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Kriminalität in Berlin-Kreuzberg Schlimmer als die Kotti-Junkies

Am Kottbusser Tor in Kreuzberg ist immer Leben. Dass sich Dealer und Junkies unter das Gewusel mischen, ist hier Normalität. Doch seit einem Jahr ändert sich die Lage zum Schlechten.

Samstagabend, kurz nach elf, Kottbusser Tor, Berlin-Kreuzberg. Die U-Bahnen sind voll, junge Leute steigen aus, Bierflaschen in der Hand. Sie überqueren den Platz, schlendern vorbei an Döner-Imbissen, treffen Freunde. Bester Zeitpunkt für Taschendiebe.

Die jungen Männer stehen in Gruppen zusammen, bevor sich Szenen abspielen, wie sie zumindest Anwohner schildern: Eine junge Frau schließt ihr Fahrrad ab und beugt sich runter zum Schloss. Einer der jungen Männer zieht eine Rasierklinge hervor und schlitzt ihre Umhängetasche auf. Als sie weitergeht, sammelt er auf, was auf den Boden fällt. Bis sie es bemerkt, sind die Diebe verschwunden. 

Berlin-Kreuzberg steht für Multi-Kulti. Das Kottbusser Tor, Kotti genannt, ist berühmt-berüchtigt mit seinen Bars an jeder Ecke. Gleichzeitig ist die Gegend rund um den U-Bahnhof seit Jahren Umschlagplatz für Drogen. Hasch bekommt man hier, Ecstasy, Heroin. Anwohner und Besucher haben das lange hingenommen, Kotti halt.  

Diebstähle steigen drastisch an

Vor einem Jahr aber sei es schlimm geworden, "sehr, sehr schlimm", sagt der 27-jährige Ahmed. Er arbeitet seit drei Jahren in einem der Kioske am Kottbusser Tor. Er ist Deutsch-Türke, in Kreuzberg aufgewachsen, er möchte nicht, dass sein echter Name in der Zeitung steht. Mit "sehr, sehr schlimm" meint er die Zunahme des Diebstahls. Junge Männer, die Passanten und Geschäftsinhaber beklauen.

Die Statistik gibt ihm Recht. Die Anzeigen wegen Diebstahls haben sich von 361 in 2014 auf 775 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Auch Raub und Körperverletzung haben stark zugenommen, wie die Polizei bekanntgab. Die Zahl der Raubdelikte stieg von 52 auf 80.

Bei der Körperverletzung gab es einen Zuwachs von 49 auf 68 Fälle. "Die Täter gehen in Gruppen vor", erzählt Ahmed mit Blick auf die Diebe. Von dem Geschäft aus hat er vieles im Blick. "Einer guckt, wo eine Tasche offen ist, greift rein, die anderen schützen ihn". Die Täter seien in der Überzahl, ihre Opfer könnten kaum etwas tun. Und so schnell wie sie kommen, seien sie auch wieder weg, verschwunden in der verwinkelten Architektur des Neuen Kreuzberger Zentrums, einem Gebäudekomplex mit 290 Wohnungen, der den Platz am Kottbusser Tor überblickt.

Tägliche Festnahmen, geringe Aufklärungsrate

Dort sind seit November deutlich mehr Polizisten unterwegs. Sie tauschen sich mit Geschäftsinhabern und Anwohnern aus, klären über Sicherheitsmaßnahmen auf und führen Kontrollen durch. Fast jeden Tag kommt es zu Festnahmen wegen Raubs, Taschendiebstahls oder Drogenhandels. Aber die Aufklärungsrate ist niedrig, die Täter sind schnell verschwunden, und oft merken die Opfer erst später, dass das Portemonnaie fehlt.

Wenn einer geschnappt wird, werden die Personalien aufgenommen, danach kommt er in der Regel wieder frei.  Neben dem Kottbusser Tor zählen nach Angaben der Berliner Polizei die U-Bahnhöfe Alexanderplatz, Görlitzer Bahnhof, Zoologischer Garten, Hallesches Tor und Hermannplatz zu den gefährlichsten Stationen in Berlin.

Anwohner am Kotti finden, dass immer mehr Täter aus dem nordafrikanischen Raum dort unterwegs sind. Aber ist das tatsächlich so? Prozentual gesehen haben die Straftaten mit Verdächtigen aus Tunesien oder Marokko zugenommen, bestätigt ein Polizeisprecher. Ein Beispiel: Wurden 2014 noch elf Delikte von Tunesiern registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 44. "In Summe betrachtet überwiegen aber die Fälle mit Deutschen", gibt der Sprecher zu bedenken. 1023 Delikte am Kotti wurden demnach 2015 von deutschen Tatverdächtigen begangen.

Anwohner sind verängstigt

Die Politik scheint machtlos. Mehr Laternen oder Videoüberwachung am Kottbusser Tor seien spannende Themen, findet Staatssekretär Bernd Krömer (CDU), aber dafür fehle die politische Mehrheit. Der Berliner Senat setzt vor allem auf Aufklärung: "Jeder sollte auch selbst versuchen, sich zu schützen und beispielsweise keine Wertsachen in den Außentaschen des Mantels tragen", rät Krömer. 

Kneipenbesucher und Partygänger lassen sich nicht abschrecken. Das Kottbusser Tor ist ein wichtiger Umsteigebahnhof, die Kneipen ringsum sind meistens gut gefüllt und die Studentenszene schert sich kaum um die Kriminalität - im Gegensatz zu den Anwohnern.  "Die Leute haben große Angst", sagt ein 58-Jähriger, der Lebensmittel am Kottbusser Tor verkauft. "Die Kunden trauen sich nicht mehr, bei uns einzukaufen, die Umsätze haben sich in manchen Schichten halbiert".

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