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Zika-Epidemie WHO ruft weltweiten Gesundheitsnotstand aus

Die WHO schlägt Alarm wegen des Zika-Virus, auch wenn noch wissenschaftliche Beweise fehlen. Die UN-Organisation will sich nicht - wie bei Ebola - lange Untätigkeit vorwerfen lassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus und seiner möglichen Verbindung zu Schädelfehlbildungen den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Zu diesem Schritt habe eine 18-köpfige Expertenrunde geraten, teilte die WHO in Genf mit. Man befürchte bis zu vier Millionen Krankheitsfälle in diesem Jahr, davon allein 1,5 Millionen in Brasilien.

Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von solchen Fehlbildungen (Mikrozephalie), sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan. Es fehle aber noch der wissenschaftliche Beweis. "Wenn wir bis zum wissenschaftlichen Beweis warten, werden die Menschen uns Untätigkeit vorwerfen", sagte Chan.

Die Ausrufung des Notfalls erleichtere das Bemühen, die Verbreitung des Virus zu bekämpfen. "Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort, um der Sache auf den Grund zu kommen", sagte Chan. Es gebe seit 2015 in Brasilien inzwischen 270 bestätigte Fälle, in denen Schwangere mit einem fehlgebildeten Kind zuvor an Zika erkrankt waren. Das Virus trete inzwischen in 25 Ländern auf.

Es wurde inzwischen auch in mehreren europäischen Ländern diagnostiziert. In Deutschland sind nach Angaben des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin seit dem aktuellen Ausbruch im Oktober 2015 bislang fünf Fälle bekannt geworden. Sie wurden allesamt durch Touristen aus dem Urlaub eingeschleppt. Italien registrierter bisher vier Fälle, Großbritannien drei und Spanien zwei. Dennoch halten Experten das Risiko in Europa für relativ gering.

Schwangere sollen betroffene Länder meiden

"Zika hat sich ausgebreitet und die Frage ist, wird es sich weiter ausbreiten", sagte ein WHO-Experte zur Begründung des Notfalls. Das in seinem Verlauf eigentlich harmlose Virus allein hätte nicht diesen Alarm ausgelöst, aber die Häufung der Fälle, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David L. Heymann.

Zugleich betonte die WHO, dass es im Moment keinen Grund für allgemeine Reisewarnungen oder Beschränkungen im Handel gebe. Allerdings sollten Schwangere betroffene Länder meiden. Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt. Davor hatte die WHO Kinderlähmung/Polio im selben Jahr als globalen Gesundheitsnotstand bezeichnet, 2009 die Verbreitung der Schweinegrippe.

Mehr zum Thema: Was das Zika-Virus für Ihre Urlaubsreise bedeutet

Bei dieser Notfallregelung können Staaten außerhalb der Seuchengebiete aufgefordert werden, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen. So solle nun intensiver gegen die Moskitos vorgegangen werden, die das Virus übertragen. Es müsse auch die internationale Überwachung von Schädelfehlbildungen standardisiert werden, hieß es. Die WHO will am Dienstag weitere Empfehlungen veröffentlichen.

Allein in Brasilien bereits 4180 Mikrozephalie-Verdachtsfälle

Das Virus wird von der Moskitoart Aedes aegypti übertragen. Zum Verdacht, dass Zika für Schädelfehlbildungen verantwortlich ist, sagte die Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin: "Was man noch gar nicht abschätzen kann, ist, ob noch Co-Faktoren vorhanden sein müssen." Das könnten etwa Antikörper gegen andere Viren sein, die zusammen mit dem Zika-Virus eine Mikrozephalie auslösen. Möglich sei auch, dass nicht Zika, sondern ein ganz anderer Faktor der Verursacher sei. "Das könnte zum Beispiel ein Medikament sein", sagte die Expertin.

Allein in Brasilien gibt es schon etwa 4180 Mikrozephalie-Verdachtsfälle. In dem Land gibt es jetzt verstärkt Abtreibungen, wie die Zeitung "Folha de São Paulo" berichtete. Sie zitierte mehrere Ärzte, bei denen Frauen um eine anonyme Abtreibung gebeten haben sollen. Einige Frauen würden erst gar nicht die Prognose abwarten, ob ihre Babys mit Mikrozephalie auf die Welt kommen würden, hieß es in dem Bericht.

Diese Frauen seien in der Regel verheiratet, hätten ein hohes Bildungsniveau, gute finanzielle Bedingungen und wollten ein Kind – aber seien nun verzweifelt wegen der Möglichkeit, dass das Baby mit Fehlbildungen geboren wird, hieß es unter Berufung auf die Ärzte.

Tata Motors erwägt Kleinwagenmodell umzubenennen

Das ursprünglich 1947 in Uganda entdeckte Zika-Virus war bis zum Auftauchen in Lateinamerika kaum verbreitet. Zika-Symptome sind in der Regel leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Hautrötungen. Da viele Menschen nicht merken, dass sie infiziert sind, ist eine genaue Einschätzung der Lage schwierig. Auch die Zahlen zu den in Europa aufgetreten Fälle gelten als höchst unzuverlässig. Im Fall des Ebola-Virus war der WHO allerdings vorgeworfen worden, sie habe zu lange gebraucht, um den Notstand zu deklarieren.

Das Virus hat auch Auswirkungen auf den indischen Autobauer Tata Motors. Tata erwägt, sein neues Kleinwagenmodell "Zica" umzubenennen. Es sollte diese Woche auf einer indischen Automesse präsentiert werden. "Wir haben den Namen ausgewählt, als es das Problem noch nicht gab, und ihn schon im Dezember den Medien vorgestellt", sagte eine Firmensprecherin. "Aber jetzt überdenken wir die Sache und werden entscheiden, ob wir den Namen ändern oder nicht."

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