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Diebstahl-Angeklage Weil er der Tochter das Handy wegnimmt, wird er verhaftet

Ein US-Vater nahm seiner 12-jährigen Tochter das iPhone weg. Wegen der Erziehungsmaßnahme wurde er verhaftet. Seine Ex-Frau, die Mutter des Kindes, zeigte ihn an. Jetzt fiel das Urteil.

Früher gab es Stubenarrest. Oder Fernsehverbot. Einige Eltern versuchten es auch mit dem Entzug des Taschengeldes, wenn Worte und gutes Zureden bei der Erziehung ihrer unartigen Kinder nicht mehr halfen.

Und heute? Wie soll oder besser wie kann man einen Heranwachsenden, der sich nicht an die Regeln hält, noch bestrafen? Einen ohnehin genervten Teenager will bestimmt keiner mehr den ganzen Tag zu Hause "einsperren".

Und was ist mit einem, der Fernsehen schon lange uncool und langweilig findet, dafür aber lieber stundenlang vor dem Computer sitzt, durchs Internet surft und wahlweise über Snapshot, WhatsApp oder mit kurzen und in Sekundenabständen abgeschickten SMS-Nachrichten mit seinen Freunden kommuniziert?

 

Mehr als zwei Jahre lang dauerte der Rechtsstreit

Die einzige Bestrafung, die vielen Eltern in Zeiten von PCs, Macs und iPhone als letzte Möglichkeit noch sehen: Ihren widerspenstigen, nicht hörenden Gören einfach mal das Smartphone wegnehmen. Das hatte sich auch ein Vater aus Texas gedacht, der mit der Wegnahme des Telefons seiner Tochter eine Lektion erteilen wollte.

Eine Strafmaßnahme, die Ronald Jackson selbst kurzzeitig hinter Gitter und am Ende wegen Diebstahles sogar vor Gericht brachte. Mehr als zwei Jahre dauerte der ungewöhnliche Rechtsstreit zwischen dem Vater und seiner ehemaligen Freundin und Mutter der heute 15 Jahre alten Tochter. Erst in dieser Woche gab eine Bezirksrichterin in Dallas nach zweitägiger Verhandlung dem 36 Jahre alten Jackson in seiner Erziehungsmethode recht und sprach ihn vom Vorwurf des Diebstahles frei.

Bei einem Schuldspruch hätten dem Angeklagten sechs Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 2000 Dollar gedroht. Begonnen hatte der Fall im September 2013. Jacksons Tochter, deren Name von den Behörden nicht veröffentlicht wurde und die damals 12 Jahre alt war, hatte nach Aussagen des Vaters in einer SMS ein anderes Mädchen mit Schimpfworten beleidigt.

Eine Kurznachricht, die Jackson auf dem Smartphone seiner Tochter entdeckt hatte und die zu einem heftigen Streit zwischen den beiden führte. Am Ende kassierte der Vater das iPhone 4 seiner Tochter ein. Eine Strafe, die der Teenager nicht akzeptieren wollte. Das Mädchen rannte zu seiner Mutter und beschwerte sich bitterlich.

Einer der Polizisten war der neue Partner der Ex

Michelle Steppe, die nicht mit Jackson verheiratet war und sich schon vor Jahren von ihrem Lebenspartner getrennt hatte, stellte sich auf die Seite ihrer Tochter. Doch anstatt ihren Ex-Freund anzurufen, um das Thema zivilisiert unter Erwachsenen zu klären, alarmierte sie lieber die Polizei von Grand Prairie, ihrem Heimatort, 20 Autominuten westlich von Dallas.

Die Beamten sollten ihr das Telefon wieder zurückbringen. Später sollte herauskommen, dass einer der ermittelnden Polizisten der neue Lebenspartner der Mutter war. Kurze Zeit später standen zwei Beamte vor der Haustür von Jackson und verlangten das "Diebesgut" zurück. Doch der Beschuldigte dachte gar nicht daran. "In dem Moment entschied ich, dass die Polizei kein Recht hatte, mir vorzuschreiben, wie ich mein Kind zu erziehen habe", sagte Jackson gegenüber der lokalen Fernsehstation von CBS.

"Ich habe nur wie ein Vater gehandelt." Wenn seine Tochter etwas falsch mache, müsse er mit ihr darüber reden. "Die Strafe ist nur dafür da, um ihr zu verdeutlichen, dass sie das nicht wieder tun dürfe." Die Mutter sah das allerdings ganz anders. "Du kannst niemanden einfach dessen Eigentum wegnehmen, egal ob du ein Vater bist oder nicht."

