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Sextoys für Pädophile Das schmutzige Geschäft mit den Kinder-Sexpuppen

Es klingt unglaublich, aber seit Jahren werden Kinder-Sexpuppen legal im Internet verkauft. Der Hersteller behauptet, Kinder würden so vor sexuellem Missbrauch geschützt.

In aufreizender Spitzenunterwäsche machen sie Hausaufgaben, sitzen auf der Toilette oder schlafen im Kinderbett. Shin Tagakis Puppen sehen aus wie kleine Mädchen, im Alter von fünf oder zwölf Jahren. In anzüglichen Posen werden sie auf der Webseite des Puppenherstellers zum Verkauf präsentiert. Darunter: "Diese Puppe ist eine Künstlerpuppe. Rabatte sind ausgeschlossen!"

Schon seit über zehn Jahren verkauft Shin Tagaki seine "anatomisch korrekten" Figuren in die ganze Welt. Der japanische Unternehmer ist überzeugt, dass er damit etwas Gutes tut, wie er der amerikanischen Zeitschrift "The Atlantic" erzählt.  "Ich helfe damit Menschen, ihre Begierde legal und ethisch korrekt auszudrücken." Die Puppen sollen ein Ventil für Pädophile schaffen und so vor sexuellem Missbrauch schützen, behauptet er.

Schützen die Puppen wirklich vor Missbrauch?  

Steckt hinter Takagis Botschaft eine schmutzige PR-Masche oder verhindern die Puppen wirklich, dass Fantasien an Kindern ausgelebt werden? Unter Psychologen ist sein "Therapieansatz" umstritten. Viele bezweifeln einen Erfolg, so wie der Sexualforscher Peter Fagan von der John-Hopkins Universität in Baltimore. Die Puppen führten sogar zu einem Verstärkungseffekt für die pädophile Identität eines Menschen, befürchtet Fagan. Wie Fagan "The Atlantic" erläutert, entstehe durch die Puppen ein noch größeres Verlangen.

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Ingo Fock, Vorsitzender des Vereins "Gegen Missbrauch e.V." sieht es ähnlich. "Menschen mit einer pädokriminellen Ausprägung, die ihren Trieb bewusst ausleben, fehlt hier der nötige Kick. Früher oder später werden sie von der Puppe ablassen, weil ihr Verlangen nicht ausreichend gestillt ist und sich ihren Kick im realen Leben suchen", sagte er gegenüber N24.

Laut Fock vergesse Takagi einen wesentlichen Fakt: Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergehen, seien oftmals nicht pädophil veranlagt. "Die meisten Straftaten begehen Männer, die eine Nähe zu Kindern haben und sie als Ersatzobjekte missbrauchen", so Fock gegenüber. Es seien Täter, die ihre Macht über verschüchterte Jungen und Mädchen genießen.

Diese Mädchenpuppe soll Kinder schützen - Werbemaßnahme oder neuer Therapieansatz? (Foto: Getty Images)

Pädophilie ist nicht heilbar

In Deutschland gibt es nach Angaben des Instituts zwar keine belastbaren Angaben, wie viele Menschen pädophil veranlagt sind. Dennoch zeigen nationale Studien, dass bis zu 1 Prozent die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie erfüllen. Demnach sind es rund 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren. Verschiedene Behandlungsmethoden wie kognitive Verhaltenstherapie oder chemische Kastration können diese Neigung bekämpfen.

An der Berliner Charité beispielsweise lernen Menschen im Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden", wie sie mit ihren Impulsen umgehen. Doch die Therapeuten des Projekts warnen, Pädophilie sei nicht heilbar. Wie Pressesprecher Jens Wagner N24 bestätigt, "ist die sexuelle Ausrichtung eines Menschen Teil der Persönlichkeit und Pädophilie eine sexuelle Ansprechbarkeit für den kindlichen Körper vor Beginn der Pubertät."

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Der Sexualwissenschaftler Michael Seto aus Toronto geht davon aus, dass es zwei Typen von Pädophilie gibt. Dem einen Typus genügen die Puppen, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen. Der andere Typus hingegen werde "durch diesen Ersatz eher noch angeregt."  Das glaubt auch Sprecher Jens Wagner: "Bei anderen wiederum könnte der Zugang zu den Puppen den Wunsch auslösen und verstärken, reale sexuelle Handlungen ausleben zu wollen." Was eine zusätzliche Gefahrensituation für Kinder schaffen könnte.

Sie wirken so lebensecht, dass sie mit Kindern fast zu verwechseln sind. Die Puppen werden aus einem Silikon hergestellt, das echte Haut simulieren soll. Auch Haare und Augen sind realistisch hergestellt. (Symbolbild) (Foto: Reuters)

Kein Verbot für Puppen in Kindergröße

Trotzdem sind die Kinderpuppen in Deutschland nicht verboten. Sie können ganz einfach im Internet bestellt werden, auch die Lieferung nach Deutschland ist legal. Wie Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin gegenüber N24 erklärt, schützt das Strafrecht Subjekte, das heißt lebende Personen, aber keine Puppen. "Strafrechtlich verfolgt wird der sexuelle Missbrauch von Menschen, nicht von Objekten", so Dost-Roxin. "Deshalb machen sich Betroffene beim Gebrauch dieser Puppen nicht rechtlich strafbar, wenn dann handeln sie moralisch falsch."

Ob ein Verbot überhaupt sinnvoll wäre, bezweifelt er. Es existiere eine hohe Dunkelziffer an Straftaten im Internet, die oftmals nicht verurteilt werden, wie der Strafrechtler erklärt. Die eigene Identität ist im Netz leicht zu verschleiern. "Unglaublich viele Straftaten wie sexuelle Nötigung oder Kinderpornografie werden nicht strafrechtlich verfolgt."

"Die Puppen halten mich davon ab, ein Verbrechen zu begehen"

Auch ohne wissenschaftliche Basis ist Hersteller Takagi überzeugt, dass seine Puppen helfen. Interessenten für seine lebensechten Figuren gibt es weltweit. "Ich bekomme oft Briefe von Käufern", erzählt er. "Dann steht da beispielsweise: 'Danke für Ihre Puppen. Sie halten mich davon ab, ein Verbrechen zu begehen.'" Laut Takagi kommen sie von Ärzten, von Lehrern der Vorschule und von Promis. "Wir sollten akzeptieren, dass es keine Möglichkeit gibt, den Fetisch von jemandem zu ändern." 

Diese Haltung hat der Unternehmer übrigens nicht immer vertreten. 2013 betonte er noch gegenüber dem Internetportal "Vice", dass seine Dolls keine Sexspielzeuge seien: "Die Puppen haben keine sexuelle Funktion." Wie es aussieht, verkaufen sie sich mit der neuen Linie von Takagi aber besser.

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