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Attentat in Michigan Plötzlich begann das Herz wieder zu schlagen

Eines der Opfer des Amokschützen von Michigan ist erst 14 Jahre alt. Abigail Kopf wurde bereits für tot erklärt und für eine Organspende vorbereitet. Doch dann drückte sie die Hand ihrer Mutter.

Als am vergangenen Sonnabend in Kalamazoo (Michigan) erneut ein Amoklauf blutig zu Ende gegangen war, meldete die US-Polizei insgesamt sieben Tote und eine Überlebende. Unter den Opfern des später verhafteten Attentäters zählten die Behörden einen Vater und dessen Sohn, vier ältere Damen und ein 14 Jahre altes Mädchen, das als Abigail Kopf identifiziert wurde.

Der Teenager hatte zusammen mit den vier Frauen im Alter von 60 bis 74 Jahren auf einem Parkplatz vor einer Bäckerei in einem Wagen gesessen, als der Amokschütze Jason Dalton offenbar wahllos das Feuer auf die Insassen eröffnet hatte. Das Motiv des Attentäters, einem Uber-Taxifahrer und zweifachen Familienvater, ist bis heute ungeklärt.

Abigail wurde bei dem Anschlag von einer Kugel in den Kopf getroffen und kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus für hirntot erklärt. Das zumindest bestätigte noch in der Nacht zum Sonntag Polizeisprecher Dale Hinz gegenüber dem Fernsehsender ABC.

Nach dem Herzstillstand hatten die Ärzte keine Hoffnung mehr

Doch Abigail Kopf ist nicht tot. Sie lebt. Vier Tage nach dem Blutbad von Kalamazoo, einem 326.000 Einwohner zählenden Ort zwei Autostunden westlich von Detroit, kämpfen die behandelnden Ärzte einer Kinderklinik weiter um das Leben der jungen Frau. Und die Geschichte klingt dabei wie ein Wunder.

Denn auch die Notfallmediziner des Bronson Children's Hospital schienen nach der Einlieferung von Kopf gegen 23.00 Uhr am Sonnabend nichts mehr für den Teenager machen zu können. Nachdem Abigail einen Herzstillstand erlitten hatte und nur noch künstlich am Leben erhalten werden konnte, kontaktierten sie die Organspendenorganisation Gift of Life und fragten die Eltern, ob sie mit einer Organspende einverstanden wären. Vicki und Gene Kopf stimmten einer Entnahme zu, baten aber um ein wenig Zeit, um sich von ihrer Tochter verabschieden zu können.

"Ihr Herz schlug nicht mehr. Wir mussten mit dem schlimmsten rechnen", sagte Vickie Kopf später mit Tränen in Augen in einer Pressekonferenz. Doch am Krankenbett ihrer Tochter passierte etwas, was sich zunächst niemand so richtig erklären konnte. Auf einmal begann das Herz des Teenagers wieder zu schlagen.

Der mutmaßliche Attentäter Jason Dalton bei einer ersten gerichtlichen Anhörung. (Foto: REUTERS)

"Es war wie ein Wunder", sagt die Mutter

"Ich habe Abigail gefragt, ob sie mich hören und noch einmal meine Hand drücken könnte", erzählte Vicki Kopf über diesen Moment der Hoffnung. Was dann passierte, überraschte nicht nur die Eltern, sondern auch die Ärzte. Denn Abigail Kopf schaffte es nicht nur, die Hand ihrer Mutter zu drücken. Sie versuchte sogar, nach dem Arm zu greifen, und begann, mit den Zehen zu wackeln. "Es hat mir den Atem verschlagen", sagte Vickie Kopf. "Es war wie ein Wunder."

Auch die Ärzte hatten auf einmal wieder Hoffnung. Um sicherzugehen, dass das Handdrücken nicht nur ein Reflex war, begannen sie mit weiteren Tests. Dabei fragten sie ihre Patientin, ob sie ihren Daumen nach oben strecken könne. Abigail befolgte auch diesen Befehl und hob nicht nur einen, sondern gleich beide Daumen.

