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Urteil im Fall Maria P. Ein grausamer Mord, ein furchtbarer Tod

Sie verbrannten die schwangere Maria P. bei lebendigem Leib. Das Baby erstickte. Dafür müssen Eren T. und Daniel M. für jeweils 14 Jahre in Haft. Die Details über Marias Tod sind furchtbar.

Kurz nachdem die Richterin das Urteil über Marias Mörder gesprochen hat, entsteht Tumult im Saal des Berliner Landgerichts. "Das ist doch keine Strafe", brüllt ein bulliger Typ aus dem Publikum. "Euch sollte man den Kopf abschneiden." "Sie sind jetzt sofort ruhig", fährt Richterin Regina Alex dazwischen. "Oder ich lasse Sie festnehmen."

Eren T. und Daniel M. schauen erschrocken auf. Während der Urteilsverkündung hatten sie keine Miene verzogen. Erens schwarze Haare sind in der Untersuchungshaft zu Locken gewachsen. Daniel hält seine rotblonden Haare kurz geschoren, die Tattoos an Hals und Armen versucht er unter einem langen Sweatshirt zu verstecken.

Auch wenn die Zuschauer empört sind, es ist ein ungewöhnlich hartes Urteil, das Alex gefällt hat: 14 Jahre Haft für die beiden 20-Jährigen, die die hochschwangere Maria P. in ein Waldstück im Südosten Berlins gelockt, niedergestochen und angezündet haben.

"Niedrige Beweggründe" und "Mordlust"

Das Jugendstrafrecht, das bis zum Alter von 21 Jahren angewendet werden kann und das die psychiatrischen Gutachter empfohlen hatten, sieht für Mord maximal 15 Jahre vor. Erst vor ein paar Jahren wurde die Höchststrafe von zehn Jahren angehoben; in Berlin ist bisher kein Prozess bekannt, in dem eine so hohe Strafe verhängt wurde.

Aber dies sei ein außergewöhnlicher Fall, sagt Regina Alex. Sie spricht von einer "besonderen Schwere der Schuld". Der Mord an Maria P. sei heimtückisch und grausam gewesen.

Eren T. handelte demnach aus "niedrigen Beweggründen": Er brachte seine Ex-Freundin um, weil sie nicht hatte abtreiben wollen. "Er wollte ein freies Leben führen und sich nicht unter Druck setzen lassen. Weder von Maria noch von seiner Familie", sagt die Richterin. Daniel hingegen unterstellt das Gericht "Mordlust": Er hatte vor Zeugen geäußert, dass er sehen wolle, wie das ist, einen Menschen umzubringen.

"Wären die beiden Angeklagten nicht aufeinandergetroffen, hätte die Tat vermutlich nicht stattgefunden", sagt Alex. Zwei Täter hatten sich gesucht und gefunden. Aber bereits wenige Stunden nach dem Mord versuchten sie, die Schuld auf den jeweils anderen zu schieben.

Am Morgen des 23. Januar 2015, als Spaziergänger gerade Marias halb verkohlte Leiche entdeckten, saß Eren T. bereits auf einer Wache in Neukölln und gab an, er sei mit seinem Kumpel Daniel und seiner Ex-Freundin Maria unterwegs gewesen. Als er kurz ausgestiegen sei, um zu pinkeln, sei Daniel mit ihr davongefahren. Nun wollte er sie als vermisst melden.

Daniel wiederum gab wenig später an, Eren habe Maria angezündet. Er habe dazwischengehen wollen, aber den Mord nicht verhindern können.

Alex deckt in der Urteilsverkündung sämtliche Fehler dieser Lügengeschichten auf. Erens Version ist nicht zuletzt unglaubwürdig, weil er erst fünf Stunden später und völlig seelenruhig auf der Wache erschien, obwohl er angeblich davon ausging, dass Daniel seiner Ex-Freundin etwas angetan haben könnte. Außerdem erklärte er sogleich, warum man später seine Fingerabdrücke an einem Brotmesser, einem Teleskopschlagstock und einem Benzinkanister finden würde – dabei hätte er gar nicht wissen können, welche Waffen der Täter genau benutzt hatte.

Die wegen Mordes angeklagten Daniel M. (vorne) und Eren T. stehen im Verhandlungssaal des Berliner Landgerichts hinter Glasscheiben. (Foto: DPA)

Daniel wiederum wollte erst während der Tat erkannt haben, dass Eren seinen Schlagstock und das schärfste Messer aus dem Haushalt seiner Freundin entwendet hatte. Beide hätten Täterwissen offenbart, sagt Alex. Das sei, neben der offensichtlichen Planung der Tat, entscheidend für ihre Verurteilung.

