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Auf Insel ausgesetzt Ponso ist der "einsamste Schimpanse der Welt"

Seit 30 Jahren lebt Schimpanse Ponso einsam auf einer afrikanischen Insel. Zuvor hatte er fast nur das Innere eines Labors gesehen. Mit seinem Schicksal ist der Affe nicht allein.

Ponsos einziger Freund ist Germain. Der Ivorer hat den Schimpansen nicht aufgegeben, der seit über 30 Jahren auf einer einsamen Insel der Elfenbeinküste lebt, wo er selbst keine Nahrung finden kann. Regelmäßig bringt der Einheimische Brot, Bananen und Trinkwasser auf das kleine Eiland, um den etwa 40-jährigen Menschenaffen am Leben zu erhalten.

Manchmal begleiten ihn andere Helfer, wie zuletzt Estelle Raballand, Direktorin des "Chimpanzee Conservation Center", einer Hilfsorganisation für Schimpansen. Bei ihrem Besuch entstanden die Aufnahmen, die jetzt um die Welt gehen: Ponso, der die Besucherin fest in die Arme schließt, Ponso der scheinbar freudig "lacht".

Die herzerwärmenden Szenen sind Teil der Leidensgeschichte von Laboraffen. Denn Ponso ist nicht der einzige Schimpanse, der seinen Lebensabend verstoßen und ohne Nahrungsquellen auf einer Insel verbringen muss. Insgesamt wurden 200 der Tiere auf Mangroveninseln vor Liberia und der Elfenbeinküste ausgesetzt, davon sind heute noch 66 am Leben.

30 Jahre lang Labortests

Der ganze Fall reicht zurück bis ins Jahr 1974, als die US-Forschungseinrichtung "New York Blood Center" (NYBC) ein Abkommen mit der liberianischen Regierung traf, um für das Forschungszentrum Vilab II eine Schimpansenkolonie zu gründen. Insgesamt wurden die Affen dieser Kolonie 30 Jahre lang in Labortests für neue Impfstoffe eingesetzt, wie die "New York Times" im vergangenen Jahr berichtete. 

Die Tiere wurden im Rahmen dieser Tests dutzendfach anästhesiert, diversen Biopsien unterzogen und unter anderem mit Hepatitis infiziert. Ein Schimpanse, Spring Roll, verlor einem Bericht der Webseite "The Dodo" zufolge, ein Auge, nachdem er versehentlich von einem Betäubungspfeil getroffen wurde. Ein anderer, Bullet, verlor einen Arm, nachdem seine Mutter getötet und er angeschossen wurde, heißt es in dem Artikel.

THIS IS BULLET- A DISABLED LAB CHIMP ABANDONED BY NEW YORK BLOOD CENTER:Bullet and some of the abandoned chimps...

Posted by New York Blood Center: Do the Right Thing on Monday, February 8, 2016
 

Die Schimpansen können allein nicht überleben

Nach dem Ende des Forschungsprogramms wurden die Labortiere auf den Inseln ausgesetzt, wo es wenig bis gar keine natürlichen Nahrungs- und Trinkwasserquellen gibt. Das NYBC finanzierte zunächst die Versorgung der Affen, deren Überleben direkt von menschlicher Fürsorge abhängt. Doch im März letzten Jahres stellte die Forschungseinrichtung die Versorgung ein. 

"Das New York Blood Center überlässt 66 Schimpansen ihrem Schicksal", sagte der Direktor der Tierschutzorganisation "Humane Society of the United States", Wayne Pacelle, damals der "New York Times". Die Kosten der Versorgung beliefen sich auf 30.000 US-Dollar pro Monat, hieß es weiter. Laut dem Artikel ist das liberianische "Institute for Biomedical Research", das für die Schimpansen verantwortlich ist, finanziell nicht in der Lage, die Tiere zu betreuen.

Forschungseinrichtung wehrt sich gegen Vorwürfe

Das NYBC erklärt auf seiner Webseite, sich nach Ende des Forschungsprogramms mit der liberianischen Regierung darauf geeinigt zu haben, die Fürsorge für die Tiere eine Zeit lang zu übernehmen, bevor sich der Staat selbst um seine Affen kümmert. Weiter verweist dass NYBC darauf, niemals verpflichtet gewesen zu sein, für die Schimpansen zu sorgen, und dass sowohl die Regierung als auch Tierschutzorganisationen gewusst hätten, dass es sich um ein temporäreres Engagement handele.

Seitdem das NYBC die Finanzierung eingestellt hat, schaffte es eine Koalition aus diversen Tierschutzorganisationen die Versorgung der Schimpansenkolonie aufrecht zu erhalten, indem Helfer täglich Nahrung auf die Inseln bringen - und dafür sogar umarmt werden.

Germain mit seinem Schützling (Foto: Facebook/New York Blood Center: Do the Right Thing)

Ponsos Schicksal

Ponso unterdessen, so scheint es, ist vergessen worden. Außer von Germain, der sich seit Jahren um das alte Labortier kümmert. Der Affe ist einer von 20, die 1983 vom NYBC auf einer ivorischen Insel ausgesetzt wurden, um dort den Bestand zu stärken. Doch innerhalb eines Jahres verstarben oder verschwanden elf der Tiere.

Ponso, seine Frau und seine zwei Kinder waren bald die einzigen Überlebenden - dank Germain und seinem Vater. Als seine Familie binnen zwei Tagen starb, half Ponso sie zu bestatten, indem er Erde auf ihre Gräber warf, erzählte der Mann laut der Webseite "Their Turn".  Seither hat Ponso niemanden mehr, der ihm Gesellschaft leistet.

Dass er nicht mit den anderen Affen zusammengeführt wird, liegt vor allem daran, dass die Affenkolonie auf den liberianischen Inseln aus medizinischen Gründen nicht dafür geeignet ist, einen alten Schimpansen aufzunehmen, der womöglich Krankheiten einschleppen könnte. Ponso könnte von der Gruppe angegriffen werden. Weiter verfügt der ivorische Staat über diese Affen, nicht Liberia.

Doch ein Gutes hat seine neue gefundene Berühmtheit als "einsamster Schimpanse der Welt". Ponsos Schicksal berührt so viele, dass mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne schon über 22.000 Euro an Spenden gesammelt wurden - und jetzt an einen Umzug des Affen gearbeitet werden kann.

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