"Wir haben sie daraufhin sofort operiert", sagte Dr. Aaron Lane-Davies. "Seitdem kämpfen wir um ihr Leben." Berichte, dass die Klinik das Mädchen für hirntot erklärt hatte, dementiert er. "Das haben wir nie gesagt." Abigails Zustand beschreibt Lane-Davies als "kritisch". Der Teenager liege weiterhin im Koma und müsse künstlich beatmet werden.

"Meine Tochter ist nicht tot. Sie ist am Leben und kämpft für ihre Zukunft", sagt eine hoffnungsvolle Vickie Kopf. Die Mutter beschreibt Abigail als ein "willensstarkes und sportliches Mädchen, das gerne ins Theater und Musical geht und eine Vorliebe für Wölfe" habe. "Sie ist eine lebenslustige, eine schöne junge Frau. Und sie verdient das genauso wenig wie ihre Großmutter."

Dem Täter droht lebenslange Haft

In dem Wagen, auf den der 45-jährige Attentäter Jason Dalton geschossen hatte, saßen neben Abigail noch Mary Lou Nye, 63, Mary Jo Nye, 60, Dorothy Brown, 74, und Barbara Hawthorne. Die 68-Jährige ist mit Abigail nicht verwandt, wird von Vickie Kopf aber als "adoptierte Großmutter" beschrieben. "Barbara kennt unsere Töchter seit ihrer Geburt und ist immer wieder mit ihnen zusammen." Abigail hat noch eine sechsjährige Schwester. "Wir haben ihr noch nicht in allen Einzelheiten erzählt, was passiert ist", sagt die Mutter.

Die älteren Damen waren am vergangenen Sonnabend um 22.24 Uhr Ortszeit die letzten Opfer des über Stunden dauernden Amoklaufs. Begonnen hatte dieser gegen 17.42 Uhr mit dem Tod von Richard Smith, 53, und dessen 17 Jahre altem Sohn Tyler. Gegen 0.40 Uhr ließ sich Jason Dalton widerstandslos von der Polizei verhaften. Die Staatsanwaltschaft hat Dalton mittlerweile wegen sechsfachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes angeklagt. Ihm droht bei einem Schuldspruch lebenslange Haft.

Über sein Motiv hat sich der Versicherungsvertreter, der sich abends und nachts als Uber-Taxifahrer ein paar Dollar dazuverdiente, bisher nicht geäußert. Seine Opfer soll er nicht gekannt und zufällig ausgewählt haben. Nachbarn zeigten sich geschockt und bezeichneten Dalton als "freundlichen Familienvater". Er soll zu Hause zur Selbstverteidigung immer Waffen gehabt haben.

Vor dem Amoklauf kaufte der Täter noch lachend ein

Ein Video einer Überwachungskamera zeigt Dalton, wie er kurz vor seinem Amoklauf in einem Waffenladen einkaufte. "Er war bester Laune", erinnert sich der Besitzer Jonathan Southwick. "Er hat viel gelacht und Witze mit meinen Angestellten gemacht." Eine Waffe soll er aber nicht gekauft haben, dafür eine 85 Dollar teure Jacke mit einer Innentasche. Dort soll er die Tatwaffe, eine halb automatische Pistole Kaliber .9, versteckt haben.

Während seines Amoklaufs ist der Uber-Mitarbeiter nach Ermittlungen der Polizei auch seinen Geschäften nachgegangen und hatte mindestens einen nichts ahnenden Fahrgast. Dalton soll während des Attentats auch die Autos gewechselt haben, nachdem er einen anderen Wagen geschrammt hatte. Beide Chevrolets gehören Dalton.

Ob Abigail Kopf das Attentat überleben wird, müssen die nächsten Tage zeigen. Mutter Vickie bezeichnet die Prognose für ihre Tochter als "ungewiss". Ihre Ärzte sind vorsichtig optimistisch. "Abigails Eltern und unser Team kämpfen um ihr Leben", sagte Dr. Lane-Davies. "Sie hat eine schwere Verletzung, doch sie ist zurzeit stabil. Das macht mir Hoffnung."

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