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Vorfälle mit Flüchtlingen Erst die Belehrung, dann der Badespaß

Berichte über unangemessenes Verhalten von Flüchtlingen in Schwimmbädern häufen sich. In einer Kleinstadt in Rheinland-Pfalz setzt man auf Belehrungen und strenge Regeln - offenbar mit Erfolg.

Frauen beim Baden filmen, in der Unterhose schwimmen gehen oder unter der Dusche Nägel schneiden – das geht in einem öffentlichen Schwimmbad gar nicht. Nach Beschwerden von Badegästen dürfen deshalb Asylbewerber in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) nur noch mit einem Badepass ins Wasser. Und den bekommen sie nur, wenn sie vorher zehn Regeln zur Nutzung des Hallenbads unterschrieben haben. "Unser Prinzip ist, dass die Badegäste alle gleich behandelt werden und sich an die Baderegeln zu halten haben, egal welcher Herkunft und egal ob männlich oder weiblich", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, Michael Hülpes.

Nach einer Reihe von Vorfällen im Bad Ende vergangenen Jahres habe man reagieren müssen. Zum einen aus Sicherheitsgründen: "Da sind Nichtschwimmer ins Schwimmerbecken reingesprungen und mussten rausgezogen werden", berichtet Hülpes. Zum anderen hätten überwiegend junge männliche Flüchtlinge weibliche Gäste belästigt. "Sie wurden gefilmt, sie wurden fotografiert, man hat sich ihnen genähert."

Schließlich gab es Verstöße gegen hygienische Vorschriften: Etwa, dass Gäste nicht in Badesachen, sondern in Unterwäsche ins Becken hüpften. Oder sich unter der Dusche die Schamhaare rasierten. "Asylbewerber haben offensichtlich aufgrund eines anderen Kulturkreises ein anderes Verständnis von einem öffentlichen Bad", sagt Hülpes. Sie gingen wohl von einer Art Hamam aus, in dem Körperpflege üblich sei.

Großer Bedarf an Regeln

Probleme mit Flüchtlingen hatte jüngst auch ein Bad in Bornheim bei Bonn: Dort beschwerten sich Besucherinnen über sexuelle Belästigungen durch Männer aus einer Asylbewerberunterkunft. Daraufhin gab es ein vorübergehendes Hausverbot für Flüchtlinge, das inzwischen wieder aufgehoben ist.

Angesichts solcher Vorfälle hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen in Essen ihre Sicherheitshinweise für Flüchtlinge, die in Bädern ausgehängt oder ausgelegt werden, gerade um einen Passus ergänzt, sagt Verbandssprecher Joachim Heuser. Neu sei der Hinweis, dass sexuelle Belästigungen etwa durch "anzügliche Gesten, Äußerungen und körperliche Annäherungen sowie unerwünschte Berührungen" nicht erlaubt seien. In Deutschland gebe es rund 7000 Bäder.

Motiv der Sicherheitshinweise sei gewesen, die Bäder im Umgang mit Flüchtlingen zu unterstützen – und die Asylbewerber auf Risiken im Bad hinzuweisen ("Das Schwimmerbecken darf nur von sicheren Schwimmern benutzt werden"). Die elf Regeln wurden erst in vier Sprachen veröffentlicht, kürzlich folgten "wegen des großen Bedarfs" vier weitere: unter anderem Albanisch und Urdu. Der Verband bietet auch Seminare für Bäderpersonal an: "Rechtzeitig vor der Freibadsaison", sagt Heuser.

In Deutsch, Arabisch und Englisch sind die Baderegeln im Hallenbad in Hermeskeil angebracht. (Foto: dpa)

Mit dem Schwimmbad-Pass keine Probleme mehr

In Hermeskeil sind bislang rund 30 Badepässe ausgestellt worden. Und: "Der Betrieb hat sich komplett normalisiert. Wir haben keine Beanstandungen und keine Beschwerden mehr", sagt Schwimmmeister Sascha Frank. "Außerdem haben wir es geschafft, dass die eigenen Badegäste nicht ausgeblieben sind", fügt der Bürgermeister hinzu. Winterbedingt kämen aber derzeit wenige Asylbewerber ins Bad. Wer das Hallenbad benutzen wolle, werde in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Hermeskeil "belehrt", bevor er den Pass bekomme. Den muss er dann im Bad vorlegen.

Ein "kritischer Moment" sei allerdings die Gesichtskontrolle am Eingang, räumt Hülpes ein. Heißt: Die Mitarbeiter an der Kasse müssen ausmachen, wer Asylbewerber ist und wer nicht. Eigentlich sehe man das ganz gut. "Die einheimischen Badegäste, die kennt man."

Der Badepass in Hermeskeil scheint besonders zu sein. Jedenfalls ist dem Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz (GStB) kein anderes Bad mit einem ähnlichen Ausweis im Land bekannt. Hinweise für Flüchtlinge zur Bad-Nutzung in Form von Aushängen oder Flyern gebe es öfter, sagte die stellvertretende Sprecherin des GStB, Agneta Psczolla, in Mainz.

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