarzmarkt Hamburg bis hin zu Lesben in Berlin.

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Deutlich ist allerdings der Umgang mit der Wahrheit: Kommentare von Nutzern, die auf die wahre Quelle des Videos hinweisen, werden von ihr rigoros gelöscht. Möglicherweise macht sich die Person hinter dem Account sogar strafbar: Es könnte sich um Volksverhetzung oder zumindest Belästigung der Allgemeinheit handeln.

Mittlerweile haben Antifa-Aktivisten, die sich "Linke Bazillen" nennen, den Account von Natalie Freund gehackt. Auf dem Profil schreiben sie: "Leider Gottes mussten wir feststellen, dass dieses Profil hier einzig und allein der Hetze gegen Flüchtlinge diente. Daher sahen wir es als unsere Aufgabe an, dieses zu beschlagnahmen und somit der widerlichen Hetze und Lügerei ein Ende zu bereiten." Das Video ist allerdings nach wie vor abrufbar.

Fotos aus ganz anderen Zusammenhängen

Nach den Vorfällen in Köln verbreiten sich derzeit auch noch weitere angebliche Videos und Fotos der Ereignisse in den sozialen Netzwerken, um Stimmung gegen Asylbewerber zu machen. Ein per Facebook verbreitetes populäres Bild zeigt zweigeteilt oben junge Frauen mit einem "Refugees Welcome"-Transparent – darunter eine Frau, die von einem Schwarzen von hinten an der Schulter angefasst wird und sich offensichtlich angewidert die Nase zuhält. Das obere Bild ist mit "Köln, Oktober 2015" überschrieben, über dem zweiten steht "Köln, Januar 2016".

Keines der beiden Bilder stammt aus Köln, hat das Blog " Mimikama" recherchiert, das sich auf die Aufdeckung von Falschinformationen in sozialen Netzwerken spezialisiert hat. Das erste Bild ist demnach ein Foto der Nachrichtenagentur dpa aus Frankfurt – die Herkunft des zweiten Bildes ist ungeklärt. Es wird aber bereits seit Jahren auf zahlreichen Websites verbreitet – beispielsweise auf einer spanischsprachigen Seite im Dezember 2010.

Ein anderes Bild, das angeblich aus der Silvesternacht in Köln stammen soll und bei Facebook mit dem Satz "Das Bild sagt mehr als 1000 Worte" verbreitet wird, wurde von einer türkischen Nachrichtenagentur am 1. September 2015 am Hauptbahnhof in Budapest aufgenommen und über die Bilderagentur Getty Images verbreitet, hat " Mimikama" recherchiert. Es soll Flüchtlinge zeigen, die miteinander streiten, nachdem ihnen die Weiterfahrt nach Deutschland verweigert wurde.

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