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Erschossene Elfjährige in Unterschleichach Mann tötete Janina aus Wut über Silvesterknaller

Die Polizei hat einen 53-Jährigen wegen dringenden Tatverdachts im Mordfall Janina festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft Bamberg schoss der Mann aus "Wut über die Störung" durch Silvesterböller.

Erleichterung und Entsetzen mischen sich an diesem Mittwoch in dem kleinen unterfränkischen Ort Unterschleichach: Nach den tödlichen Schüssen auf ein elf Jahre altes Mädchen in der Silvesternacht ist der mutmaßliche Täter gefasst. "Das ist schon ein großes Gefühl der Erleichterung", sagt Elke Markert, die in einer Metzgerei in der Ortsmitte arbeitet. Doch auch die Bestürzung ist groß. Denn der mutmaßliche Schütze, ein 53 Jahre alter Mann, kommt aus dem Ort. Er wohnt direkt neben dem Tatort.

Aus Frust über seine familiären Verhältnisse und Ärger über den Krach der Silvesterböller soll er auf die feiernden Menschen geschossen haben. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. "Das macht einen schon wahnsinnig traurig", meint eine ältere Frau aus dem Nachbarort. Die 45 Jahre alte Elke Markert sagt über die Tat: "Das war auch alles so mysteriös."

Während die elfjährige Janina aus dem Landkreis Bamberg in dem Steigerwald-Tal im Landkreis Haßberge mit Freunden auf der Straße feiert, bricht sie plötzlich zusammen. Im Krankenhaus kämpfen die Ärzte in einer stundenlangen Notoperation vergeblich um das Leben des Mädchens. Zunächst ist die Ursache unklar. Erst einen Tag später gibt die Polizei bekannt, dass ein Projektil aus einer Kleinkaliberwaffe die Fünftklässlerin am Kopf traf. Doch war es ein Unfall oder eine vorsätzliche Tat?

Mutmaßlicher Täter hat psychische Probleme

Nun also die Gewissheit: "Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte bewusst in Richtung der Personengruppe geschossen hat", sagt der Leitendende Bamberger Oberstaatsanwalt, Erik Ohlenschlager. Das Motiv: Ärger über den Krach der Silvesterböller und Frust über seine persönliche Situation. Der Mann - früher Mitglied im Schützenverein und daher rechtmäßiger Besitzer von vier Waffen - sei schon länger in Behandlung. Vor Jahren trennten er und seine Lebensgefährtin sich, mit der er ein Kind hat. Aufgrund dieser Trennung sei der Mann "psychisch angeschlagen".

In der Silvesternacht sei er allein in seinem Haus gewesen - er wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Als er dann um 1.00 Uhr durch Böller geweckt wird, holt er laut Ohlenschlager "aus Wut und Ärger über diese Störung und Ärger über seine persönliche Situation" aus seinem Keller eine seiner Kleinkaliberwaffen. Er geht in den Garten und schießt von dort drei- bis viermal in Richtung der feiernden Menschen - und trifft Janina in den Kopf. Der Mann gibt die Schüsse zu, doch er bestreitet, dass er einen Menschen töten wollte.

Der 53-Jährige sei sichtlich erleichtert gewesen, dass ihm die Ermittler letztlich auf die Spur kamen, berichtet Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch. Gestellt hat sich der im Gefängnis Ebrach angestellte Kraftfahrer dennoch nicht - obwohl Janinas Mutter sich dies in Interviews sehr gewünscht hatte. Schon am 1. Januar hatte die Polizei im etwa 450 Einwohner zählenden Unterschleichach, einem Ortsteil von Oberaurach, rund 60 Kleinkaliberwaffen sichergestellt und alle Waffenbesitzer in der Nähe des Tatorts überprüft. Auch die Waffe des 53-Jährigen war dabei. Eine 50-köpfige Sonderkommission ermittelte.

"Wir sind jetzt nur froh, dass sie ihn haben"

Auf die Spur kam die Polizei dem Mann aber erst, als er bei Zeugenaussagen widersprüchliche Angaben machte. "Dass seine Angaben in wesentlichen Dingen nicht stimmten, hat den Fokus auf ihn gelegt", sagt Ohlenschlager. Außerdem passt eine seiner Waffen zur Tat und er gibt zu, in der Neujahrsnacht damit geschossen zu haben. "Er wird bis zum Ende seines Lebens auf jeden Fall meine Tochter auf dem Gewissen haben", sagte Janinas Mutter in einem Interview kurz nach der Tat.

Noch kurz vor dem tödlichen Schuss habe ihre Tochter sie angerufen und erzählt, wie viel Spaß sie habe und wie glücklich sie sei. Zum ersten Mal durfte das Mädchen alleine Silvester feiern. Die Haustür des Schützen ist nun von der Polizei versiegelt. Am Tatort, einem kleinen Plateau mit gutem Blick auf den Ort, stehen und liegen auch zwei Wochen nach Silvester noch zahlreiche Kerzen und Blumen. "Wir sind jetzt nur froh, dass sie ihn haben", sagt die Fleischverkäuferin Markert. "Ich dachte ja schon fast, man kriegt ihn nicht mehr."

In dem kleinen Laden ist die Festnahme an diesem verregneten Mittwoch Gesprächsthema Nummer Eins. Nun könne allmählich wieder etwas Normalität in dem Ort einkehren, sagt Evelyn Müller, die seit einigen Jahren hier wohnt. "Es hat sich ja seitdem keiner mehr raus getraut", erzählt die 50-Jährige. "Da war kein Kind mehr auf der Straße." Nun könne sie am Wochenende endlich wieder mit einem guten Gefühl mit ihrem Enkel spazieren gehen.

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