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Peter Lustig ist tot Der Mann, der uns die Welt erklärte

25 Jahre lang moderierte Peter Lustig die Sendung "Löwenzahn". Nun ist der Mann, authentisch von der Nickelbrille bis zur Latzhose, im Alter von 78 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

Er nimmt endgültig Abschied. Der Mann, dessen unverkennbares Markenzeichen die blaue Latzhose war. Der stets eine runde Nickelbrille trug, in einem Bauwagen lebte und einen unerschöpflichen Vorrat an Ideen parat hatte. Peter Lustig, der Mann, der Millionen Kindern die Welt erklärte, ist tot. Er starb am Dienstag mit 78 Jahren im Kreis seiner Familie in der Nähe von Husum, wie das ZDF mitteilte.

Bekannt wurde Lustig ab 1981 mit der Sendung "Löwenzahn", die er über 25 Jahre hinweg moderierte. Als "Gott-und-die-Welt-Erklärer" zog er nicht nur Kinder in den Bann seiner Tüfteleien, bei denen er alltäglichen Rätseln aus Natur und Technik nachging - auch manches Elternteil ließ sich ohne Widerrede zu einer Folge überreden.

Bevor Lustig 1979 mit der "Löwenzahn"-Vorgängerserie "Pusteblume" auf Sendung ging, wollten die Fernsehmacher ihm eine Perücke verpassen: Für eine Kindersendung sehe er "entschieden zu alt" aus, hieß es. Doch der gelernte Rundfunkmechaniker verweigerte sich dem Kunsthaar. An ihm sollte alles echt sein. Weder die Latzhose noch sein Name waren je Fiktion.

Authentisch bis zur Latzhose

Peter Fritz Willi Lustig spielte seine Rolle nicht, er war immer er selbst und von Beginn nicht nur Protagonist, sondern auch Autor. "Es wäre mir auch entschieden zu anstrengend gewesen, jemand anderen als mich 25 Jahre lang darzustellen. Dazu muss man Schauspieler sein, und der bin ich nun mal nicht", sagte er bei seinem Abschied im Jahr 2005.

Mehr als 200 "Löwenzahn"-Episoden waren zu diesem Zeitpunkt ausgestrahlt worden. Folgen, in denen Peter Lustig eine Miniaturfabrik zur Holz- und Metallverarbeitung baute, um eine Dampfmaschine zu erklären. Experimente mit stinkenden Milchsäurebakterien unternahm. Als Steinzeitmensch in der Wildnis lebte oder Flugversuche mit einem riesigen Heißluftballon wagte. Was für Eltern unter dem Prädikat "pädagogisch wertvoll" lief, war für die jüngeren Fernsehzuschauer pures Vergnügen - und animierte nicht selten zum unverzüglichen Nachmachen im Anschluss an das knapp halbstündige Fernsehabenteuer.

Der 1937 im polnischen Breslau geborene Lustig absolvierte nach seiner Ausbildung zum Rundfunkmechaniker ein Studium als Elektrotechniker. Als Techniker beim US-Militärrundfunk AFN war er verantwortlich für die Aufnahme der berühmten Kennedy-Rede mit dem Zitat "Ich bin ein Berliner" im Jahr 1963. Später wechselte er als Tonmeister nach Mainz und aus der Produktion schließlich vor die Kamera.

Fernseher aus und raus an die Luft

Im imaginären Bärstadt lebte er, weil er den Fluglärm über seinem Haus nicht länger aushielt, in einem Bauwagen, den er nach und nach wohnlich einrichtete und mit Dachterrasse, Küche und einer Treppe aus Stühlen ausstattete. Zwar habe er für Dreharbeiten gelegentlich auch in dem Wagen übernachtet, er sei aber kein "Müsli-Esser" oder "romantischer Aussteiger-Typ", sagte Lustig in einem "Spiegel"-Interview.

Trotzdem war der Bauwagen ebenso legendär, wie die ritualisierte Aufforderung an seine Zuschauer am Ende der Sendung, den Fernseher abzuschalten und an die frische Luft zu gehen. "Tüfteln, Forschen, Entdecken - das war die Welt von Peter Lustig", so ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler in der Mitteilung des ZDF. "Wir werden den Mann, der Kinder und Erwachsene immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen geführt hat, in lebendiger Erinnerung behalten."

Peter Lustig und sein Nachfolger Fritz Fuchs (l.) vor einer selbstgebauten Maschine. (Foto: Antje Dittmann/ZDF/dpa)

Genau wie "Löwenzahn"-Fans jeden Alters. Denn auch, wenn die Sendung vorwiegend für ein Publikum im Grundschulalter konzipiert war - "Löwenzahn" war stets generationenübergreifend beliebt. "Inzwischen wissen wir, dass unsere größten Fans so wie bei der 'Sendung mit der Maus' deutlich über 30 sind. Die haben vor 25 Jahren als Kinder schon die Ausgaben der 'Pusteblume' gesehen und sind uns bis heute treu geblieben", sagte Lustig der "Stuttgarter Zeitung" kurz vor seinem Abschied.

Für seine Leistungen erhielt Peter Lustig zweimal den Grimme-Preis, im Jahr 2007 zudem das Bundesverdienstkreuz. Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler ihm die Auszeichnung überreichte, trug Lustig Latzhose. Zur Feier des Tages mit Nadelstreifen.

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