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Als sich ihr Ex weiterhin weigerte, das iPhone herauszugeben, erstattete sie Anzeige wegen Diebstahles. Michelle Steppe begründete das auch damit, dass das Smartphone eigentlich ihr gehöre. Sie hätte es bezahlt und komme auch für die monatlichen Kosten ihrer Tochter auf.

Jackson war sich keiner Schuld bewusst – ein Fehler?

Doch Jackson blieb stur. Auch ein offizielles Schreiben der Behörden, die die sofortige Herausgabe des Telefons anmahnten, schreckte ihn nicht. Er wartete erst einmal ab. Dabei galt bis zu diesem Zeitpunkt das "Verbrechen" nur als Ordnungswidrigkeit, für die der mutmaßliche iPhone-Dieb im schlimmsten Fall mit einem Bußgeld bestraft werden konnte.

Monatelang hörte Jackson nichts mehr von dem Fall. Das sollte sich erst ändern, nachdem sich der örtliche Staatsanwalt in den Fall eingeschaltet hatte. Der bot Jackson einen Deal an: Wenn er das iPhone herausgeben würde, werde er von einer weiteren Anklage absehen. Doch auch das lehnte der Beschuldigte ab.

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Er war sich keiner Schuld bewusst und nahm sich stattdessen selbst einen Anwalt, um sich gegen die Anschuldigungen zu wehren. Zum zwischenzeitlichen Höhepunkt in dem Streit kam es dann im April 2015, als Jackson mitten in der Nacht durch ein lautes Pochen an seiner Haustür aus dem Schlaf gerissen wurde.

"Es war gegen zwei Uhr morgens", erinnert sich dessen Anwalt Cameron Gray. Die Polizei stand vor der Tür und habe seinen Mandanten "in Handschellen aus seiner Wohnung abgeführt". "Ich konnte nicht glauben, dass die Behörden für so eine Kleinigkeit ein solches Theater veranstalten würden", sagte Jackson. "Das machte keinen Sinn für ihn und war auch nicht richtig."

Richterin hatte nach zwei Tagen Verhandlung die Nase voll

Erst nach der Hinterlegung einer Kaution von 1500 Dollar durfte er nach einem Tag die Untersuchungshaft wieder verlassen. Sechs Monate Haft, 2000 Dollar Geldbuße wurden gefordert. Der Staatsanwalt reichte kurze Zeit später Klage vor Gericht ein und wollte sich dabei mit einem einfachen Bußgeld nicht mehr zufriedengeben.

Der Ankläger forderte nun für den Beschuldigten eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis und 2000 Dollar Geldbuße. Mehr als zwei Jahre nachdem Jackson seiner Tochter wegen einer beleidigenden SMS an ein anderes Mädchen als Erziehungsmaßnahme das Smartphone weggenommen hatte, wurde der Fall in dieser Woche vor einem Gericht verhandelt.

Zwei Tage dauerte die Verhandlung, dann hatte Bezirksrichterin Lisa Green genug. Sie stellte das Verfahren wegen mangelnder Beweise eines Diebstahles ein und erklärte den Angeklagten für "nicht schuldig". Die Richterin erlaubte Jackson sogar ausdrücklich, das iPhone zu behalten.

Auch wenn Jackson das Handy behalten darf, seine Tochter sieht er nicht mehr

Eine Entscheidung, die Mutter Michelle Steppe nicht nachvollziehen konnte. "Das heißt am Ende doch, dass du etwas kaufst. Und obwohl du einen Kassenbeleg hast, ist es nicht dein Eigentum, und jeder kann es dir wieder wegnehmen."
Ronald Jackson dagegen zeigte sich zufrieden, zumindest mit dem Ausgang des Prozesses.

"Die Gerechtigkeit hat am Ende gesiegt", erklärte er. Die Beziehung zu seiner Tochter, um die er sich in den ersten sieben Jahren nach der Trennung von seiner Ex-Freundin schon nicht gekümmert hatte, scheint nach dem Rechtsstreit allerdings endgültig zerbrochen.

Die beiden haben seit dem Zwischenfall keinen Kontakt mehr miteinander. Jackson Anwalt kündigte unterdessen an, gegen die Polizei und die Staatsanwaltschaft Beschwerde vor einem Bundesgericht einzureichen.

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