Maria wurde im Sommer 2014 von Eren schwanger, ungewollt. Für beide war es die erste richtige Beziehung. Maria träumte von einer türkischen Hochzeit und war entschlossen, das Kind zu behalten, obwohl sie mitten in einer Ausbildung zur Köchin war und Eren seine Schulung zum Metallbauer abgebrochen hatte. Auch nachdem sie sich im Streit trennten, hoffte sie inständig, dass er seine Meinung ändern würde.

Währenddessen dachte Eren über mögliche Arten nach, sie zu töten. Er suchte den Kontakt zu Daniel M., den er noch aus der Schule kannte, ein Schläger mit mehreren Vorstrafen, darunter gefährliche Körperverletzung. Daniel hat bereits zwei Kinder, sein zweiter Sohn wurde geboren, als er in Haft saß. Er bot Eren seine Hilfe an. Gemeinsam fantasierten sie darüber, Maria mit einer Machete den Kopf abzuhacken, ihr in den Kopf zu schießen oder sie zu vergiften.

Das Gericht geht davon aus, dass die beiden am 24. August 2014 schon einmal geplant hatten, Maria umzubringen. Damals schrieben Erens Eltern ihrem Sohn eine geradezu flehende SMS: "Mach keinen Fehler, wir können für alles eine Lösung finden. Denk an deinen kranken Vater." Sein bester Freund machte sich auf die Suche nach ihm. Der Trubel vereitelte offenbar die Tat.

Einige Monate später, am 19. Januar 2015, schrieb Eren eine WhatsApp-Nachricht an Daniel: "Jo. Diese Woche ich mache das was wir vor hatten aber diesmal sicher." "Lass es Donnerstag machen", antworte Daniel.

"Sie war jung, naiv, verliebt"

Am Donnerstag, den 22. Januar, schrieb Eren seiner Ex-Freundin, dass er eine Überraschung für sie habe. Er und Daniel liehen einen Transporter von einem Bekannten, verstauten Brotmesser und Schlagstock im Wagen, befüllten einen Benzinkanister, holten die im achten Monat schwangere Maria ab und fuhren mit ihr in den Wald.

"Sie war jung, naiv, sie war verliebt", sagt Richterin Alex. "Sie hat Eren blind vertraut."

Was genau zwischen 21.30 Uhr und 22.15 Uhr an jenem Abend geschah, hat sich während des mehrmonatigen Prozesses nicht rekonstruieren lassen. Das Gericht geht nach Abwägung aller Indizien von diesem Tatablauf aus: Auf einer Lichtung stach Daniel Maria zwei Mal mit dem Brotmesser in den Bauch. Dann hielt er sie am Boden fest, während Eren das Benzin über sie schüttete und sie anzündete.

Maria versuchte, sich den brennenden Mantel vom Leib zu ziehen. Sie bewegte sich noch ein paar Meter in den Wald hinein, dann brach sie zusammen. Mindestens eine Minute muss sie noch gelebt haben, bevor der Flüssigkeitsverlust zu multiplem Organversagen führte und ihr Herz schließlich aufhörte zu schlagen. Das Baby erstickte in ihrem Bauch.

Maria P.s Bruder hat das Verfahren als Nebenkläger verfolgt. Christian P. hält sich die Hand vors Gesicht, während die Richterin beschreibt, wie der Körper seiner kleinen Schwester Feuer fing. Er hoffe, dass seine Familie nun endlich Ruhe finde, sagt er nach dem Urteil. Es sei sehr schwer gewesen zu sehen, wie emotionslos die Täter dagesessen hätten. "Kein Blickkontakt mit mir, keine Reue, nichts." Zufrieden sei er, dass das Gericht eine hohe Strafe gewählt habe. "Aber meine Schwester kehrt nicht mehr zurück."

Die Verteidiger von Eren T. und Daniel M. wollen in Revision gehen. Doch dass sich an dem Urteil noch einmal etwas ändert, ist sehr unwahrscheinlich. Nachdem die beiden Mörder ihre Strafe abgesessen haben, werden sie Anfang 30 sein. Wenn sie aus dem Gefängnis kommen, haben sie noch mehr als das halbe Leben vor sich.

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